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Zu schade für die Tonne

„Containern“-Aktion in der Karlsruher Waldstadt: Gruppe verschenkt weggeworfene Lebensmittel

Eine Karlsruher Gruppe verabredet sich regelmäßig zum „Containern“. Dann sammeln sie genießbare Lebensmittel, die von Supermärkten weggeworfen werden müssen, und verteilen sie. Dennoch: „Containern“ ist strafbar.

Nicht erlaubt: Extinction Rebellion verschenkt beim Waldstadtzentrum Lebensmittel aus dem Müll. Das sogenannte „Containern“ ist eigentlich eine Straftat. Foto: Jörg Donecker

Karotten, Brötchen, Mais, Tomaten, Bananen und Orangen: Die Liste der Lebensmittel, die die Mitglieder der Gruppe „Aufstand der letzten Generation“ aus verschiedenen Supermarkt-Containern herausgeholt haben, ließe sich noch lange fortsetzen. „All das ist noch gut, und man kann es ohne Probleme essen“, stellt Daniel fest.

Er und seine Mitstreiter verabreden sich regelmäßig zum „Containern“. Sie sammeln genießbare Lebensmittel, die von den Supermärkten aufgrund des abgelaufenen Haltbarkeitsdatums weggeworfen werden müssen und verteilen sie über sogenannte „Fairteiler“ an Bedürftige.

Da das „Containern“ strafbar ist, sind die jungen Leute, die der Bewegung „Extinction Rebellion“ nahestehen, in der Regel nachts unterwegs.

Gruppe verschenkt gerettete Lebensmittel in der Karlsruher Waldstadt

Mit einer besonderen Aktion wollten sie aber nun eine breite Öffentlichkeit auf die Missstände aufmerksam machen: Sie statteten tagsüber einem Edeka-Markt in der Waldstadt einen Besuch ab, um Lebensmittel aus der Biotonne zu holen. „Die Betriebe der Familie Behrens arbeiten schon länger mit Foodsharing zusammen und geben regelmäßig Lebensmittel ab, die nicht mehr verkauft werden dürfen“, versichert ein Mitarbeiter.

Die Lebensmittel aus dem Supermarkt in der Waldstadt und aus zwei weiteren Supermärkten werden schließlich rund um den Kauzbrunnen im Waldstadt-Zentrum präsentiert. „Gerettete Lebensmittel zu verschenken“, ist da auf Plakaten zu lesen, und tatsächlich greifen die Passanten gerne zu: Eine Frau, die mit ihrem Enkel vorbeikommt, nimmt sich Mais, Pastinaken und Tomaten. „Es ist nicht gut, wenn Lebensmittel weggeworfen werden. Man muss sorgsam mit ihnen umgehen“, sagt sie.

In Deutschland werfen wir pro Sekunde 400 Kilogramm Lebensmittel weg.
Pawel Bechtold, Schüler

„Die Überproduktion an Lebensmitteln hat Auswirkungen auf unser Klima“, erklärt Pawel Bechtold. Der Schüler, der sich auch bei Fridays for Future engagiert, hat sich der Aktion angeschlossen, weil er sich um das Klima sorgt: „Vier Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen kommen von den weggeworfenen Lebensmitteln“, sagt er. „In Deutschland werfen wir pro Sekunde 400 Kilogramm Lebensmittel weg, während auf der Erde 800 Millionen Menschen hungern“, fügt er hinzu.

Teilnehmer zeigt sich selbst bei der Polizei an

Er und seine Mitstreiter wünschen sich, dass die Politik reagiert. „In Frankreich ist es verboten, dass Supermärkte Lebensmittel wegwerfen“, erklärt Vera. Daniel versichert, dass man aber nicht die Supermärkte als Gegner sehe, dass es sogar etliche Supermärkte gebe, die gut kooperierten. „Wir brauchen ein Gesetz, dass dafür sorgt, das nicht verkaufte Lebensmittel bedürftigen Menschen zur Verfügung gestellt werden.“

Wir wollen mit solchen Aktionen zeigen, wie absurd das alles ist.
Pawel Bechtold, Schüler

Um aufzuzeigen, wie die Situation aktuell in Deutschland ist, zeigt sich einer der Teilnehmer, Clemens Pasch, selbst bei der Polizei an. „Wir verteilen ja hier eigentlich Diebesgut“, sagt er. Tatsächlich trifft kurze Zeit später die Polizei ein, und die Beamten nehmen eine Anzeige auf. „Wir wollen mit solchen Aktionen zeigen, wie absurd das alles ist“, meint Pawel Bechtold. „Es kann nicht sein, dass es eine Straftat ist, wenn Lebensmittel aus der Mülltonne gerettet werden.“

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