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Ursprüngliches Provisorium bleibt bestehen

Der Karlsruher Kombi-Info-Pavillon „K.“ dient ab September als Kassenhäuschen

In diesem Jahr verschwinden nach und nach die großen Baustellen für die zwei neuen Tunnel unter der Karlsruher City. Für ein Dauerprovisorium aber wird die Standzeit erneut um zehn Jahre verlängert: Der „K.“ hält also viel mehr, als man sich von ihm versprach.

Provisorium von Dauer: Der „K.“ am Ettlinger Tor verschwindet nicht mit dem Ende der Kombi-Arbeiten. Das Theater (hinten rechts) nutzt ihn bald weiter. Foto: Jörg Donecker

Der „K.“ steht weiter für Karlsruhe. Das Provisorium in der Baustellenstadt bleibt den Karlsruhern ein weiteres Jahrzehnt erhalten. Dieser graue Pavillon mit Aussichtsplattform in 13 Metern Turmhöhe und Terrasse am Ettlinger Tor hat seit 2010 dem Stadtumbau per Kombilösung als Haus für Information und Werbung gedient.

Er war der Kommunikations-Punkt der Kombilösung. Jetzt übernimmt das Badische Staatstheater das verschraubte Stahlskelett in Alublechhülle. Den Schlüssel hat Kasig-Sprecher Achim Winkel am Mittwoch an Eva Geiler, die Kommunikatorin des Theaterumbaus, übergeben.

Verwandlung zum Doppel-“K.“

Die innere Umgestaltung des „K.“ hat schon begonnen. Dies sei eine leichte Sache, „weil alle Innenwände versetzt werden können, nur die Außenwände und der Aufzugsturm haben tragende Funktion“, erklärt Architekt Christian Fischer-Wasels. Ab September werde der „K.“ als „Doppel-K.“ genutzt, berichtet Geiler: Mit dem Kartenverkauf an der Tageskasse und mit der Kommunikationsabteilung für das Riesenprojekt Um- und Ausbau Staatstheater wird das alte Provisorium mittels zweier Theater-Nutzungen zu einem neuen Treffpunkt.

Das Land hat mit seinem Karlsruher Amt Vermögen und Bau den „K.“ von der städtischen Tochter Kasig, der Bauherrin über die Kombi-Tunnel für die U-Strab unter der City und für die Autos unter der Kriegsstraße, übernommen. Bei der Übergabe soll vergleichsweise wenig Geld geflossen sein, hört man bei Insidern.

Als es mit dem Karlsruher Kombi-Bauen 2010 losging, war der von der städtischen Informationspolitik forcierte „K.“ eine umstrittene Sache. Immerhin wuchsen auch bei diesem Nebenprodukt der U-Strab die Kosten gleich mal gehörig. So wurde der „K.“ zum ersten Millionending der Kombi. Peanuts aus heutiger Sicht für die Karlsruher Finanzjongleure: Hat sich doch der Preis für den Stadtumbau mit zwei Tunneln inzwischen verdreifacht, und sich damit die Karlsruher Kombi zum 1,5-Milliarden-Ding ausgewachsen.

Bis heute, also auch nach elf Jahren, ist der „K.“ das einzige Kombi-Bauwerk, das seinen Betrieb aufgenommen hat. Jetzt ist es ein knappes Jahr vor Fertigstellung der Kombilösung als deren Infocenter außer Betrieb genommen worden und bleibt doch als Teil des großen Karlsruher Theaters erhalten. Eigentlich hätte es mit dem Übergangsverhältnis von „K.“ und Kombilösung schon vor drei Jahren vorbei sein sollen. Der den Karlsruhern einst versprochene Zeitplan des Kombi-Stadtumbaus lief 2018 ab.

Der „K.“ beweist, dass manche Provisorien von großer Dauer sein können. Das Büro „Kränzle + Fischer-Wasels Architekten“ wurde für den „K.“-Entwurf mit dem Hugo-Häring-Preis 2011 und bei „Beispielhaftes Bauen Stadt Karlsruhe 2005 bis 2012“ ausgezeichnet. Die Theater-Kommunikatorin Geiler freut sich, dass „das markante Zeichen“ längst „viel mehr als ein temporäres Zeichen“ zwischen Ettlinger Tor und Theater-Großbaustelle ist.

Perspektiven für Provisorium

Kasig-Specher Winkel erklärt, dass die Kasig wegen eines rückläufigen Interesses der Bürger an der Informationsvermittlung im „K.“ das Provisorium nicht mehr brauche. „Corona hat ihm dann den Garaus gemacht“, erläutert er den völligen Bedeutungsverlust für die Kombi. Architekt Fischer-Wasels schwärmt indessen von den Perspektiven für das Gebäude, das doch eigentlich nie ein echtes Provisorium gewesen sei. „Weil es auf mehr als fünf Jahre ausgelegt war, musste es auch baulich den Anforderungen bei Schall- und Wärmeschutz für ein Bauwerk von Dauer genügen“, erklärt der Gewinner des Architektenwettbewerbs von 2008 für den „K.“.

Bis auf einige Dellen in der Blechhaut sei das graue Haus an der Großbaustelle Kriegsstraße gut in Schuss, meint er. Sein Schöpfer hätte sich gefreut, wenn es neben den vielen kommunalen Veranstaltungen im Saal auch mit seiner Terrasse mehr als Bühne genutzt worden wäre. Immerhin haben dort viele Karlsruher beim Public Viewing von Fußballspielen bei Welt- und Europameisterschaften gejubelt.

Fischer-Wasels kann sich sogar vorstellen, dass sein Bauwerk nach der Theater-Nutzung am Ettlinger Tor demontiert und in anderer City-Lage zu neuen Zwecken wieder aufgebaut wird. So könnte der „K.“ tatsächlich als ewiges Provisorium für Beständigkeit in einer sich ständig umbauenden Stadt sorgen.

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