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Gerüchte über dauherhafte Abriegelung

Empörung in Grötzingen wegen gesperrter Ringelberghohl

Viele Spaziergänger und Wanderer lieben die Ringelberghohl . Doch der historische Naturweg ist nach einem Sturm wegen Baumsturzgefahr seit März 2019 gesperrt. Mittlerweile tobt ein Sturm der Entrüstung durch Grötzingen - tut sich nun etwas?

Verbarrikadiert: Die Stadt hat den Zugang zum Grötzinger Hohlweg Ringelberghohl gesperrt und warnt vor dem Durchgang. Foto: Joerg Donecker

Grötzingens hohle Naturgasse ist in gut einem halben Jahr wieder offen für Spaziergänger. Voraussetzung: Die Stadtverwaltung setzt bis März 2021 um, was sie jetzt vorhat. Zwei Jahre war das Naturwunder Ringelberghohl dann abgesperrt, weil ein Sturm am 19. März 2019 Bäume an den bis zu 18 Meter hohen Wänden der Hohle entwurzelte oder in gefährliche Schieflage brachte.

Danach machte die Stadt zur Sicherheit der Bürger den historischen Weg für Wagen und für Radler, für Geher und für Hunde dicht. Mindestens fünf Ämter brüten seitdem über die Zukunft der Ringelberghohl.

Die Anwohner umgehen die Absperrung einfach

Die Grötzinger – besonders die Anlieger – hielten lange still, weil sie die Barrikade trotz Warnung leicht umgehen können und so trotz der Gefahrenlage auf eigene Faust durch diese hohle Gasse kommen. Doch in diesem Sommer geht das Gerücht durchs Malerdorf, dass die Stadt den beliebten Hohlweg für immer unzugänglich machen wolle, dass gar ein unüberwindlicher Zaun bald die Eingänge zu dem über Jahrtausende von Wasser und Mensch in den Berg gewaschenen und getretenen Pfad verschließen würde.

Der behördliche Prozess der so genannten Entwidmung für die Straße zwischen den Steilwänden löst dieses Sorge aus. Anliegerin Doris Domjahn ist zutiefst empört, „dass der schönste Teil unserer Ringelberghohl für alle Zeit abgesperrt” bleiben solle. „Ein hoher, unüberwindbarer Zaun” sei angekündigt, sagt die Grötzingerin. Bei ihrer Ortsverwaltung heißt es, dass davon nun nicht mehr die Rede sei.

Die Ringelberghohl ist ein geschützter Naturschatz, der den Menschen seit vielen Jahrhunderten als Weg dient. Foto: Joerg Donecker

Domjahn wirft der Stadt auch vor, das Problem selbst mit verursacht zu haben. „Die Verantwortlichen haben über Jahrzehnte zugeschaut, wie schwerlastige Bäume an den Steilhängen emporwuchsen”, schimpft die Bürgerin. Mit dem Sturz der Bäume könnten nun die Steilwände mitreißen und „das einmalige, schützenswerte Biotop für Dachse und Wildbienen verschütten”, meint sie.

Das Paradies für Wanderer muss offen bleiben.
Doris Domjahn, Grötzinger Bürgerin

Dabei sei doch die Ringelberghohl der schönste und bedeutendste Hohlweg auf Karlsruher Gemarkung, eben „ein Paradies für Wanderer, das für die Bevölkerung offen bleiben muss”, fordert sie. Viele Grötzinger haben sich per Unterschrift zu diesem Ziel bekannt. Auch Ortspolitiker Hans Ritzel teilt die Empörung. „Es ist die schönste Hohle in der Grötzinger Kulturlandschaft, sie muss wieder offen sein”, meint er.

Erst entwidmen – dann wieder öffnen

Tiefbauamtschef Martin Kissel und weitere Vertreter Karlsruher Behörden machen im Gespräch mit den BNN deutlich, dass das Gegenteil zutreffe. Gerade die Entwidmung der Ringelberghohl als Straße für den motorisierten Verkehr bringe geringere Sicherungspflichten für die Stadt als Trägerin der Verkehrslast und damit die Möglichkeit den Hohlweg als einen Park- oder Waldweg wieder für die Menschen zu öffnen, erklärt Kissel.

Dazu kommt als zweite Komponente der eingeleiteten Kombilösung bei der Ringelberghohl ein mit dem Naturschutz abgestimmter Pflegeplan. Da werden Bäume fallen, damit die steilen Böschungen auch in Zeiten der Klimakrise mit Starkregen und extremer Trockenheit wieder als sicher gelten. Überhaupt aber sei „nicht absehbar gewesen, dass es bei den Bürgern so einen hohen Stellenwert genießt, dass die Ringelberghohl wieder zugänglich ist”, erklärt Kissel.

Abfolge vieler Einzelschritte in einem komplexen Verfahren

Auch Grötzingens Ortsvorsteherin Karen Eßrich räumt ein: „Es war kein Handlungsdruck erkennbar.” So habe man in Grötzingen den Gedanken gehegt, den Hohlweg zu renaturieren.

