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Britische Mutante auf dem Vormarsch

Dritte Corona-Welle trifft die Krankenhäuser: Erhöhte Alarmstufe in Karlsruhes Städtischem Klinikum

Das von den Experten Befürchtete ist eingetreten: Die dritte Welle der Pandemie baut sich auf und wird die Kliniken um oder nach Ostern mit volle Wucht treffen. Zwei Dinge fordern Karlsruhes Chefmediziner in der bedrohlichen Lage von der Politik.

Die neue Corona-Welle trifft das nach einem Pandemie-Jahr erschöpfte Klinikpersonal. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die dritte Welle hat die Karlsruher Krankenhäuser erreicht: Die Normalstationen des Städtischen Klinikums sind bereits stark getroffen. Dort ist die Zahl der Covid-Patienten fast auf das Höchstniveau um Weihnachten gestiegen, weshalb die Alarmstufe drei ausgerufen und damit eine dritte Station für aktuell 33 Covid-Patienten, doppelt so viele wie vor zwei Wochen, eingerichtet wurde. Auf der Intensivstation ist davon noch nichts zu bemerken. Dort liegen sieben Covid-Kranke (Vorwoche fünf).

Die von der aggressiven britischen Mutante mächtig angetriebene neue Welle der Corona-Pandemie ist auch bei den ViDia Kliniken Karlsruhe angekommen. Dort sind es 27 Covid-Patienten auf Normalstation, drei Mal so viele wie vor einer Woche. Sechs Covid-Kranke sind bei ViDia auf Intensivstation (Vorwoche vier). ViDia-Vorstand Karl-Jürgen Lehmann schätzt diese Situation im Vergleich zum sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen als „nicht so dramatisch“ ein.

Die Klinikchefs meinen, dass es jetzt erst wieder richtig los geht. „Wir erwarten einen deutlichen Anstieg“, bekennt Michael Geißler, Geschäftsführer des Städtischen. Dies gelte auch für die Intensivstation. Die britische Virus-Variante mache im Städtischen jetzt „fast 100 Prozent der Fälle“ aus.

Die Entwicklung der vergangenen zwei Wochen sei ungekannt rasant. In Karlsruhe liegt der Inzidenzwert bereits wieder stabil über dem Wert 100. Die extremen wöchentlichen Steigerungen um rund 20 Prozent bei den Infektionszahlen würden sich dabei in den Zahlen der Krankenhauspatienten erst in zwei und bei den Todeszahlen in frühestens vier Wochen entsprechend niederschlagen.

Infektionszahl steigt rasant

„Aber das hat Konsequenzen für uns, wenn das in dem Tempo weitergeht“, betont Geißler. Die Anspannung für das seit einem Pandemie-Jahr gestresste Personal werde also über Ostern keineswegs nachlassen. Die Experten gehen von einer schnellen Verdoppelung der klinischen Fälle aus. „Der April wird ein sehr schwieriger Monat“, schätzt Geißler.

Auch wenn die Infektionszahlen über das Rekordniveau mit 33.000 nachgewiesenen Ansteckungen an einem Tag in Deutschland gehen, „werden wir schon handlungsfähig bleiben“, meinen Geißler und Klinikdirektor Martin Bentz, Chef der Covid-Stationen am Städtischen. „Schon jetzt sind wir aber bei den Normalstationen auf dem Niveau von Weihnachten, und das Tempo steigt“, klagt Benz. „Bei dem schwindelerregenden Anstieg der Infektionen brauchen wir am Wochenende die volle Kapazität der drei Stationen.“

Nicht mehr zu brechen

Die Welle sei jetzt selbst mit einem neuerlichen Lockdown nicht mehr zu brechen, meint Geißler. Mit Glück und einer von der Politik erhofften Notbremse bei den Lockerungen sei vielleicht zunächst das Einbremsen des exponentiellen Wachstums auf ein hohes Infektionsplateau zu schaffen, hofft er jetzt noch.

Entscheidend ist für Geißler im Kampf gegen die Pandemie, „dass das Impfen vorankommt“. Kein Impfstoff dürfe ungenutzt lagern. Priorisierungen seien aufzuheben. „Wir müssen weg von den starren Impfregeln“, damit möglichst schnell möglichst viele Menschen geschützt würden, meint Geißler. „So viel impfen, wie irgend möglich“, fordert auch Lehmann.

Daneben gelte es, ohne totalen Lockdown und mit Fantasie Regelungen zum Dämpfen der Pandemie zu finden, meint er. „Man muss nicht alles zwingend verbieten“, erklärt Lehmann.

Gefahr für junge Menschen

Mut macht den Experten „der eindeutige Rückgang“ der über 80 Jahre alten Covid-Patienten. Da zeige die schleppende Impfkampagne positive Wirkung. „Aber jetzt kommen wesentlich mehr jüngere Infizierte. Die Virusmutation ist nicht nur sehr ansteckend, sondern führt bei vielen jüngeren Menschen offenbar zu einem schweren Verlauf“, erklärt Geißler. „Da haben wir dann unter dem Strich die gleiche Belastung“, was auch für das in einem Pandemie-Jahr besonders strapazierte Klinikpersonal an die Grenzen bringe. „Corona verschärft die sehr belastete Pflegesituation“, betont Pflegedirektorin Elvira Schneider und fordert „endlich einen Masterplan“ zur Bewältigung der Krise.

Die Klinikchefs rufen die Menschen auf, bei gravierenden Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Krebs unbedingt unverzüglich zu Diagnostik und Therapie ins Krankenhaus zu kommen. Ihre Behandlung sei auch bei steigender Covid-Belastung garantiert. „Da darf nichts aus Angst hinausgezögert werden“, sagt Lehmann.

Gegenüber der ersten Welle seien die Kliniken wegen ihrer Impf- und Testintensität ein sicherer Ort, unterstreicht Lehmann. Dagegen gibt es wegen des enormen Personalbedarfs für die Covid-Patienten und dem dadurch ausgelösten Versorgungsengpass auf Normalstationen bei nicht absolut dringlichen Leistungen wieder deutliche Reduzierungen, beklagt Bentz.

Besonderes Risiko für Krebskranke

Das Risiko, an einer Corona-Infektion zu sterben, ist für Krebspatienten etwa drei Mal so hoch wie für gesunde Menschen. Die Onkologen empfehlen deshalb dringend die Impfung für Krebspatienten. Fragen zu „Krebs und Corona“ beantworten drei Mediziner der ViDia Christliche Kliniken in einer Telefonsprechstunde am 23. März 2021 von 16 Uhr bis 17 Uhr, unter folgenden Rufnummern (07 21) 81 08 32 24, (07 21) 81 08 32 25 und (07 21) 81 08 32 26.

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