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„Wie Mamas Welt wieder farbig wurde“

Karlsruher Autorin hat Buch über Wochenbett-Depression mitgestaltet

Die Karlsruher Autorin Claudia Gliemann hat das Bilderbuch „Wie Mamas Welt wieder farbig wurde“ mitgestaltet. Es informiert familiengerecht darüber, was Müttern mit Depression im Wochenbett hilft. Der Clou: Jede Kommune kann das Buch, das die Stadt Dortmund kostenlos an Eltern von Neugeborenen ausgibt, mit wenig Aufwand an die eigene Situation anpassen.

Bunte Einsichten: Claudia Gliemann zeigt im Fenster ihres Büros in der Durlacher Altstadt neben älteren Titeln eine Doppelseite ihres neuen Buches „Wie Mamas Welt wieder farbig wurde“. Foto: Jörg Donecker

Das Baby ist da, die älteren Geschwister entzückt, der Vater nimmt sich bei der Feuerwehr frei für die erste Zeit zu fünft daheim. Doch die Mutter hat das Lachen verlernt. Sie ist immer müde und irgendwie ganz weit weg. Und sie weint viel.

„Wie Mamas Welt wieder farbig wurde“, so heißt das Buch, das die Karlsruher Autorin Claudia Gliemann geschrieben hat. Der Titel verspricht Besserung, eine Liste von Anlaufstellen und Hilfeangeboten im Anhang auch. Gestaltet wie ein Bilderbuch, greift die Neuerscheinung ein Tabu-Thema auf.

Das Buch wird an Eltern verschenkt

Auf dem hellgrünem Einband ist zu sehen, wie die Mutter ihrem Mann und den Kindern lächelnd entgegengeht. „Wochenbettdepression - Ein Wegweiser zu Dortmunder Unterstützungsangeboten“ lautet der Untertitel. Die Stadt verteilt das Buch kostenlos an Eltern von Neugeborenen.

Das Buch kann aber nicht nur in der Großstadt in der Rhein-Ruhr-Region aufklären: Jede Kommune darf das stabile Querformat kopieren und mit wenig Aufwand an die eigenen Verhältnisse anpassen. „Es gibt schon erste Anfragen“, berichtet Sabine Janowski vom Dortmunder Gesundheitsamt, die seit April 2018 mit Claudia Gliemann und weiteren Expertinnen an „Mamas Welt“ arbeitete.

Bundesweit bekannt ist die Karlsruher Autorin, seit sie 2014 in ihrem kleinen Verlag „Monterosa“ das Bilderbuch „Papas Seele hat Schnupfen“ über Depression veröffentlichte. Sechs Auszeichnungen würdigen inzwischen Inhalt und Gestaltung jenes Buches, dessen Heldin Nele ein Zirkuskind ist.

Gliemann hat in ihren Verlagsräumen in der Durlacher Altstadt zuletzt das Buch „Rotkäppchen, wie geht es Dir?“ erarbeitet. Dessen kleine Heldin verwindet dank verlässlicher Unterstützer eine schlimme seelische Verletzung.

Auf Lesereise quer durch Deutschland

Schwerin, Rostock, Weimar: Eben erst ist Gliemann zurückgekehrt von einer musikalischen Lesereise mit Nele und der Zirkus-Geschichte im Gepäck. In Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen kennen Kinder und Fachleute dieses Buch.

„Dass die Mutter oder der Vater zeitweise oder auf Dauer psychische Probleme haben, betrifft zwei bis vier Millionen Kinder in Deutschland“, weiß Gliemann inzwischen. „Aber in Projekten für diese Kinder sind viel weniger Teilnehmer.“

Scham sei ein Problem, mangelndes Wissen über Hilfsangebote ein weiteres, sagt Gliemann. Bei Auftritten in bisher 75 Orten in ganz Deutschland, darunter auch „Heimspielen“ in Karlsruhe, Ettlingen, Pforzheim und Remchingen, hat sich ein enges Netz von Kontakten gebildet.

Am Rand einer bundesweiten Fachtagung war es Gliemann, die anregte, einen Wegweiser in Form eines Bilderbuchs zu gestalten. Nur konsequent war da die Einladung in das Dortmunder Projekt. Weil es quasi eine Kopiervorlage für andere Städte ist, gab es auch Geld vom Bundesfamilienministerium und der Bundesstiftung Frühe Hilfen.

Unterstützung für Überlastete

Sechs Monate beschreibt Gliemann in ihrem Text. Erst nach einem Aufenthalt in einer Klinik, die Frauen mit Wochenbettdepression und ihre Babys aufnimmt, ist die Welt der Mutter wieder bunt. Die Illustratorin Ulla Schönhense steckt die Rückkehrerin in ein leuchtend rotes Kleid.

„Viele Eltern glauben, dass sie keine Probleme haben dürfen“, gibt Birgit Jörder, Bürgermeisterin in Dortmund, den Lesern im Vorwort ermutigend mit auf den Weg. Gliemanns Text ergänzt: Um sich in der Psychiatrie Hilfe zu holen, muss man nicht psychisch krank sein. Dort wird auch unterstützt, wer überlastet oder überfordert ist. Den Vater lässt die Autorin fragen: „Wenn der Körper krank sein kann, warum kann denn dann nicht auch die Seele krank sein?“

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