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Zu viel Kalk im Wasser?

Debatte um das Karlsruher Trinkwasser: FDP will Enthärtungsanlagen

Die FDP stößt eine Debatte über das Karlsruher Trinkwasser an. Aus Sicht der Liberalen ist es zu hart. Die Stadt sieht das anders.

Einsatz am Becken: Hat das Trinkwasser einen hohen Härtegrad, lagert sich gerne Kalk ab. Foto: Knut Koops

Kalk in Duschkabinen und Wasserkochern ist ein Ärgernis. In Karlsruhe bringt die FDP nun eine Enthärtung des Trinkwassers ins Spiel – wovon die Verwaltung jedoch nichts hält. Das hat unter anderem mit den selbst gesteckten Klimazielen der Stadt zu tun. Dabei geht es auch den Liberalen bei ihrem Vorstoß um die Umwelt.

Andere Kommunen installierten bereits Enthärtungsanlagen, betont die FDP-Fraktion in einer Anfrage im Gemeinderat. In der Folge sei nicht nur die Qualität des Trinkwassers gestiegen. Vielmehr müsse auch zu Hause weniger entkalkt werden, zudem sinke der Waschmittelbedarf.

Die FDP sieht die Chance einer „alltäglichen ökologischeren Lebensführung“. Eine Einschätzung, die die Stadt nicht teilt. Die Experten im Rathaus sind sicher: Eine Enthärtung des Karlsruher Wassers hätte mehr Nach- als Vorteile.

„Hartes Wasser“ - was ist das eigentlich?

Der Gehalt an Calcium- und Magnesium-Ionen im Trinkwasser wird umgangssprachlich als „Wasserhärte“ bezeichnet. Das Karlsruher Trinkwasser wies im vergangenen Jahr eine mittlere Härte von etwa 3,2 Millimol Calciumcarbonat pro Liter auf, dies entspricht nach den Einstufungen des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes etwa 18 Grad deutscher Härte. Ein Wert, der seit Jahren relativ konstant ist.

Eine Maximalkonzentration für Calcium und Magnesium im Trinkwasser gibt es nicht, wie die Stadt betont. Die Zufuhr dieser Mineralien sei vielmehr gewünscht, ein Härtegrad von null schon medizinisch also nicht sinnvoll.

Erst ab Werten von 20 Grad deutscher Härte werde den technischen Regeln zufolge über eine zentrale Enthärtung diskutiert. Die wäre in Karlsruhe jedoch weder einfach noch günstig machbar, legt die Stadt dar. Abfälle oder Abwässer fielen beim Enthärten an, heißt es. Und entsprechende Abwasserkanäle seien bei den Wasserwerken gar nicht vorhanden, diese müssten kilometerweise neu verlegt werden.

Bei den Aufbereitungsverfahren wiederum müssten Chemikalien eingesetzt werden. Eine Enthärtung des Trinkwassers wäre insgesamt sehr energieintensiv und mit hohen CO2-Emissionen verbunden, „was nicht den Klimazielen entspricht, zu denen sich Stadt und Stadtwerke bekennen“, erklärt man im Rathaus. Hinzu komme, dass durch den Mehrbedarf für die Enthärtung die Grundwasserentnahme um 15 Prozent steige, was naturschutzrechtliche Konsequenzen hätte.

Weiches Wasser - harte Preise?

Bezüglich möglicher Kosten spricht die Stadt von zwölf bis 15 Millionen Euro bei der Schnell-Entcarbonisierung beziehungsweise von 25 bis 30 Millionen Euro bei der Nano-Filtration. Hinzu kämen in den drei Wasserwerken Umbauarbeiten, die bis zu zwölf Millionen Euro kosten würden. Dies hätte, so die Berechnung der Stadt, zur Folge, dass sich der Wasserpreis durch die Enthärtung um 30 bis 60 Cent pro Kubikmeter Trinkwasser erhöhen würde.

Kalk kann technischen Geräten zusetzen, wie beispielsweise dieser Waschmaschine. Foto: Imago Images/Panthermedia

Dies wäre nicht der einzige Wermutstropfen für die Bürger: Der Härtegrad hat auch Einfluss auf die Korrosionseigenschaften – und im Zweifelsfall könnten so Leitungen und Hausinstallationen leiden. Gleichzeitig müsse man selbst bei einer Wasserhärte von zehn oder elf Grad noch mit Ablagerungen bei der Warmwasserzubereitung rechnen.

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