Skip to main content

Für jeden frei zugänglich

Dieser Pavillon in der Karlsruher Innenstadt hat rund um die Uhr geöffnet

Viele Passanten haben sich vielleicht schon gewundert: Hinter der Stephanskirche steht seit kurzem eine „Laubhütte“. Was steckt dahinter?

Präsent in der Innenstadt: Rabbiner Mordechai Mendelson hat bei St. Stephan ein Zelt aufgebaut, um an das jüdische Laubhüttenfest zu erinnern. Es ist den ganzen Tag geöffnet. Foto: Jörg Donecker

Viele Passanten haben sich vielleicht schon gewundert: Hinter der Stephanskirche steht seit kurzem und noch bis zum 13. Oktober eine „Laubhütte“. Zum jüdischen Laubhüttenfest hat Rabbiner Mordechai Mendelson sie für jene aufgestellt, die dort während der religiösen Feiertage ihre Mahlzeiten einnehmen oder einfach nur einen neugierigen Blick hinein werfen möchten.

„Ich habe die Laubhütte für diejenigen Juden in Karlsruhe aufgestellt, die selbst keine Hütte auf dem Balkon oder im Garten aufbauen können“, erläutert der Rabbiner. Gleichzeitig ist die Sukka für jeden frei zugänglich - auch für Neugierige. Sie steht in der Ständehausstraße hinter der Stephanskirche und sieht aus wie ein Pavillon mit einem Dach aus Palmwedeln und blau-weißen Planen statt Wänden. Aus praktischen Gründen hat Rabbiner Mendelson keine richtige Laubhütte gebaut, sondern ein stabiles Zelt, das mit Stühlen und einem Tisch ausgestattet ist und für jeden 24 Stunden täglich frei zugänglich ist.

Das Laubhüttenfest, genannt Sukkot, zählt zu den Feiertagen des Judentums und fällt in die Zeit zwischen Spätsommer und Herbst, es beginnt am 15. Tischrei, dem ersten Monat im jüdischen Kalenderjahr. Dieses Jahr findet Sukkot vom 2. bis zum 9. Oktober statt. Sukkot soll daran erinnern, wie das jüdische Volk beim Auszug aus Ägypten 40 Jahre lang in der Wüste Sinai wanderte und in Zelten hauste.

Das Laubhüttenzelt selbst hat mehrere Bedeutungen: Hauptsächlich soll es an den Auszug aus Ägypten erinnern. Außerdem steht es auch für die Wolken, die Gott zum Schutz vor Sonne und Hitze in der Wüste über dem jüdischen Volk hat schweben lassen. Zudem erinnert das Zelt als einfache Behausung an die Vergänglichkeit aller materiellen Dinge.

Von Israel nach Karlsruhe

Außer dem Tisch und den Stühlen befindet sich in der Sukka ein Strauß aus den so genannten vier Arten. Das sind vier Gewächse, die traditionell zu Sukkot zusammengebunden werden. Der Strauß besteht aus einem Etrog (zitronenähnliche Zitrusfrucht), einen Lulaw (Palmwedel), drei Hadassim (Myrtenzweige) und zwei Arawot (Weidenäste). Diese vier Pflanzen sollen die vier Arten von Menschen in der jüdischen Gemeinde darstellen.

Rabbiner Mordechai Mendelson, 42, wurde in New York geboren und zog mit seiner Familie im Alter von fünf Jahren nach Israel. Dort lernte er seine heutige Ehefrau kennen, mit der er 2003 von Israel nach Karlsruhe zog. Er ist Rabbiner der – neben der Jüdischen Kultusgemeinde in der Knielinger Allee – zweiten kleineren jüdischen Gemeinde in Karlsruhe und leitet das jüdische Bildungs- und Familienzentrum des Chabad Lubawitsch Karlsruhe in der Herrenstraße 23. Die Gemeinschaft ist orthodox ausgerichtet.

nach oben Zurück zum Seitenanfang