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30 Jahre Wiedervereinigung

Delegation aus Halle zu Besuch in Karlsruhe: Diese Unterschiede gibt es immer noch zwischen Ost und West

Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es in Deutschland Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Die Menschen aus Halle wissen ein Lied davon zu singen. Beim Besuch in Karlsruhe berichten sie von ihren Erfahrungen und erzählen, was bis heute für Frust sorgt.

Der Freundeskreis Karlsruhe-Halle setzt sich seit vielen Jahren für die Kommunikation zwischen den beiden deutschen Städten ein. Foto: Freundeskreis Karlsruhe-Halle

Im Herbst 1989 war Frank Berger zum ersten Mal in Karlsruhe. Den Beleg für diese Premiere, nämlich die Teilnehmerurkunde vom Durlacher Turmberglauf, hat der sportliche Mann aus Karlsruhes Partnerstadt Halle bis heute aufgehoben und am Freitagabend bei einem Festabend des Freundeskreises Karlsruhe-Halle präsentiert.

„Wir wurden damals wahnsinnig herzlich empfangen. Das hat einfach viel Spaß gemacht“, erinnert sich Berger bis heute an die turbulenten Monate zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Spaß hatten Berger und die Teilnehmer einer Hallenser Delegation auch am Wochenende. Am Freitag gab es einen Festempfang mit Oberbürgermeister Frank Mentrup im Bürgersaal des Rathauses, am Samstag erst eine Führung durch das ZKM und abends einen Bowlingabend. Und weil es in Karlsruhe am Tag der deutschen Einheit traditionell keine Feier gibt, erinnerten CDU und FDP mit ihren Oberbürgermeisterkandidaten Sven Weigt mit einer Kranzniederlegung am „Berliner Meilenstein“ am Durlacher Tor an die Opfer des SED-Regimes.

Noch immer gibt es Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Wichtige Gesprächsthemen bei den Mitgliedern des Freundeskreises waren das Ende der DDR und die Wiedervereinigung. Doch auch 30 Jahre nach dem offiziellen Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten ist das Ost-West-Gefälle zwischen den alten und den neuen Bundesländern noch spürbar. „Beim Thema Bezahlung herrscht noch eine große Ungleichheit“, sagt Berger.

Und auch bei der Besetzung von Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft spielten Leute aus den neuen Bundesländern oft nur die zweite Geige. Wenn sie nach den markantesten Unterschieden zwischen östlichen und westlichen Bundesländern gefragt werden, fallen auch Siglinde und Ronald Jungmann als erstes die unterschiedliche Bezahlung und die wenigen ostdeutschen Wirtschaftsbosse ein. „Das sorgt schon für viel Frust“, sagen sie. Die Lebensqualität sei im Osten aber mittlerweile genauso hoch wie im Westen.

Soziales Miteinander ist im Osten oft ausgeprägter

Für Gudrun Bismarck sind Unterschiede auch noch im sozialen Miteinander zu spüren. „Im Osten ist der Zusammenhalt unter den Menschen meiner Meinung nach größer“, sagt Bismarck. Die Hilfsbereitschaft sei dabei nicht nur eine hohe Tugend, sondern teilweise auch aus der Not heraus geboren. Weil es in der DDR nicht alles zu kaufen gab, mussten sich die Leute im Alltag schließlich irgendwie zu helfen wissen.

Die Kunst zur Improvisation war also positiver Nebeneffekt von Planwirtschaft und Sozialismus. „Organisationstalent haben die Leute aus den neuen Bundesländern auf jeden Fall“, sagt auch Siglinde Jungmann. Und mit Fleiß und Durchhaltevermögen könne die Ungleichheit weiter verringert werden. Jüngere Leute wie ihre Tochter, die in München lebt und arbeitet, würden das schließlich Tag für Tag beweisen.

Ossis gehen in die Werkstatt, Wessis in den Baumarkt

Jüngere Leute wünscht sich Frank Berger auch im Freundeskreis der beiden Partnerstädte. „Das will ich nun aktiv vorantreiben“, kündigt er an. Vielleicht könne wie bereits vor 30 Jahren der gemeinsame Sport der geeignete Treiber sein. Wenn er den Unterschied zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen erklären soll, greift Berger zu einem scherzhaften Vergleich. „Wenn im Osten ein Bild herunterfällt, gehen die Leute in die Garage uns suchen Hammer und Nagel“, sagt Berger. „Im Westen setzen sie sich ins Auto und fahren in den Baumarkt.“

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