Der Eindruck, dass sich die verschiedenen Ämter mit dem Vertreten ganz unterschiedlicher Belange, im Ringen um die Zukunft der Hohle gegenseitig im Wege stehen, sei völlig falsch, versichern Kissel und Co. Auch das Verstreichen von ganzen zwei Jahren bis zum Wiederöffnen bedeute keineswegs ein Versagen der Verwaltung. Sondern dies sei der folgerichtigen Abfolge vieler Einzelschritte in einem komplexen Verfahren geschuldet, betont Amtsleiter Kissel.

Geht der neue Plan für die Ringelberghohl bis zum nächsten Frühjahr auf, dann hat die Stadtverwaltung also den Verdacht zerstreut, sie könne in der Zuspitzung der Klimakrise und bei der Verschärfung der Sicherheitsauflagen nicht mehr den Servicestandard für den Bürger halten.

Gefahr für Leib und Leben durch geknickte Bäume

Nach dem Orkan im März 2019 liegen in der Hohle viele Bäume kreuz und quer. Die Stadt räumt den Weg selbst wieder frei, erkennt dann aber die weiter drohende „Gefahr für Leib und Leben” durch geknickte und gebogene Stämme an den Klippen, berichtet Grötzingens Ortsvorsteherin.

Die Ämter begeben sich im September 2019 gemeinsam auf den Hohlweg und beratschlagen. Gartenbauamt und Tiefbauamt, Umweltamt und Naturschutzbehörde, dazu das Liegenschaftsamt und die Ortsverwaltung von Grötzingen kommen vor fast einem Jahr zu dem Schluss, dass die Ringelberghohl vorerst geschlossen bleiben müsse.

In Grötzingen gebe es auch die Stimme in der Bürgerschaft, die Menschen aus dem Hohlweg mit den extrem steilen Böschungen zum Schutze der Natur für alle Zeiten auszusperren. Schließlich könne man auf diese Durchfahrt für Autos und Traktoren verzichten, weil es eine alternative Verbindung im Wegenetz gibt, erläutert Eßrich.

Sturm der Entrüstung

Doch nun ist der Protest gegen die Schließung des Weges in der Bevölkerung zu einem Sturm der Entrüstung angeschwollen – und die Stadtverwaltung macht den Weg frei. Sie hat einen klaren Fahrplan, bei dem auf einen weiteres Gutachten Ende September das neue Pflegekonzept greifen soll.

Damit wieder ein legaler Weg durch die Naturgasse führt, sind jetzt nach Auffassung der Verwaltung auch direkte Anlieger zum Handeln aufgerufen. Sie müssen wieder Abstand zum Abgrund halten. Die letzten drei Meter vor dem Absturz in den Hohlweg sind eigentlich eine Sicherheitszone in städtischer Hand.

Wer da sein Grundstück bis an die Klippe ausgedehnt, eine Hütte gebaut, Holz aufgeschichtet und gar mit Betonpfosten und Zaun gesichert hat, muss schleunigst den Rückzug antreten, damit die Hohl wieder geöffnet wird. In diesen Befestigungsanlagen Grötzinger Villengrundstücke sehen die städtischen Experten eben auch einen Gefahrenherd für ein weiteres Abrutschen der Hänge.

Der Dachs untergräbt die Hohlwände

Dagegen sollen die vielen Dachsbauten in den Steilwänden nicht angetastet werden. Zwar ist der intensive Höhlenbau der Grimmbärte in der Hohle unter Experten nicht unumstritten. Doch wird die ausgehöhlte Welt dieser Nachtschwärmer nicht angetastet. Die Dachse genießen eben Naturschutz wie ihr Hohlweg – und dass ausgerechnet sie mit ihren Schaufeltatzen frech die geschützten Hohlwände so untergraben, dass die Bäume umfallen, lässt sich nicht so leicht beweisen.

Jürgen Unger vom Gartenbauamt, ein profunder Kenner der Ringelberghohl zwischen Vogelsang und Fikentscherstraße, erklärt, wie sich der schon in Römerzeit als Karrenstrecke genutzte Weg in dem tiefen Einschnitt nach 1970 verändert hat: Die Menschen halten ihn nicht mehr mit Holzschlag für ihre Öfen in Form. Und diese wilde Natur sei dann „schwierig zu pflegen”. Obwohl „diese Pflege dort nicht mehr stattfand”, habe das Gartenbauamt auch dort seine Pflicht getan, versichert er.

Heute sei aber klar, „dass die Hohle nicht mehr als Straße für motorisierten Verkehr genutzt werden kann”, betont Dietmar Schaber vom Tiefbauamt. Ein Spazierweg „mit waldtypischen Gefahren”, wo der Spaziergänger auf eigene Verantwortung geht, aber sei auf Wunsch der Bevölkerung machbar, meint Unger.

Pflegeeinschlag durch kletternde Spezialisten aus Österreich

Noch aber ist die Hohle wie seit 1964 eine öffentliche Straße mit entsprechender Verkehrssicherungspflicht, unterstreicht Tiefbauamtschef Kissel. Von dieser Last befreie die behördliche Entwidmung der Straße.

Dazu läuft das Verfahren bei der Stadt seit dem Frühjahr, berichtet Günter Raber vom Tiefbauamt. Noch dieses Jahr könne darüber endgültig der Gemeinderat entscheiden, erklärt Schaber. Im Winterhalbjahr, also außerhalb der Vegetationsperiode, laufe zudem der Pflegeeinschlag durch kletternde Spezialisten aus Österreich, versichert Kissel.

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