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Debatte um Karlsruher Turmbergbahn: Wie weit soll der Neubau gehen?

Der geplante Neubau der Turmbergbahn schlägt derzeit hohe Wellen. Kritiker und Befürworter des Millionenprojekts machen auf zahlreichen Wegen mobil.

Aktueller Stand: So sieht es in der Bergbahnstraße heute aus. Vor allem der Wegfall des Grünstreifens in der Mitte ruft Kritiker auf den Plan. Foto: Jörg Donecker

Wie emotional die Debatte rund um die Karlsruher Turmbergbahn geführt wird, zeigen auch die vielen Leserbriefe an unsere Redaktion. Deshalb wollen die BNN die Diskussion um eine nachhaltige Fahrt zu Karlsruhes beliebtestem Aussichtspunkt weiter vorantreiben.

Soll die Bahn wie geplant modernisiert und verlängert werden? Oder müssen die Pläne überarbeitet werden?

So könnte die Bergbahnstraße nach dem Neubau aussehen. Foto: Andrea Gerardi

Zur besseren Übersicht hat BNN-Redakteur Ekart Kinkel die wichtigsten Fragen und Antworten zum aktuellen Sachstand zusammengestellt.

Warum muss die Turmbergbahn saniert werden?

Weil die Betriebserlaubnis Ende Oktober 2022 ausläuft. Die Wagen aus den 1960er Jahren durch neue Fahrzeuge zu ersetzen, ist wegen der gesetzlichen Vorgaben nicht möglich. Außerdem müssen auch die Brücken und der Unterbau der historischen Trasse dringend saniert werden. Die älteste Standseilbahn Deutschlands wurde 1888 eröffnet und 1966 komplett saniert.

Was planen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe?

Einen kompletten Neubau mit einer Verlängerung der Trasse von der bisherigen Talstation an der Posseltstraße bis an die Bundesstraße 3. Den Zuschlag für die Umsetzung erhielten die österreichischen Seilbahnspezialisten der Doppelmayr/Garaventa-Gruppe. Barrierefreie Bahnen sollen die Passagiere fahrerlos auf die 120 Meter höher gelegene Turmbergterrasse bringen. Die Kosten für den Neubau werden auf 20,9 Millionen Euro beziffert. Mindestens die Hälfte davon muss vom Land bezuschusst werden. Allerdings rechnen die Verkehrsbetriebe mit einer deutlich höheren Förderung. Die Bauarbeiten sollen direkt nach der Stilllegung der alten Bahn beginnen und 15 Monate dauern.

Wie wurden die Pläne aufgenommen?

Zunächst einmal sehr gut. Der Durlacher Ortschaftsrat votierte am 7. Oktober 2020 einstimmig für den Neubau, im Gemeinderat gab es zwei Wochen später lediglich vier Gegenstimmen von der Kult-Fraktion. Spätestens nach einer digitalen Bürgerinformationsveranstaltung im Januar 2021 wurden jedoch kritische Stimmen aus der Bürgerschaft laut. Die von Anwohnern gegründete Bürgerinitiative Zukunft Turmbergbahn fordert in einer Online-Petition mit bislang rund 4.800 Unterzeichnern sogar den Stopp der bisherigen Planungen und lediglich eine Sanierung der aktuellen Trasse sowie autonome Pendelbusse von der B3 zur heutigen Talstation. ZKM-Hauptkurator Bernhard Serexhe fordert dazu auf, die stadtteilprägende Standseilbahn wie die Wiesbadener Nerobergbahn unter Denkmalschutz zu stellen.

Was stört die Kritiker?

Der Wegfall des Grünstreifens in der Mitte der Bergbahnstraße sowie die Zerschneidung des Wohngebiets durch die Gleise. Für Unverständnis bei den Gegnern sorgen auch die Dimensionen der neuen Talstation sowie ein bis zu 1,80 Meter hoher Schutzzaun entlang der Bergbahnstraße. Die geplante Unterführung der Bergbahnstraße auf Höhe der heutigen Talstation stößt bei Anwohnern ebenfalls auf wenig Gegenliebe. Kritisiert werden auch die hohen Neubaukosten.

Wie reagiert die Politik auf die Kritik?

Unterschiedlich. Die Durlacher SPD zeigt Verständnis für die Kritiker. Die unvollständige und intransparente Informationspolitik habe den Widerstand der Anwohner regelrecht heraufbeschworen. Die geplante Verlängerung ist nach Ansicht der SPD aber immer noch die bestmögliche Alternative, allerdings ohne trennende Zäune und mit Zustieg an der bisherigen Talstation. Ein Zwischenhalt ist nach Angaben der VBK technisch möglich, würde die Fahrzeit aber von 210 auf 440 Sekunden erhöhen. Die Durlacher Grünen hatten sich in einer Anfrage an den Ortschaftsrat bereits nach möglichen Änderungen erkundigt. Andere Parteien halten sich noch bedeckt.

Gibt es auch Befürworter der Planung?

Auf jeden Fall. Für den Fahrgastverband Pro Bahn ist die Verlängerung der Turmbergbahn und die damit verbundene bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr durch eine Talstation an der B3 ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Ebenso wie die Verkehrsbetriebe rechnet Pro Bahn durch die Modernisierung mit steigenden Fahrgastzahlen sowie weniger Autos auf dem Durlacher Hausberg. Befürworter der aktuellen Planung werfen den Kritikern zudem vor, sie würden das Projekt lediglich aus Angst vor der Veränderung ihres Wohnumfelds blockieren.

Wie geht es nun weiter?

Schwer zu sagen. Derzeit wird das Planfeststellungsverfahren vorbereitet. Dabei werden auch Einwände aus der Bürgerschaft berücksichtigt. Außerdem gehen in den kommenden Wochen Workshops zur Gestaltung von Bahnen, Stationen und Schutzzaun über die Bühne. Änderungen der Pläne sind möglich und bei Detailfragen auch wahrscheinlich, können allerdings zu Verzögerungen bei der Planfeststellung führen. Eine komplette Neuplanung ist unwahrscheinlich. Bereits bei der Ausschreibung wurden Varianten wie eine reine Trassensanierung oder der Bau einer Gondelseilbahn geprüft, von den zuständigen Gremien aber als unwirtschaftlich oder nicht machbar verworfen.

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