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Pop-up-Radwege Highlight im August

So setzt sich der ADFC-Vorsitzende für die Fahrradstadt Karlsruhe ein

Eine Berg- und Talfahrt erlebt der Karlsruher Vielradler und ADFC-Vorreiter Ulrich Eilmann 2020: Dem Deutschen Fahrradpreis für seine Heimatstadt und der ersten eigenen Rad- und Reisemesse folgt eine Krise „seines“ Vereins, des größten Radfahrerclubs vor Ort. Das Fahrrad ist derweil populär wie nie.

Alles per Rad: Ein unvergessliches Jahr mit Höhen und Tiefen auch beim ADFC hat der Karlsruher Ulrich Eilmann erlebt. Foto: Jörg Donecker

Blättert Ulrich Eilmann seinen Radfahrerkalender für das Jahr 2020 durch, fällt dem Vielradler dieses auf: „Ich bin über lange Strecken ausgebremst gewesen.“ Dabei fängt alles so gut an für den sportlichen Mann aus Durlach. Eine Handvoll eiserner Mitradler führt er als Vorstandsmitglied des ADFC Karlsruhe und Tourenleiter bei der ersten Wintertour im Januar durch den Hardtwald – mit gemütlicher Einkehr in einer warmen Gaststätte.

Wir hatten unwahrscheinliches Glück. Eine Woche später war wegen Corona praktisch alles zu.
Ulrich Eilmann, Vielradler und ADFC-Vorsitzender

Dann kommt die Organisation der allerersten eigenen Rad- und Reisemesse des ADFC Regionalverbands. Im und am Tollhaus machen überraschend viele Besucher die Premiere zum Riesenerfolg – auch finanziell. Dies wird den Club später vor der Pleite retten. „Wir hatten unwahrscheinliches Glück“, betont Eilmann. „Eine Woche später war praktisch alles zu.“

Dem Fahrradpreis folgt der Schreck

Ende Februar geht der Deutsche Fahrradpreis an Karlsruhe für das Fahrradparkhaus Süd am Hauptbahnhof. Zudem veranstalten Karlsruhes Stadtplaner ein abendfüllendes Radlerforum für bessere Fuß- und Radwege. Kurz darauf tröpfeln öffentliches Leben und Pendlerstrom nur noch. Man bleibt zuhause. Ruheständler Eilmann beschneidet das weniger als andere. Beliebte Ausflugsziele allerdings meidet er bald. Vor der Rheinfähre dreht er mit seiner Partnerin um: „Es war rammelvoll.“ Das erschreckt die beiden.

Der Radfahrer entdeckt weniger bekannte Wege und schöne Ecken quasi vor der Haustür. Die von Eilmann mitgeplante Sternfahrt von „Pulse of Europe“ am Muttertag fällt flach, aber ab Juni gibt es wieder in kleinster Runde ADFC-Touren, zuerst über den Rhein und ganz vorsichtig: „Auf liegenden Baumstämmen vor der Straußenfarm in Rülzheim gab es Picknick auf Abstand.“

Mitte Juni würdigen ADFC-Aktive aus Karlsruhe den 35. Jahrestag des Schengener Abkommens mit einem „Ride for Europe“ zur deutsch-französischen Grenze. „Vorher habe ich sie aus Interesse bei Scheibenhard und Lauterburg abgeradelt“, erinnert sich der leidenschaftliche Organisator. „Für Fußgänger und Radfahrer war da offen, das hat man nicht eng gesehen.“

Auf dem Fahrrad hat man ja immer Fahrtwind.
Ulrich Eilmann, Vielradler und ADFC-Vorsitzender

Ende Juli ist Eilmann nach Radurlaub im Ländle topfit zurück in Karlsruhe, um die Bewegung für Pop-up-Radwege auch in Deutschlands fahrradfreundlichster Großstadt zu unterstützen. An allen fünf Augustsamstagen markiert ein Karlsruher Bündnis für mehr Radverkehr je eine große innerstädtische Straße und klappt so Radfahrern einen separaten Fahrstreifen auf. Hochsommerliche Hitze drückt die Radfahrer wenig, so Eilmann: „Auf dem Fahrrad hat man ja immer Fahrtwind.“

Auf ausgebauten Strecken durch die Stadt

Um die Titelverteidigung geht es für Karlsruhe im ADFC-Fahrradklimatest ab September. Der in der Oststadt viel diskutierte Ausbau der Radroute ab dem Durlacher Tor Richtung Rintheim ist seit dem Titelgewinn dazugekommen, Kapellen- und Ettlinger Straße sind fahrradfreundlich gestaltet, dasselbe für die neue Kriegsstraße zunehmend erkennbar.

Im Oktober bibbern Eilmann und seine Mitstreiter nicht vor Kälte oder Nässe, sondern um die aufgeschobene Mitgliederversammlung der größten Radfahrerlobby in der Region. Immerhin segelt der ADFC Karlsruhe seit dem Frühjahr unter dem provisorischen Kommando eines Vorstandsmitglieds vom Landesverband. Die Neuaufstellung glückt, praktisch und inhaltlich.

Auf dem Fahrrad hat man ja immer Fahrtwind.
Ulrich Eilmann, Vielradler und ADFC-Vorsitzender

Eilmann ist seither wieder an vorderster Stelle und stürzt sich darauf, erstmals einen ADFC-Stand zur Verbrauchermesse offerta beizusteuern. „Was war ich froh, als in letzter Minute die Absage kam“, berichtet er. „Ich hatte Bauchweh, die Helfer dem Risiko auszusetzen.“

Immer mehr Karlsruher Allwetterradler weichen der Pandemie elegant auf die Straßen aus. Noch im Advent radelt Eilmann in die ADFC-Geschäftsstelle in der Welfenstraße, um Fahrräder zum Schutz vor Diebstahl zu codieren. Erst auf den letzten Metern des Jahres bremst die Pandemie auch das erneut voll aus.

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