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Unsichere Pandemie-Prognose und Appell zum Impfen

Die Belastung in den Karlsruher Kliniken steigt noch

Die Karlsruher Krankenhäuser ächzen unter der Arbeitslast durch die Pandemie. Die Zahl der Covid-Patienten ist auf Rekordstand. Viele Operationen werden verschoben. Doch die Mediziner sehen Zeichen der Hoffnung. Vor allem wenn eine Strategie mit aller Kraft verfolgt wird.

Akuter Ausnahmezustand: Auf der Intensivstation versorgen Mediziner und Pfleger einen an Covid-19 erkrankten Patienten. Auch in Karlsruhe ist die Situation unverändert angespannt. Foto: Jens Büttner

In den Karlsruher Krankenhäusern macht sich der Rückgang der Corona-Infektionen in der aktuellen Statistik nicht bemerkbar. Die Covid-Stationen sind stark belegt, Tendenz steigend. „Besonders die Situation in den Intensivstationen ist seit Weihnachten sehr angespannt“, berichtet Martin Bentz, Chefarzt am Städtischen Klinikum.

Aktuell liegen dort 17 Covid-Patienten auf zwei separaten Intensivstationen, was „noch einen leichten Anstieg“ bedeutet. In den ViDia Kliniken ist die Situation sehr ähnlich. „Die Zahl der Covid-Patienten steigt, insbesondere die Belastung auf den Intensivstationen“, berichtet Karl-Jürgen Lehmann, Vorstand der ViDia Kliniken.

Warten bis nächste Woche

Die verantwortlichen Mediziner im Städtischen Klinikum und in den ViDia Kliniken Karlsruhe sind unsicher, wie sich dort die Lage in den nächsten drei Wochen entwickelt. Erst im Februar rechnen sie damit, dass der Lockdown die Pandemiewelle auch für das zermürbte Pflegepersonal abebben lässt. „Warten wir noch das nächste Wochenende ab, dann erst wissen wir, ob eine Ansteckungswelle durch die Weihnachtsbesuche wirklich ausbleibt“, meint Michael Geißler, Medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums.

Auf den Covid-Normalstationen ist im Gegensatz zu den Covid-Intensivstationen die Patientenzahl mit derzeit 33 Personen am Städtischen Klinikum leicht rückläufig. Darauf kann sich auch Experte Bentz keinen Reim machen. Immerhin habe man deshalb nicht, wie schon befürchtet, eine vierte Station für Covid-Patienten eröffnen müssen, erläutert Bentz.

Zuversicht im Hinblick auf die Bewältigung der zweiten Welle

Die Karlsruher Kliniken gehen jetzt davon aus, dass sie die zweite Welle der Pandemie dank der Konzentration der Kräfte und der drastischen Reduzierung aufschiebbarer Operationen durchstehen. Die Belastung sei aber sehr hoch und dürfe nicht mehr von langer Dauer sein. Das auch psychisch gestresste Personal lebe am Anschlag, betont Pflegedirektor Josef Hug. Um so mehr richtet sich der Blick auf das Impfen, als der langfristig wirkenden Waffe gegen die Pandemie.

Geißler sagt: „Es ist nicht genug Impfstoff vorhanden“, aber ein Teil des priorisierten Klinikum-Personals, das in den Covid-, Intensiv- und Notfallstationen arbeitet, sei bereits im Zentralen Impfzentrum (ZIZ) in der Messehalle gewesen. Flächendeckend in Baden-Württemberg würden alle priorisierten Kräfte aller Kliniken bis Monatsende geimpft sein, so sei es aktuell versprochen. Auch Bentz geht davon aus, dass der große Rest des Krankenhauspersonals ab Februar in der zweiten Priorisierungsstufe Impftermine bekommt.

Sonderimpfung des Klinikpersonals fällt womöglich ganz ins Wasser

Geißler räumt ein, dass die vom Land versprochene Sonderlieferung von 487 Dosen zum direkten Verimpfen am Städtischen Klinikum noch nicht eingetroffen sei. Folglich hat ein Impfen des Personals am Städtischen Klinikum als Ergänzung zum Verabreichen des Vakzins in der Messe Karlsruhe, wie jüngst angekündigt, auch nicht begonnen. Möglicherweise fällt diese Aktion des Landes wegen des akuten Impfstoffmangels nun ganz ins Wasser. Die vom Land angestrebte Ungleichbehandlung gegenüber Krankenhäusern mit anderem Status, die aber in gleicher Weise Covid-Patienten betreuen, war von den ViDia Kliniken scharf kritisiert worden.

Die Kooperation mit dem ZIZ ist sehr positiv.
Karl-Jürgen Lehmann, Vorstand der ViDia Kliniken

Die Karlsruher Kliniken äußern sich inzwischen sehr positiv über die begonnene Arbeit des ZIZ. „Das läuft gut, unsere Leute sind nach zwei Stunden aus Rheinstetten zurück“, berichtet Bentz fürs Städtische. „Die Kooperation mit dem ZIZ ist sehr positiv“, betont ViDia-Chef Lehmann. Das Impfen einzelner Kontingente des ViDia Personals sei reibungslos angelaufen. Dabei werden die Gruppen seit Dienstag per Busshuttle von den Kliniken nach Rheinstetten befördert. Diese Leistung bietet die Karlsruher Firma Hirsch Reisen kostenlos, um in der Krise etwas für das in der Pandemie strapazierte Klinikpersonal beizutragen.

ViDia Kliniken haben 72 Covid-Patienten

In den ViDia Kliniken werden aktuell 72 Covid-Patienten behandelt. Auf den Intensivstationen liegen 15 Covid-Patienten, davon werden zwölf beatmet, berichtet ViDia-Pressesprecherin Melanie Barbei.

Die Impfbereitschaft beim bislang dazu berechtigten Personal sei hoch, heißt es bei den Kliniken. „Bei den Ärzten liegt sie höher“, sagt Geißler. „Im Intensivbereich beträgt sie insgesamt rund 65 Prozent“, ergänzt Hug. Vor allem junge Pflegekräfte hielten sich aus Unsicherheit über Nebenwirkungen zurück.

Nur mit einer Impfquote von um die 60 Prozent ist das Thema Pandemie nächsten Herbst und Winter wirklich so ziemlich erledigt.
Michael Geißler, Medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums

Bentz und Geißler betonen, dass fast gar keine kurzfristigen Beschwerden bei den bislang Geimpften aufgetreten seien. „Impfen, was das Zeug hält, das ist das Mittel der Stunde“, unterstreicht Geißler. Wenn diese „wichtigste Maßnahme“ mit um die 60 Prozent Impfquote greife, dann winke im Frühsommer die Corona-Entspannung. „Aber nur dann ist das Thema Pandemie nächsten Herbst und Winter wirklich so ziemlich erledigt“, fügt Geißler an. Jede Verzögerung der Impfung sei deshalb schmerzlich, „denn um so länger wird das Virus zirkulieren“. Der Politik empfiehlt er bei der Impfstoffbeschaffung: „Nehmt, was Ihr bekommt, und zahlt, was Ihr bekommt.“

„Wir können noch lange nicht Volllast im Normalbetrieb fahren, wir befinden uns weiter in der Pandemie-Stufe Drei“, sagt Geißler. Dabei gelte es nun, die Leistungsfähigkeiten in den internistischen und neurologischen Bereichen nach der Weihnachtsphase wieder gezielt zu stärken. „Die verringerten OP-Kapazitäten können wir vorerst nicht hochfahren, die Notfallversorgung bleibt aber gewährleistet“, versichert Geißler.

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