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Corona-Tests werden kostenpflichtig

Um die 15 Euro könnten Karlsruher für einen Corona-Test zahlen

Ab dem 11. Oktober müssen Menschen in Karlsruhe den Corona-Schnelltest selbst zahlen. Für Ungeimpfte kann es teuer werden.

Kostenpflichtige Corona-Tests: Ab dem 11. Oktober müssen die Karlsruher ihren Schnelltest selbst zahlen. Das könnte teuer werden. Desire (rechts) kann sich die Tests für die drei Trainingseinheiten pro Woche in der Tanzschule dann nicht mehr leisten. An die 80 Menschen testet Fabio (links) in der Kronenstraße derzeit täglich. Sobald die Tests etwas kosten, rechnet er mit einer geringeren Nachfrage. Foto: Gundi Woll

Für Ungeimpfte in Karlsruhe, die sich testen lassen wollen, wird es ab dem 11. Oktober teuer. Wollen sie weiterhin etwa ins Kino gehen, im Fitnessstudio trainieren oder sich mit Freunden in einem Restaurant treffen, müssen sie einen negativen Corona-Antigen-Schnelltest vorweisen. Doch ab dem 11. Oktober trägt der Staat die Kosten für den Test nicht mehr.

„Ich bin arbeitslos und kann mir einen Test dann nicht mehr leisten“, sagt Angelika Hut. Sie steht vor dem Testzelt in der Kronenstraße und wartet auf ihr Ergebnis. Für eine Arbeitsgelegenheit, die ihr das Jobcenter vermittelt hat, braucht sie ein negativen Nachweis.

Ob sie nach dem 11. Oktober weiterarbeiten kann, weiß sie nicht. Geimpft ist sie nämlich nicht. Auf Nachfrage der Redaktion bei der Arbeitsagentur, sagt Pressesprecher Benjamin Gondro: „Wir gehen davon aus, dass es dazu keine Regelung geben wird. Dann wird der Staat die Kosten nicht übernehmen. Denn es gab und gibt genug kostenlose Impfangebote.“

Ich lasse mich jetzt impfen, weil ich sonst für die Tests zahlen müsste und im Fall einer Quarantäne keinen Lohnersatz bekomme.
Matthäus Spyra, Passant

Nach ihr betritt Matthäus Spyra das Testzelt. „Ich lasse mich jetzt impfen, weil ich sonst für die Tests zahlen müsste und im Fall einer Quarantäne keinen Lohnersatz bekomme“, sagt er.

Den vollen Impfschutz hat Spyra allerdings erst Anfang November. Bis dahin will er auf vieles verzichten, für das er sich testen lassen müsste. „Wenn dann aber Freunde unbedingt mit mir ins Kino gehen wollen, beiße ich halt in den sauren Apfel und zahle den Test.“

Test in Karlsruhe kostet bei vielen zwischen 7,50 Euro und knapp 20 Euro

Von 7,50 bis knapp 20 Euro reicht die Preisspanne in Karlsruhe. Wie viel ein Test kostet, entscheidet jeder Anbieter selbst. 19,95 Euro sind es in der Marien Apotheke in der Südstadt. In der Eisbär Apotheke in Durlach wird ein Test um die 15 Euro kosten, sagt Inhaberin Sabine Bäumer.

Der Ballettverein Pirouette in der Sophienstraße bietet eine Zehnerkarte an. Pro Test wären es 7,50 Euro. „Damit gehören wir zu den Günstigsten in Karlsruhe“, sagt der Geschäftsführer Konstatin Kron. Er rechnet deshalb damit, dass sich mehr Menschen als bisher in der Station testen lassen. Thomas Nusche betreibt nach Feierabend eine Teststation in Daxlanden.

„Ich warte ab, wie viel die anderen verlangen und orientiere mich dann am unteren Preisbereich. Die Kosten werden aber einstellig sein.“

Für 18 Euro gibt es einen Test in der Congress Apotheke in der Ettlinger Straße. Inhaber Patrick Kwin bietet aber auch eine Zehnerkarte an. Pro Test wären es dann noch 13,50 Euro. Den Preis begründet er mit der sinkenden Nachfrage und dem Risiko, die Tests vorab in größeren Mengen einkaufen zu müssen.

