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In der Krise fehlen Neukunden

Corona-Lockdown im Januar trifft Karlsruher Fitness-Studios besonders hart

Mit guten Vorsätzen gehen viele Menschen traditionell ins neue Jahr. Davon profitieren auch Fitnessstudios. In keinem Monat verzeichnen die so viele Anmeldungen wie im Januar. 2021 ist alles anders. Das Problem wird lange wirken.

Verwaiste Studios: Durch den Lockdown bleibt es auf den Trainingsflächen leer, die Geräte stehen ungenutzt. Im Januar trifft das die Betreiber besonders hart. Foto: Jonas Walzberg/dpa

Bei den Discountern reibt man sich zufrieden die Hände. Die meisten haben pünktlich zum Jahresstart Springseile, Massagerollen, Crosstrainer und andere Fitness-Artikel im Angebot – oder vielmehr hatten, denn in vielen Filialen sind die Aktionsartikel längst ausverkauft. Um die guten Fitness-Vorsätze kann man sich 2021 vorerst nur zu Hause kümmern.

Fitness-Studios, die im Januar meist ihren stärksten Monat haben, müssen aufgrund des Lockdowns zuschauen. Die Konsequenzen werden viele über Monate spüren. Mit Online-Kursen und anderen Digitalangeboten versuchen einige auf dem Markt präsent zu bleiben. Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist das aber meist nicht.

„In einem guten Januar begrüßen wir rund 1.000 neue Mitglieder“, erzählt Steffen Werner, Geschäftsführer der Karlsruher Fit-In-Kette. Sieben Studios liegen in seiner Verantwortung. Den Gesamtwert der Verträge beziffert er auf rund 500.000 Euro, die über die nächsten Monate verteilt aufs Konto kommen würden. Deshalb ergebe sich eher auf lange Sicht ein Problem.

Natürliche Mitglieder-Fluktuation liegt zwischen 25 und 40 Prozent im Jahr

Die Zahl der Kündigungen habe durch die Corona-Krise kaum zugenommen, berichten mehrere Betreiber im Gespräch mit den BNN. „Aber eine Fluktuation von 25 bis 40 Prozent ist in der Branche üblich“, sagt Werner. Da es seit März 2020 aber kaum Neukunden gab, fehlten nun rund 30 Prozent des Umsatzes.

Dazu müssen die Studios durch den zweiten Lockdown erneut klären, wie sie mit laufenden Verträgen und Mitgliedsbeiträgen umgehen. Viele setzen auf individuelle Ansprache statt einheitlicher Lösungen. „Wir bieten unseren Kunden an, dass sie weiter zahlen, ihren Vertrag pausieren oder für das Geld Zeit- oder Wertgutscheine bekommen“, sagt Orhan Erdal, Geschäftsführer im Mühlburger Studio e-Training.

Im ersten Lockdown zahlten die meisten weiter. Diese Solidarität fange nun aber an zu bröckeln, die Zahl der Vertragspausen nehme deutlich zu. „Das verstehe ich natürlich, aber für die Liquidität ist es schlecht.“

Digitale Angebote sind bestenfalls eine Ergänzung

Mit digitalen Angeboten versucht Erdal schon seit der ersten Schließung, das Geschäft wenigstens teilweise aufrecht zu erhalten. Man habe sehr schnell ein „virtuelles Fitness-Studio“ eingerichtet. „Die Kampfsport-Kurse sind tatsächlich einigermaßen gut gebucht“, sagt er. „Bei Fitness sieht es deutlich anders aus. Da sind viele Kunden einfach auch keine Kursgänger.“

Auch die Nachfrage nach Trainingsplänen, die sich mit Utensilien umsetzen lassen, die jeder zuhause hat, hält sich in Grenzen. All das könne das Studio nicht ersetzen, höchstens negative Folgen ausfallenden Trainings wie Rückenprobleme abmildern. Mit Online-Kursen hält auch die Fit-In-Kette Kontakt zu den Kunden, Verträge will man digital aber nicht verkaufen. „Die Leute haben andere Probleme“, glaubt Werner.

Hoffnung auf den Ansturm nach der Pandemie

Auf eine Trendwende hofft der Fit-In-Chef, sobald die Pandemie einigermaßen im Griff ist. „Wir rechnen mit Monaten mit extremem Zulauf. Es wird einen Nachkonsum geben“, sagt er. Der Wunsch nach dem Besuch im Fitness-Studio sei schon jetzt in vielen Nachfragen zu spüren. „Jemand hat vorgeschlagen, dass wir doch eine Kirche gründen sollen, um öffnen zu können“, sagt Werner schmunzelnd. Weil das natürlich nicht geht, müsse man nun „irgendwie durch die Krise kommen“. Dabei geht es für viele durchaus an die Reserven. Von einigen Studios, die bereits Geräte verkaufen mussten, berichtet Orhan Erdal.

Sein Studio kam durch angegliederte Geschäftsbereiche wie Personal Training bisher relativ gut durch die Krise. „Aber auch wir spüren den immensen Kostendruck. Bisher haben wir keine Kurzarbeit angemeldet, jetzt müssen wir das voraussichtlich doch noch tun“, sagt Erdal. Das Ende der Krise bedeutet für viele Fitness-Studios aber nicht, dass alles überstanden ist, ist Werner überzeugt. Erst beim Neustart werde sich zeigen, wie gut jemand gewirtschaftet hat.

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