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Das Ringen am grünen Stadtrand geht weiter

Karlsruher Baupläne für den Oberen Säuterich am östlichen Ende der Südtangente wecken neue Fragen

Bürgerbeteiligung ist Prinzip beim Baugebiet Oberer Säuterich am Rand von Durlach-Aue. Coronabedingt schriftlich ging es jetzt erneut um Gebäudegrößen, Flächenfraß und mehr belastenden Autoverkehr im alten Aue.

Abschiedsstimmung: Für das Herbstlaub an der Gleiskurve der Linie 2 beim Friedhof Aue sind die Tage ebenso gezählt wie für die angrenzenden Felder. Auf 13 Hektar Acker- und Grünland soll Wohnraum für 800 Menschen entstehen. Foto: Jörg Donecker

Wohnraum ist knapp und teuer in Karlsruhe. Deshalb sollen im Oberen Säuterich am Rand von Durlach-Aue knapp 400 Wohneinheiten plus Seniorenresidenz mit 75 Pflegeplätzen und Kindertagesstätte entstehen. So sind die Tage gezählt für die Felder an der Gleiskurve der Linie 2 beim Friedhof Aue, für Streuobst und Grünland zwischen der verlängerten Südtangente und dem südlichen Ortsrand.

Die Planung wird von Beginn an kontrovers diskutiert. Zu Infoveranstaltungen kamen teils über 200 Menschen. Jetzt hat das Stadtplanungsamt erneut Stellungnahmen der Bürger eingeholt, coronabedingt diesmal nur schriftlich.

30 viergeschossige Neubaublocks

Dauerkritikpunkt ist die dichte Bebauung mit vorwiegend drei- und vierstöckigen Häusern für etwa 800 Einwohner. 30 Gebäude sollen zwölf Meter hoch aufragen. Die Stadt verteidigt das mit dem großen Bedarf.

Auch die geplante Erschließung für den Autoverkehr vorwiegend über kleine angrenzende Wohnstraßen ist ein Streitpunkt. Zur Schnellstraße direkt nebenan soll es nur eine Ausfahrt Richtung Stadtzentrum und Autobahn geben.

Carsharing am Quartiersplatz

Das Mobilitätskonzept umfasst aktuell rund 140 öffentliche Stellplätze, am Quartiersplatz auch für Carsharing oder Ladesäulen für E-Autos. Je Wohneinheit sind zweieinhalb Fahrradstellplätze vorgesehen, zur Hälfte in Fahrradkellern in Tiefgaragen. Bei der Gestaltung geht es auch um grüne Dächer und Fotovoltaik.

Betroffen als Anwohner des Schindwegs und der Brühlstraße sind Ehrhard Pfeiffer und Axel Plitt. Sie haben ihre gemeinsame Stellungnahme wie bisher öffentlich gemacht. Beide finden, das neue Quartier werde mit Durlach-Aue zu wenig vernetzt.

13 Hektar im Wasserschutzgebiet

Schon heute sei in Teilen Aues die Versorgung etwa mit frischen Lebensmitteln oder medizinischen Dienstleistungen schlecht. „Wie soll das für die über 800 zusätzlichen Bewohner des neuen Quartiers sichergestellt werden?“, fragen Pfeiffer und Plitt.

Das Quartier soll auf knapp 13 Hektar in einem Wasserschutzgebiet entstehen, wo bisher Obst an knorrigen alten Bäumen und Gemüse auf Äckern und in Gewächshäusern reift. Der Umweltbericht fehlt noch. Streng geschützte Zauneidechsen, Wechselkröten und Fledermäuse sind zu berücksichtigen.

Einige alte Obstbäume sollen verschont bleiben, neue Setzlinge alter Obstsorten sind für einen „Allmendegarten“ im Westen des Areals versprochen. Daran soll sich ein „Parkraum Naturerlebnis“ anschließen, mit mehr als 5.000 Quadratmetern Biotopbereich.

Von einem Wasserspielplatz und einem weiteren Spielgelände beim Festplatz Aue ist die Rede. Dort sollen Turngeräte und weitere Bewegungsangebote für alle Altersgruppen entstehen.

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