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Weihnachtsgeschäft könnte leiden

Corona-Beschränkungen erschweren Karlsruher Einzelhändlern die Werbung um Kunden

Viele Karlsruher Händler sind dringend auf den Umsatz aus dem Weihnachtsgeschäft angewiesen. Im Corona-Jahr kämpft die Innenstadt dabei mit einem schwer zu lösenden Widerspruch: Man will möglichst viele Menschen in die Stadt locken und gleichzeitig die Pandemie-Vorgaben beachten.

Auf Abstand: Der Einzelhandel wünscht ich ein gutes Weihnachtsgeschäft und viele Kunden. Gleichzeitig müssen Mindestabstände eingehalten und Gedränge vermieden werden. Foto: jodo

Wie bringt man möglichst viele Menschen in die Stadt und in die Geschäfte – mit möglichst wenig Gedränge? Über diese Frage zerbrechen sich einige Wochen vor Beginn des wichtigen Adventsgeschäfts in Karlsruhe nicht nur Händler den Kopf. Ideen gibt es. Wie gut sie funktionieren, weiß aber keiner. Noch dazu macht die unvorhersehbare Entwicklung der Corona-Pandemie den Planern Sorgen. Was heute gilt, könnten neue Vorgaben aus Stuttgart schon morgen zunichtemachen. Für eine Prognose aus dem Fenster lehnen möchte sich deshalb niemand.

Händler zwischen Skepsis und Optimismus

„Das macht einen schon verrückt“, sagt Martin Wacker, Chef der Karlsruher Marketing- und Eventgesellschaft (KME). Mit seinem Team organisierte er unter anderem die abgespeckte Marktplatz-Eröffnung inklusive der leuchtenden Einkaufsnacht am Wochenende. Ein ähnliches Konzept kann er sich für die Vorweihnachtszeit vorstellen. „Wir brauchen dezentrale Aktionen und kreative Ideen. Was überhaupt nicht geht, ist die Schaffung bewusster Besuchsanlässe“, sagt Wacker.

Wer sich unter den Händlern umhört, bekommt von großer Skepsis über vorsichtigen Optimismus bis zu echter Vorfreude alles geboten. Beim Kindermode-Geschäft Hergard erwartet man ein gutes Vorweihnachtsgeschäft. Ein Schuh-Händler, der namentlich nicht genannt werden möchte, bezeichnet das Corona-Virus und seine Folgen hingegen als „Brandbeschleuniger“ eines seit Jahren beobachtbaren Negativ-Trends.

„Wir geben uns keinen Illusionen hin. Das Weihnachtsgeschäft nimmt sowieso immer mehr ab, durch Corona wird das nur verstärkt. Da müssen wir die Realität akzeptieren und unsere Konsequenzen daraus ziehen“, sagt er. Mit Schlangen vor der Tür rechnet man bei dem Schuh-Händler deshalb in den nächsten Wochen nicht.

Weitere Verschiebung in den Online-Handel ist spürbar

In der Filiale der Buchhandelskette Thalia in der Kaiserstraße rüstet man sich derweil für einen größeren Andrang. Der Kassenbereich ist frisch umgebaut, um Kundenströme zu lenken. Am Eingang könnte es vor allem an den Adventswochenenden wieder Kontrollen geben, damit nicht mehr als die erlaubten 200 Menschen gleichzeitig im Laden sind.

„Es schlagen zwei Herzen in der Brust“, sagt Filialleiterin Iris Grißtede. „Wir müssen schauen, dass die Kunden schnell rein- und schnell rauskommen, ohne ihnen das Gefühl der Eile zu vermitteln.“ Grundsätzlich sieht Grißtede die Buchbranche vergleichsweise gut gerüstet, aber auch sie geht von einem Umsatzrückgang im Weihnachtsgeschäft aus. Thalia plant mit weniger Aushilfen als in den vergangenen Jahren. „Die Verschiebung in den Online-Bereich ist spürbar“, sagt die Filialleiterin.

