Skip to main content

Wohnhaus ist schwer beschädigt

Karlsruher Familie mit drei Kindern ist nach Feuer obdachlos

Vater, Mutter und drei Kinder im Schulalter sehen geschockt mit an, wie drei Tage nach Weihnachten ihr Wohnhaus in Flammen steht. Helfer stehen der Familie zur Seite – aber nichts ist mehr wie bisher. Und keiner weiß, ob es eine Rückkehr geben kann.

Unbewohnbar: Der Brand am Sonntag in der Untermühlsiedlung hat Teile des Hauses zerstört und den Bewohnern das Dach über dem Kopf geraubt, darunter einer Familie mit drei Schulkindern . Foto: Jörg Donecker

Es ist ein Alptraum, den die Bewohner und Nachbarn des Sechs-Parteien-Hauses in der Untermühlsiedlung am Sonntag nach Weihnachten erleben. Eine Nachbarin hört am Mittag einen mächtigen Knall.

Als nächstes sieht sie, dass ätzender, grauer Rauch aus einem Fenster im oberen Stockwerk des Gebäudes quillt – und aus eben diesem Fenster in mehr als drei Metern Höhe springt in Todesangst ein Mann mit Brandwunden. Er bricht sich mehrere Knochen, rettet aber sein Leben.

Das Drama spielt sich auch vor den Augen einer Familie ab, die sich ins Freie geflüchtet hat. Vater, Mutter und drei Kinder im Alter von sechs, zwölf und 16 Jahren haben in dem Moment ebenfalls nicht mehr als das nackte Leben in Sicherheit gebracht. Sie sehen ohnmächtig mit an, wie Flammen aus den Fenstern des Hauses schlagen.

Wenigstens bleiben sie mit dem furchtbaren Erlebnis nicht allein. Vom sozialen Dienst des Stadtamts Durlach trifft Roland Laue ein. Er hat Notdienst an diesem Sonntag.

Professionelle Helfer im Notdienst

Während zeitweise fast 50 Feuerwehrleute gegen den Brand ankämpfen, weil Holzdecken das Feuer zusätzlich nähren, kümmert sich Laue um die türkischstämmige Familie. Auch eine Vertreterin der Volkswohnung Karlsruhe, ebenfalls im Notdienst, eilt hinzu. Die Häuserblocks gehören der Wohnungsbaugesellschaft. Einige Gebäude sind schon renoviert. Die Flammen wüten aber in einem alten, unsanierten „Schlichtbau“, die man in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren ab 1950 in möglichst billiger Bauweise hochzog.

Das war für die betroffene Familie eine absolute Notsituation.
Roland Laue, Leiter des Sozialamts Durlach

„Das war für die betroffene Familie eine absolute Notsituation“, sagt Laue. Sein Team hat aber ein Konzept für solche Fälle, „das hat wunderbar gegriffen“. Eine Reihe Karlsruher Hoteliers ist bereit, in Notfällen wie diesem zu helfen. Mithilfe einer Telefonliste und nach einer halben Stunde bangen Wartens ist klar: Es gibt trotz der Corona-Einschränkungen auf die Schnelle ein Zimmer, das groß genug ist für die plötzlich obdachlose fünfköpfige Familie. Einem alleinstehenden Mitbewohner des Hauses hilft Laue auch, bei einem Bruder unterzukommen, die übrigen Parteien finden selbst Lösungen.

Ein letztes rasches Packen unter Aufsicht

Unter Aufsicht der Feuerwehr können die Eltern der drei Schulkinder noch einmal kurz ihre Wohnung betreten, warme Kleidung und ein paar Nahrungsmittel zusammenpacken. Laue, der am Tag danach wieder als Leiter des Sozialamts im Stadtamt Durlach im Rathaus sitzt, begleitet alle ins Übergangsquartier. Die Kinder wirken da etwas getröstet oder zumindest abgelenkt: .„Für sie war es in dem Moment auch ein kleines Abenteuer.“

Laue ruft einen Pizzadienst, denn ein Appartement mit Küche ist so schnell dann doch nicht verfügbar. Die Nacht verbringt die Familie, ohne zu wissen, ob es eine Rückkehr in die eigenen vier Wände geben wird.

Aussicht auf Rückkehr ist noch unklar

Am Montag, 24 Stunden nach Ausbruch des Feuers, sieht es im und am schwer beschädigten Haus in der mittleren Zeile der Blocks an der alten Karlsruher Straße neben der Autobahnmeisterei aus, als könne dort nie wieder jemand wohnen. Rund um den Sockel liegen pitschnasse Wolldecken. Der verschmorte Rest eines Plastikspielzeugs ist zu erkennen, ein umgedrehter Stuhl, eine halb verkohlt herausgerissene Verschalung, ein einzelner Schuh.

Alles hängt nun davon ab, wie schwer die Schäden durch die Flammen und den Löscheinsatz tatsächlich sind. Laue erhält am Tag nach dem Feuer die Nachricht, mit den Eltern sei am Nachmittag eine Besichtigung vor Ort vereinbart. Ein glückliches Ende allerdings hat das verflixte Jahr 2020 für die Familie sicher nicht: Selbst im glimpflichsten Fall, wenn etwa eine Woche Trocknen mit Heizbelüftung die Rückkehr ermöglichen würde, wäre das erst im Januar 2021.

Sie möchten spenden?

Spendenwillige werden gebeten, direkt Kontakt aufzunehmen mit der Sozial- und Jugendbehörde per E-Mail an sotei@sjb.karlsruhe.de

nach oben Zurück zum Seitenanfang