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Ärger über Gebühren

„Schlechteste Vorverkaufsaktion ever“: Bei Karlsruher „Das Fest“-Fans schlägt Vorfreude in Frust um

Es ist der Moment, auf den viele „Das Fest“-Fans hingefiebert haben: Pünktlich um 10 Uhr gingen am 3. Mai die Karten in den Vorverkauf. Wenig später war der ein oder andere Stammgast des Kult-Festivals bereits schwer genervt.

Geduld gefragt: Die Warteschlange für „Das Fest“-Tickets reicht von der Kaiserstraße über die Karl-Friedrich-Straße und den Zirkel bis zur Ecke Kreuzstraße.
Die Warteschlange für „Das Fest“-Tickets reicht von der Kaiserstraße über die Karl-Friedrich-Straße und den Zirkel bis zur Ecke Kreuzstraße. Foto: Jörg Donecker

Wer sich gegen 10.30 Uhr in der Schlange umhört, dem schlägt viel Frust entgegen. Es fallen Worte wie „Frechheit“, „Unverschämtheit“ und „Sauerei“. Einige diskutieren empört. Manche telefonieren. Fast alle tippen auf ihrem Handy herum.

Knapp eine Stunde zuvor klingt das noch vollkommen anders. Vielen springt die Vorfreude förmlich aus dem Gesicht. Es wird gelacht und gescherzt. Doch was ist seitdem passiert?

Kurz zur Ausgangslage: Pünktlich um 10 Uhr beginnt der Ticketvorverkauf für „Das Fest“, so haben es die Veranstalter angekündigt. 15 Euro statt zehn kostet das Tagesticket nun, auch das war längst bekannt. Die Abwicklung haben Martin Wacker und sein Team während der Corona-Zwangspause neu geregelt. Erstmals läuft alles über den Dienstleister Eventim, eigene Tickets gibt es nicht.

Der Verkauf startet sowohl über das Online-Portal von Eventim als auch in vereinzelten Vorverkaufsstellen in der Region, vier davon direkt in Karlsruhe.

Ganz vorne: Ein Mann mit dem Künstlernamen Hedu Nist sichert sich die ersten Tickets für „Das Fest“ im Jahr 2022. Auch „Schaufenster“-Mitarbeiter Roberto Alceide freut sich, dass es endlich losgeht.
Ein Mann mit dem Künstlernamen Hedu Nist sichert sich die ersten Tickets für „Das Fest“ im Jahr 2022. Auch „Schaufenster“-Mitarbeiter Roberto Alceide freut sich, dass es endlich losgeht. Foto: Jörg Donecker

Eine davon ist das „Schaufenster“ – die Tourist-Info am Marktplatz. Um 8 Uhr steht hier der Erste vor der Tür, wenig später kommen Bo und seine Begleiter. „Klar stehe ich hier. Was ist denn, wenn online nichts geht?“, fragt Bo.

Seit der dritten Ausgabe von „Das Fest“ ist er Stammgast in der Klotze. Für die Wartezeit hat er einen rot-weißen Klapphocker dabei. „Auf dem saß die Mutter meines Sohnes schon vor Jahren beim Fest, als sie schwanger war“, erinnert er sich.

Ein paar Schritte weiter lehnt Uwe mit einem Buch in der Hand an der Scheibe. Er will Karten für seine Familie mitnehmen – und für zwei Freunde, die vor Jahren nach Kanada ausgewandert sind und während der „Fest“-Tage zu Besuch sind. Ein wenig weiter hinten steht Vater Lukas mit seinem bald einjährigen Kind. „Ich habe das Kleingedruckte wohl nicht gelesen“, antwortet er schmunzelnd auf die Frage, warum er die Tickets nicht online kauft.

Um halb 10 ist die Schlange deutlich gewachsen. Sie windet sich von der Karl-Friedrich-Straße über den Zirkel bis zur Ecke Kreuzstraße. Auch vor Schlaile in der Kaiserstraße und dem ADAC in der Steinhäuserstraße brauchen die „Fest-Fans“ zu dieser Zeit Geduld.

