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Erneuerung in Durlach steht an

Karlsruher Verkehrsbetriebe präsentieren Pläne zum Umbau der Turmbergbahn

133 Jahre alt ist die Turmbergbahn und heißgeliebt wie am ersten Tag. Weit über Durlach hinaus ist sie eine Attraktion. Doch die gelbroten Zwillingswagen ziehen sich nicht mehr lange am Stahlseil gegenseitig auf Karlsruhes Hausberg. Welche Wünsche an die neue Bergbahn in Erfüllung gehen und welche nicht, erklären die Verkehrsbetriebe am 28. Januar 2021 virtuell.

Ausbalanciert: Die zwei Wagen der Turmbergbahn bringen Fahrgäste nur noch bis Oktober 2022 auf die Höhe über Durlach. Dann weichen sie einer modernen Bergbahn. Foto: Jörg Donecker

„Der Himmel weinte Tränen, als die letzte offizielle Fahrt mit der 77-jährigen Wasserballast-Bergbahn vor sich ging“, heißt es über die Durlacher Turmbergbahn in einem Manuskript, das im BNN-Archiv aufbewahrt ist. Der Text hält Eindrücke von der „letzten Bergbahnfahrt“ am 7. November 1965 fest und dokumentiert, mit welchem Herzblut die Menschen an der Standseilbahn hingen.

„Eisenbahn- und Nahverkehrsfreunde gaben dem Bähnle mit Blitzlichtkamera und viel Begeisterung das letzte Geleit“, schreibt der Chronist. Dass die Menschen sich fasziniert und angezogen fühlen, zieht sich durch die bald 133 Jahre alte Geschichte der kleinen, aber feinen Bergbahn.

Originalwaggons fuhren bis 1965

Den Anfang machen Durlacher Bürger, die 105.000 Goldmark als Anlagekapital aufbringen. Damit wird am 12. Mai 1887 die „Drahtseilbahn Durlach-Thurmberg AG“ gegründet. 315 Meter lang, mit Zahnstangensystem, zwei per Stahlseil miteinander verbundene Waggons und Wasserballast als Antriebs- oder Zugkraft, um 100 Höhenmeter zu überwinden: Das Konzept ist pfiffig, die Eckdaten stimmen bis heute. Die Originalwaggons dienen unverändert bis 1965, lediglich 100 Meter Gleis werden 1958 erneuert.

Nicht ein einziger Unfall trübt das Bild. Einmal reißt zwar tatsächlich ein Stahlseil, im Sommer 1917, doch die Notbremsen greifen tadellos. Als nach dem 75. Geburtstag eine Rundum-Erneuerung ansteht, ist der Abschied von den alten Wägelchen so für die Menschen schmerzlich.

Beliebte Attraktion: Die Turmbergbahn am Durlacher Turmberg ist von Anfang an ein Ausflugsziel für Familien, so wie hier im Jahr 1959. Foto: Horst Schlesiger/Stadtarchiv Karlsruhe

Ab 1967 ist die Freude an der aufgefrischten Turmbergbahn aber wieder groß wie eh und je. Jetzt steht erneut eine komplette Erneuerung bevor, und diesmal wird es ein größerer Schritt. Die Betriebserlaubnis für das Zwei-Waggon-Bähnchen erlischt Ende Oktober kommenden Jahres. Es ist die älteste noch betriebene Standseilbahn Deutschlands.

Die neue Turmbergbahn, quasi Nummer drei, ist jetzt fix und fertig geplant. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) steuern den Abriss noch im Jahr 2022 und direkt daran anschließend den Neubau an. Wegen der Pandemie nur digital, informieren die Verkehrsbetriebe zum aktuellen Planungsstand angemeldete Anwohner und Interessierte am 28. Januar.

Direkter Umstieg in die Bergbahn

Schon klar ist: Die neue Bergbahn wird erheblich länger. Ein- und Aussteigen können Fahrgäste künftig schon am Fuß der Hanglage, nahe der Endhaltestelle „Turmberg“ der Straßenbahn an der B3. Das schließt die touristische Bergbahn ans bestehende Nahverkehrsnetz an. Dadurch kann das Projekt auch öffentlich gefördert werden.

Jubiläumsfahrt: Zum 75. Geburtstag im Frühling 1963 fährt die Turmbergbahn mit Girlandenschmuck. Foto: Horst Schlesiger/Stadtarchiv Karlsruhe

Über 20 Millionen Euro kostet der Neubau nach aktueller Kalkulation, im April 2018 war noch von 14,7 Millionen Euro die Rede. Damals war eine ebenerdige Querung der Trasse bei der heutigen Talstation vorgesehen. Dort wird nun aber eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer entstehen. Das und Baukostensteigerungen treiben den Preis laut VBK nach oben.

Landeszuschuss von 75 Prozent denkbar

Der Neubau der Turmbergbahn soll stark durch Landesmittel finanziert werden, wohl durch mehrere Förderprogramme. Im Oktober 2020 rechneten die Verkehrsbetriebe sogar damit, maximal ein Viertel der Baukosten selbst zahlen zu müssen.

Der Ortschaftsrat Durlach wollte eine Bedarfshaltestelle auf Höhe der heutigen Talstation. Dies hat der Gemeinderat aber mehrheitlich abgelehnt. Die Verkehrsbetriebe lehnen so eine zusätzliche Haltestelle ab, weil ein Stopp am Ort der jetzigen Talstation die Fahrtzeit von dreieinhalb Minuten quasi verdoppeln würde. Die Bahn brächte so pro Stunde nur 475 statt 840 Fahrgäste auf den Berg mit der beliebten Terrasse und dem markanten Aussichtsturm.

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