Im Einkaufscenter Ettlinger Tor spricht Center-Managerin Anne Klausmann von einem „schmalen Grat“ beim Versuch, allen Corona-Vorgaben auf der einen und den Wünschen der Händler und Besucher auf der anderen Seite gerecht zu werden. Man halte sich natürlich an alle Verordnungen und Hygiene-Regeln. Einlassbeschränkungen oder Kontrollen an den Eingängen soll es aber nicht geben, solange das Land es nicht vorschreibe. Es gehe vielmehr um situationsbedingte Entscheidungen.

Ettlinger Tor bereitet sich auf größeren Andrang vor

„Wir wollen die Umsätze nicht komplett dem Online-Handel überlassen“, sagt Klausmann. Das Center bereitet sich darauf vor, Warteschlangen mit Abstandsmarkierungen vor einigen Läden einzurichten. An einzelnen Tagen sollen zusätzliche Sicherheitskräfte die Einhaltung der Maskenpflicht und der Abstandsregeln überwachen, aber nicht an allen.

Die Nagelprobe für das Konzept steht am 27. November im Kalender. Der sogenannte „Black Friday“ zwei Tage vor dem ersten Advent hat sich seit Jahren zu einem der wichtigsten Tage für den Einzelhandel entwickelt. Das Ettlinger Tor will den Schnäppchen-Tag aktiv bewerben.

Hoffnung auf mehr Besucher unter der Woche

Bei der City Initiative Karlsruhe glühen dieser Tage die Köpfe und die Telefondrähte. „Wir wollen den Händlern natürlich etwas Gutes tun“, sagt Geschäftsführer Frank Theurer. „Aber es muss zielführend sein und entzerren.“ Er hofft darauf, dass sich die Shopping-Touren der Kunden besser auf die ganze Woche verteilen lassen als in den Vorjahren. Es gebe Ideen, wie man Menschen gezielt zwischen Montag und Freitag in die Stadt locken könne – aber noch nichts Spruchreifes.

Mit weniger Kunden als normal rechnet Peter Schlaile vom gleichnamigen Musikhaus. „An die Flächenlimits kommen wir sicher nicht“, sagt er. Trotzdem lässt sich seinen Worten vorsichtiger Optimismus entnehmen. Bisher kann das Musikhaus über den Verkauf hochwertiger Musikinstrumente die fehlende Frequenz halbwegs ausgleichen.

Teile des Angebots wie der Ticket-Bereich oder die Noten laufen allerdings schon seit Monaten schlecht. „Wir müssen aus weniger Kunden etwas mehr rausholen“, berichtet Schlaile. „Aber das Weihnachtsgeschäft wird wohl so unvorhersehbar wie das ganze Jahr.“

Mit verschiedenen Standbeinen ins Weihnachtsgeschäft

Bei Hergard in der Herrenstraße hat man sich seit Beginn der Corona-Krise auf das veränderte Kaufverhalten eingestellt. Einen Teil des Geschäfts verlagerte Junior-Chefin Nicki Gohl in die sozialen Medien. Nach Absprache öffnet der Kindermode-Laden auch außerhalb der Öffnungszeiten zum „private shopping“. Vor wenigen Tagen startete zudem der eigene Online-Shop.

„Wir haben die Corona-Krise als Chance genutzt, um uns neu aufzustellen“, sagt Sissi Langendorf-Gohl. „Und es hat funktioniert. Die Kunden haben uns über die schwierige Situation getragen.“ Durch die verschiedenen Standbeine sieht man sich für das Weihnachtsgeschäft gut aufgestellt. „Die Menschen gehen sicher gezielter Shoppen als sonst, aber wir machen uns keine Sorgen“, sagt Nicki Gohl.

„Dieses Jahr sucht keiner bewusst den Trubel“, glaubt auch KME-Chef Martin Wacker mit Blick auf die sonst oft gedrängten Adventssamstage. „Das wird sich über die Vernunft der Menschen regeln.“ Bei der Unterstützung des Handels wirft er sein Augenmerk auch auf die dezentralen Weihnachtsmärkte und die Eiszeit, die in den vergangenen Jahren Besuchermagnete waren. „Es ist eine große Herausforderung, dafür überhaupt Partner aus der Eventbranche zu finden“, sagt Wacker. Die Entwicklung müsse man abwarten.

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