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Keine Verkürzung

Die meisten Karlsruher Kitas bleiben bei drei Wochen Sommerpause

Trotz des wochenlangen Corona-Lockdowns und wegfallender Ferienangebote schließen viele Karlsruher Kitas im Sommer für drei Wochen. Eine Initiative der Stadt, die Sommerpause zu verkürzen, ist gescheitert.

Fast wie immer: Im Canisiushaus läuft der Kitabetrieb seit dem 29. Juni wieder für alle Kinder. In den Sommerferien gehen die Türen allerdings planmäßig für drei Wochen zu. Foto: Jörg Donecker

Seit knapp zwei Wochen ist es in Kitas und Kindergärten wieder deutlich lauter. In vielen Elternhäusern kehrt dafür nach Monaten des Balancierens zwischen Arbeit und Kinderbetreuung etwas Ruhe ein, nicht nur akustisch. Das ändert sich aber bald wieder. Während der Sommerferien bleiben die meisten Einrichtungen wie jedes Jahr drei Wochen zu, trotz Corona-Lockdown und weggefallener Ferienangebote. Die Sozial- und Jugendbehörde hatte die Träger nach BNN-Informationen gebeten, zu prüfen, ob sie die Schließzeit reduzieren können. Mittlerweile steht aber selbst für die meisten städtischen Kitas fest, dass es keine kürzere Pause geben wird.

Für die Kürzung der Schließzeiten war das Zeitfenster zu kurz.
Elke König, Stadt Karlsruhe

„Für die Kürzung der Schließzeiten war das Zeitfenster zu kurz”, sagt die Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinderbetreuung Elke König. Viele Erzieher hätten bereits Urlaube gebucht oder müssten sich um die eigenen Kinder kümmern, die nicht anderweitig betreut werden oder deren Ferienfreizeiten ausfallen. Dazu wird in einigen Kitas umgebaut oder saniert.

Beide Kirchen bleiben bei den geplanten Schließzeiten

Zum gleichen Schluss kommen nach Prüfung der städtischen Bitte die evangelische und die katholische Kirche als größte Träger. Auch hier bleibt es bei drei Wochen Schließzeit. „Natürlich ist das für manche Eltern unkomfortabel”, sagt Anja Wilhelmi-Rapp von der evangelischen Kirche. „Aber die vergangenen Monate waren auch für viele Erzieher eine Belastungsprobe. Sie brauchen die Zeit.”

Für Notfälle finden wir Lösungen, zum Beispiel die Betreuung in einer anderen Kita. Das war schon vor Corona so.
Frank Bauer, Katholische Gesamtkirchengemeinde

Man müsse die Urlaubsansprüche der Mitarbeiter berücksichtigen, ergänzt Frank Bauer, der in der katholischen Gesamtkirchengemeinde für die Kitas verantwortlich ist. „Für Notfälle finden wir Lösungen, zum Beispiel die Betreuung in einer anderen Kita. Das war schon vor Corona so”, fügt er hinzu. Ähnlich handhabt die Stadt den Umgang mit dringendem Bedarf im Sommer.

Bange Blicke auf die Schnupfenzeit im Herbst

Alles wie geplant und 2019 angekündigt gilt ebenso für die Arbeiterwohlfahrt (AWO). In ihren Einrichtungen bleiben die Türen im Sommer für drei Wochen zu. „Wir haben geprüft, aber es ist nicht möglich”, sagt Geschäftsbereichsleiterin Esther Marggrander. „Der Urlaub muss ja irgendwann genommen werden. Zudem erwarten wir mit Blick auf die Schnupfenzeit einen anstrengenden Herbst.”

Einen anderen Ansatz verfolgt hingegen Pro-Liberis in seinen Einrichtungen - das allerdings schon vor Corona. „Wir versuchen, so kurz wie möglich zu schließen”, kündigt Sprecherin Melanie Quernhorst an. Einige Kitas pausieren bei dem privaten Träger nur für eine Woche, andere für zwei. „Eventuell lässt sich das in Absprache mit den Eltern im ein oder anderen Fall noch kürzen”, so die Sprecherin. Bei Pro-Liberis sieht man sich im Sommer sogar so gut aufgestellt, dass man zusätzliche Ferienangebote machen möchte. „Wir haben da Kapazitäten und rechnen mit einer großen Nachfrage“, sagt Quernhorst. „Insbesondere da die meisten anderen ihre Angebote längst abgesagt haben.“

Träger rechnen mit dem Verständnis der Eltern

Mit großen Protesten der Eltern rechnen die Träger nicht – obwohl viele schon zur Zeit des Lockdowns ungeplant Urlaub nehmen mussten und nun vor der nächsten Herausforderung stehen. Vor einigen Wochen hatten mehrere Betroffene ihr Leid geklagt, berichtet der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Peter Koch.

Wir müssen den Erziehern beistehen.
Philip Klein, Dachverband Elterninitiativen

Zuletzt war es aber ruhiger geworden. In bisherigen Gesprächen habe man viel Verständnis erfahren, berichten auch die Träger. Das bestätigt Philip Klein vom Dachverband der Elterninitiativen. „Wir müssen den Erziehern beistehen”, sagt er.

Überraschend geräuschlos haben derweil so gut wie alle Kitas seit dem 29. Juni wieder auf Regelbetrieb umgeschaltet. Das Gros der Einrichtungen bietet wieder die vereinbarten Öffnungszeiten. Befürchtungen zum Ausfall zahlreicher Erzieher als Mitglieder der Risikogruppe haben sich nicht bewahrheitet.

Externe Angebote fallen weiterhin weg

„Pädagogisch müssen wir jetzt einiges aufarbeiten. Manche Kinder sind gleich wieder voll da, andere müssen in den Alltag finden”, sagt Esther Marggrander. Für die meisten fühle es sich langsam normal an, ergänzt Melanie Quernhorst die ersten Eindrücke. Einschränkungen gibt es kaum noch, die strikte Trennung ist deutlich aufgeweicht. Die Corona-Verordnung erlaubt es mittlerweile, zwei Gruppen zusammenzubringen. „Nur auf externe Musik- oder Sport-Angebote müssen wir noch verzichten”, sagt Quernhorst. „Wir würden gerne damit starten, haben aber noch keine verträgliche Lösung.”

Am spürbarsten wird die neue heile Kita-Welt am Morgen und am Nachmittag unterbrochen. Für das Bringen und Abholen der Kinder mussten die Einrichtungen individuelle Konzepte entwickeln. Wo es möglich ist, nutzen die Eltern verschiedene Eingänge, bekommen Zutrittskarten oder geben den Nachwuchs an der Eingangstür ab. In anderen Kitas gibt es abgestimmte Zeitfenster, um den Eltern-Stau zu entzerren.

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