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An diesem Wochenende

Corona verändert das jüdische Neujahrsfest in Karlsruhe

Neujahr im September: Am Wochenende feiern Juden Rosch Haschana. Wegen Corona ist dabei einiges anders als bisher üblich.

Jetzt beginnen die hohen Feiertage: Rabbiner Mordechai Mendelson bläst zum jüdischen Neujahr das Widderhorn. Foto: Peter Sandbiller

Das neue Jahr beginnt am Freitagabend: Mit Einbruch der Dunkelheit starten Juden in das Jahr 5781. Es ist ein Moment der persönlichen Einkehr und des Rückblicks – der in Corona-Zeiten anders ausfällt als bisher üblich.

Große Abstände zwischen den Teilnehmern beim Essen, kein Gesang, dafür Maskenpflicht den gesamten Gottesdienst über lauten die Regeln bei der Jüdischen Kultusgemeinde in der Nordstadt. Rabbiner Mordechai Mendelson, der die Chabad-Synagoge in der Innenstadt leitet, verzichtet wegen der Pandemie erstmals komplett auf ein Festmahl, bei dem in den Vorjahren gut 70 Menschen zusammen das Rosch Haschana genannte Fest begingen.

„Wenn Gott nicht mit den Änderungen zufrieden ist, kann er Corona wegnehmen“, sagt Mendelson. Der Schutz und die Achtung des Lebens stehe an erster Stelle. Und bei Religion und Glaube gehe es ja auch nicht nur um große Events.

Neujahrs-Pakete für Zuhause

„Corona ist eine schreckliche Sache. Aber in der Pandemie lernen wir wieder zu schätzen, was wir bisher für selbstverständlich hielten“, so der Rabbiner. Am Freitag gibt er nach dem Gebet kleine Neujahrs-Pakete inklusive der Gebetstexte an die Gläubigen aus. „So kann jeder zuhause im kleinen Kreis feiern.“ Die Boxen enthalten unter anderem Honig und Äpfel, Symbole für ein gesundes, süßes neues Jahr. Granatapfelkerne sind ebenfalls Teil der Geschenke: „So viele Kerne wie die Frucht hat, so viele gute Taten soll man im nächsten Jahr begehen“, erklärt der in New York geborene Mendelson.

Seit 17 Jahren lebt der Rabbiner mit seiner Familie in Karlsruhe, wo er zum jüdischen Fest Sukkot beispielsweise eine für alle Bürger zugängliche Laubhütte aufbaut. Bald ist es wieder soweit, denn mit Rosch Haschana beginnt ein ganzer Reigen an hohen Feiertagen. Alle starten sie am Abend. Neujahr wird von Freitagabend bis Sonntagabend gefeiert.

Corona ist eine schreckliche Sache. Aber in der Pandemie lernen wir wieder zu schätzen, was wir bisher für selbstverständlich hielten.
Rabbiner Mordechai Mendelson

Am letzten Tag erklingt morgens die Shofar, ein Widderhorn. 100 Töne muss Mendelson den Geboten zufolge blasen. Er wird dies zum Fenster hinaus tun, auch das ist Corona geschuldet. Ein zweites Widderhorn-Blasen, das er vor allem für Familien anbietet, verlagert er gleich komplett ins Freie.

Die Idee ist, die Menschen mit den Tönen aufzuwecken, sie aufzurütteln. Ein weiterer Mosaikstein ist ein kleiner Ausflug zu einem Teich: An einer Quelle soll ein Gebet stattfinden, heißt es. Fische spielen dabei eine Rolle: „Sie haben die Augen immer offen - genau wie Gott für uns“, erläutert der Rabbiner.

Seine Laubhütte muss am 2. Oktober fertig sein, das achttägige Laubhüttenfest startet dann ebenfalls an einem Freitagabend. Zuvor wird am 27. und 28. September an Jom Kippur 25 Stunden lang gefastet. Dies ist Höhepunkt und Abschluss der Tage der Reue und Besinnung, die an diesem Freitag mit dem Neujahrsfest starten.

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