Auf der Straße vom Schloss zum Marktplatz unterhalten sich gut gelaunt zwei Frauengruppen. Man scherzt über „Das Fest“-Erlebnisse, erinnert sich an Gewitter und den Auftritt von Peter Fox 2009. Wer in diesem Jahr auf der Bühne steht, ist gar nicht so wichtig, sind sich alle einig. „Es geht um das Erlebnis“, erklären Jenny und Bettina. Mireya steht via Handy derweil mit Freunden in Kontakt – sie probieren online ihr Glück. „Schade ist nur, dass es keine schönen Tickets gibt“, sagt Mireya.

Karlsruher „Das Fest“-Fans enttäuscht über den Look der Tickets

Die farbenfrohen Karten vergangener „Feste“ liegen bei vielen Wartenden noch Zuhause. Einige sind hier, weil sie davon ausgehen, solche wiederzubekommen. Manche haben sich extra freigenommen.

Als sich herumspricht, dass das nicht der Fall ist, setzt erste Enttäuschung ein. Im „Schaufenster“ gibt es die Tickets nur im typischen Eventim-Look. Wer über die Website bestellt, bekommt hingegen ein blau-grün gehaltenes „FanTicket“, verspricht der Dienstleister.

Pünktlich um 10 Uhr schaltet Eventim den Kartenverkauf frei – jetzt können auch die Mitarbeiter des „Schaufensters“ darauf zugreifen. Der Drucker läuft im Dauerbetrieb. Sechs Tickets pro Tag sichert sich gleich der Erste in der Schlange, knapp 500 Euro wechseln dafür den Besitzer. „Wenn ich eines nicht brauche, verkaufe ich das für den gleichen Preis oder verschenke es“, sagt der Mann mit dem Künstlernamen Hedu Nist. „Das ist Ehrensache!“

Tickets kosten mehr als angekündigt das sorgt für Verwunderung

Auf den Preis schauen einige allerdings schwer verwundert. Fällig wird nämlich nicht nur der Ticketpreis wie vor der Pandemie, wenn die „Fest-Crew“ beispielsweise im „Schaufenster“ selbst verkaufte. Obendrauf kommen nun 2,20 Euro Vorverkaufsgebühr von Eventim – und 50 Cent Servicegebühr des „Schaufensters“. Insgesamt werden also 17,70 Euro pro Karte fällig, 18 Prozent mehr als der angekündigte reine Kartenpreis. Wer das Limit von 24 Karten ausschöpft, zahlt also zusätzlich fast 65 Euro, die nicht beim Veranstalter landen.

Genau das spricht sich schnell in der Schlange rum. „Ich bin nur hier, weil ich davon ausgegangen bin, dass die Karten hier 15 Euro kosten“, meckert eine ältere Frau. Joachim spricht von „der schlechtesten Vorverkaufsaktion ever“ und „mieser Kommunikation“.

Daniel bestellt kurzerhand via Handy. Viele tun es ihm gleich, deshalb leert sich die Schlange schneller als erwartet. Vater Lukas ist um 10.30 Uhr längst verschwunden. Auch Jenny und Mireya verabschieden sich in den Sonnenschein.

In die Beschwerden über die Ticketpreise mischt sich gegen Mittag dann aber eine gewisse Erleichterung: Wer in der Schlange steht, bekommt auch Karten. Die zwischenzeitliche Sorge, dass das Papier für den Kartendrucker im „Schaufenster“ ausgeht, ist mittlerweile verflogen. Auch Eventim meldet trotz des morgendlichen Ansturms noch für keinen der vier Tage „ausverkauft“. Das bleibt bis zum Abend so. Etwa die Hälfte der 140.000 Karten sei weg, berichtet „Fest-Chef“ Martin Wacker um 17 Uhr.

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