Zahl der Teststationen hat bereits abgenommen

„Der Preis wird ohnehin durch die anderen Anbieter eher sinken“, vermutet Kwin. „Das führt dazu, dass man irgendwann nicht mehr mit dem Preis mithalten kann.“ An die 50 Prozent der Teststationen seien inzwischen ohnehin geschlossen, weil zu wenige Leute kämen, schätzt der Apotheker. Davon seien insbesondere diejenigen außerhalb der Innenstadt betroffen.

Die Drogeriemarktkette dm hat bereits im August entschieden, ab Oktober keine Tests mehr durchzuführen. Auch Apothekerin Bäumer überlegt, einige ihrer sieben Teststationen zu schließen. „Wir haben eine Station mit zehn Tests am Tag. Der Arbeitsaufwand lohnt sich einfach nicht.“

Dass sich wegen der bevorstehenden Testkosten nun mehr Menschen impfen lassen, bezweifelt Kwin. Genau das erlebt allerdings Marianne Difflipp-Eppele, Hausärztin aus Durlach und Pandemie-Beauftragte der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für Karlsruhe. „Seit der Ankündigung haben sich wieder deutlich mehr Menschen bei mir impfen lassen.

Die Erfahrung haben auch Kollegen gemacht.“ Kwin hingegen meint: „Die Leute stellen sich jetzt eher stur, weil sie sich zum Impfen genötigt sehen.“ So geht es einer Frau, die in der Kronenstraße auf ihr Testergebnis wartet und lieber anonym bleiben will.

„Wenn es keinen Notfall gibt, werde ich mich nicht mehr testen lassen, egal wie viel der Test kostet. Die Regelung finde ich nicht in Ordnung.“ In dieser Woche sei es schon ihr dritter Test. Für Restaurantbesuche, sagt sie. Auf die werde sie ab dem 11. Oktober verzichten. „Wir waren ja schon monatelang abgeschottet. Für mich ist das ein weiterer Lockdown.“

Wenn es keinen Notfall gibt, werde ich mich nicht mehr testen lassen, egal wie viel der Test kostet. Für mich ist das ein weiterer Lockdown.
Frau, die anonym bleiben will

Sich komplett einschränken will Desire L. nicht. Ihren Nachnamen will sie nicht in der Zeitung lesen. Sie geht dreimal in der Woche in die Tanzschule und braucht dafür einen Test. „Ich werde dann wohl nur noch einmal ins Training gehen können, weil ich mir das sonst finanziell nicht leisten kann“, sagt die junge Frau vor dem Testzelt in der Kronenstraße.

70 bis 80 Leute lassen sich dort täglich testen, sagt Fabio, der ebenfalls nicht mit ganzem Namen genannt werden will. Seit zwei Monaten führt er die kostenlosen Bürger-Tests durch.

„Vor einigen Wochen kamen noch 150 Leute pro Tag. Es sind meistens dieselben. In letzter Zeit fallen aber viele weg, weil sie vermutlich inzwischen geimpft sind“, berichtet er. Ob es sich finanziell ab dem 11. Oktober überhaupt lohnt, die Tests durchzuführen? „Wir werden eine Woche lang die kostenpflichtigen Tests anbieten und dann entscheiden, ob wir weitermachen oder schließen“, sagt Fabio.

Damit es keine Impfpflicht durch die Hintertür gibt, plädiert Apotheker Kwin dafür, die Tests weiterhin kostenlos anzubieten.

„Es wäre zudem sinnvoll, wenn sich auch Geimpfte etwa vor Familienfeiern testen würden. Denn auch sie können andere anstecken.“ So sieht das auch der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). Die Abschaffung der kostenlosen Bürgertests bezeichnet er angesichts der aktuellen Inzidenzentwicklung als Fehler der Bundesregierung.

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