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Rettung in allerletzter Minute

Deshalb bleibt die Kapelle auf dem Durlacher Bergfriedhof im Jahr 2023 gesperrt

Bei akuter Einsturzgefahr haben in der Kapelle auf dem Bergfriedhof in Durlach Trauerfeiern stattgefunden. Die Gefahr ist abgewendet – aber wie geht es nun weiter? Im Jahr 2023 jedenfalls wird das Gebäude nicht zur Verfügung stehen.

Der Innenraum der Kapelle auf dem Bergfriedhof Durlach am 7.9.2022
Schon saniert: Der Innenraum der Kapelle auf dem Bergfriedhof Durlach strahlt. Doch das Dach wäre fast eingestürzt. Foto: Peter Sandbiller

Ein Schreck wie an jenem Abend kurz vor Weihnachten in Durlach ist Martin Wenz selten in die Knochen gefahren. Es ist schon dunkel, die Woche eigentlich vorbei. Aber die Sache ist dringend. In der Kapelle auf dem Bergfriedhof leuchten Thomas Dueck vom Stadtamt Durlach und Wenz, Oberkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege, mit Taschenlampen ins Dachgebälk.

Da stockt ihnen fast der Atem. „Einige Dachbalken hatten gar keine Auflage mehr“, erzählt Wenz. Dueck ergänzt: „Es gibt Anzeichen, dass starker Wind das Dach angehoben und wieder fallen gelassen hat.“

Über Jahre frisst der Schimmel am Gebäude von 1902. Am Ende besteht akute Einsturzgefahr. Dabei füllt sich die Kapelle auf dem Friedhof des größten Karlsruher Stadtteils regelmäßig mit Menschen. Sie ist der reguläre Ort für Trauerfeiern. Die Gefahr ist gebannt durch die Notsicherungsmaßnahmen, die Dueck und Wenz sofort nach ihrer alarmierenden Entdeckung veranlassen. Jetzt können Menschen die Kapelle daher unbesorgt betreten und die besondere Schönheit des schon umfassend sanierten Innenraums betrachten.

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Im Januar aber wird die Kapelle dichtgemacht, voraussichtlich bis Ende 2023. So lange dauert es, schätzen die Experten, alles zu reparieren, was am Ende aufgrund kleiner Risse im Gewölbe entdeckt wurde. Wie würdige Bestattungen während der Sanierung ablaufen, ist noch zu entscheiden.

Ein niveauvolles Zelt am bergseitigen Friedhofsportal ist denkbar, ein Ausweichen nach Grötzingen oder in die Aussegnungshalle in Durlach-Aue, wobei ein Kleinbus Trauernde von einem Ort zum anderen fahren könnte.

Millionenprojekt trotz klammer Kassen

Weil Warten auf dem Bergfriedhof alles nur verteuern würde, investiert die Stadt Karlsruhe auf die Schnelle, obwohl sie in der schwierigen Kassenlage sonst keine Projekte startet. „Wir brauchen die Kapelle“, sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup, „daher haben wir das Vorhaben nachgeschoben und die 2,2 Millionen Euro Schulden dafür akzeptiert.“

Angesichts des Aufwands, den der Erhalt des Denkmals erfordert, ist der Zuschuss, den die Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, Nicole Razavi (CDU), am Mittwochabend nach Durlach bringt, nicht hoch. Dennoch sind Mentrup,

Durlachs stellvertretender Ortsvorsteher Martin Pötzsche und der Leiter des städtischen Friedhofsamtes, Matthäus Vogel, dankbar für die 216.000 Euro Zuwendung aus dem Landesdenkmalamt und weitere 150.000 Euro von der Landesdenkmalstiftung. 366.000 Euro, eine Drittelmillion, lässt so das Land springen.

Lotterieerträge helfen bei der Finanzierung

In Baden-Württemberg fließen jährlich rund 28 Millionen Euro aus Erträgen der staatlichen Lotterie in den Denkmalschutz, in Durlach aus Erträgen der Glücksspirale, erklärt Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker.

Er ist mit Razavi auf Tagesreise zu herausragenden Denkmälern, darunter dem Bundesverfassungsgericht. Die Vertragsunterzeichnung vor der Kapelle am Hang des Turmbergs ist der Schlussakt.

Die Restauratoren wollen in Durlach reparieren und erhalten, was irgend geht: 120 Jahre alte Dachlatten, wo sie nicht zu stark von Pilzsporen durchsetzt sind, und einzigartige Ludovici-Dachziegel. Die Fassade ist zu dick gestrichen, das wird korrigiert. Steinschäden entfernen die Experten dezent – und die Granitplatten beidseits des Portals, die Fremdkörper sind.

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