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Rudern für die Völkerverständigung

Drei Karlsruher Boote starteten bei der Regatta zur Unabhängigkeitsfeier in Warschau

Gleich drei Karlsruher Ruder-Mannschaften haben in der polnischen Hauptstadt Warschau beim 100. Geburtstag der Unabhängigkeitsbestrebungen des Landes mitgefeiert. Die Ruderinnen und Ruderer aus der Fächerstadt waren die einzigen Vertreter bei der „Ruderschlacht auf der Weichsel“ genannten Achter-Regatta im Zentrum der Stadt.

Auf der Weichsel: Ein Juniorinnen-Achter aus Karlsruhe war bei einer Regatta in Warschau am Start Foto: Hanes Blank

Von Hannes Blank

Die Geschichte der Schlacht um Warschau vor 100 Jahren ist in Deutschland fast völlig unbekannt. Hastig zusammengestellte polnische Truppen standen zahlenmäßig einer besser ausgebildeten und ausgerüsteten Sowjetarmee gegenüber. Die junge polnische Republik stand vor dem Abgrund. Mit viel Glück, Einsatzwillen und unter hohen Verlusten gelang den polnischen Truppen die Wende im Krieg knapp vor der Einnahme ihrer Hauptstadt.

Der Grund für die Einladung der Karlsruher zu dieser Regatta war eher banal: Während eines Bootverkaufs im Frühjahr 2020 kam man ins Gespräch. „Als dann das tolle Angebot von den Warschauern kam, Fahrtkosten und Unterbringung zu übernehmen und die Achter-Boote vor Ort zur Verfügung zu stellen, konnten wir nicht ablehnen“, berichtet Josef Grabenhorst. Der 37-Jährige Sportvorsitzende beim Karlsruher Rheinklub Alemannia fuhr selbst in einer der Achter-Mannschaften mit, im Boot der älteren Masters-Ruderer.

Ein besonderes Ereignis war die Regatta für die jungen Ruderathleten der Alemannia und des Karlsruher Rudervereins Wiking, sie stellten einen jeweils kompletten Juniorinnen- und Junioren-Achter.

Ruderer aus Karlsruhe sind in Warschau stärker zusammengewachsen

„Die Polen in Warschau sind viel entspannter als die Deutschen in Berlin“, findet Leon Kolodzie, der familiäre Bande in die deutsche Hauptstadt hat. Der 15-Jährige geht in die 10. Klasse der Rennbuckel-Realschule in der Karlsruher Nordweststadt. Im Junioren-Achter saß er auf der wichtigsten Position: Auf dem Schlagplatz, von dem aus der Takt für die gesamte Mannschaft vorgegeben wird.

„Wir haben wenig geschlafen, aber das Kulturprogramm war trotzdem cool“, erzählt er. Nach der Regatta besuchten alle Karlsruher Ruderinnen und Ruderer eine ganze Reihe historischer Stätten in Warschau, von Willy Brandts „Kniefall“-Denkmal bis zum Schlachtfeld von 1920 östlich der Stadt.

Erschöpft: Ein kraftraubendes Rennen lieferte sich der Karlsruher Junioren-Achter Foto: Hannes Blank

Im Juniorinnen-Achter ist Ella Knispel Leon Kolodzies Pendant auf dem Schlagplatz. „Das hat mich stolz gemacht, dass man mir das zutraut, obwohl ich nicht diejenige bin, die am meisten trainiert“, erzählt sie. Die 15-Jährige mit den dunkelbraunen Zöpfen geht in die 10. Klasse des Karlsruher Bismarck-Gymnasiums und hat über einen Sport-AG zum Rudern gefunden. „Das Gefühl, auf dem Wasser zu sein, um gemeinsam im Team schneller zu werden“, fasziniert sie.

In Warschau sind an diesem Regatta-Wochenende alle Ruderer aus der Fächerstadt stärker zusammengewachsen. Ob man vom KRV Wiking oder vom Rheinklub Alemannia kommt, spielte keine Rolle mehr. Mal wurde das eine, mal das anderen Vereinstrikot getragen, oder das neue knallgrüne Ruder-Team-Karlsruhe-Shirt, das beide Clubs repräsentiert.

Es gab auch noch ein Sahnehäubchen der Fahrt nach Warschau. Der Karlsruher Juniorinnen- wie auch der Junioren-Achter gewann seine Rennen mit großem Vorsprung. Die älteren Masters-Ruderer wurden Dritte in einem Vier-Boote-Feld. „Man hat was gelernt, was man nicht im Schulunterricht vermittelt bekommt“, fasst Ella Knispel zusammen: die Kombination einer sportlichen Herausforderung mit Geschichts-Erfahrung vor Ort, gepaart mit polnischer Gastfreundschaft.

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