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Energieversorger am Rheinhafen

„RDK 7“ ist wieder am Netz: Karlsruher EnBW setzt im Herbst verstärkt auf Kohle

Der heiße Sommer führte zu rund 1.100 Stunden Betriebszeit des Kühlturms von Kohle-Block „RDK 8“ im Karlsruher Rheinhafen. Seit diesem Mittwoch ist nun der ältere Meiler „RDK 7“ wieder angefahren.

Seit 2014 am Netz: Der nach Angaben des Betreibers EnBW hocheffiziente Block „RDK 8“ des Kohlekraftwerks im Karlsruher Rheinhafen hat eine elektrische Leistung von etwa 834 Mega-Watt.
Der laut EnBW hocheffiziente Block „RDK 8“ des Kohlekraftwerks in Karlsruhe hat eine elektrische Leistung von etwa 834 Mega-Watt. Foto: Stefan Jehle

An den letzten Sommertagen des Septembers war es ein ungewohntes Bild im Karlsruher Rheinhafen: Das seit 2014 betriebene Kohlekraftwerk „RDK 8“ hatte im Vollbetrieb stetig den 80 Meter hohen Kühlturm am Laufen. Das ist notwendig ab einer Wassertemperatur des Rheins von 22,6 Grad Celsius – dann darf Kühlwasser nicht mehr in das Fließgewässer eingeleitet werden.

Seit vergangenem Mittwoch ist auch der benachbarte Meiler „RDK 7“ wieder am Netz. Die rauchenden Schlote der beiden Blöcke werden wohl auch die kommenden Monate regelmäßig zu sehen sein.

Der Energieversorger EnBW setzt im Herbst – als sichtbarer Ausdruck der aktuellen Versorgungs-Probleme auf dem Energiemarkt – nun wieder verstärkt auf Kohle. „Wir setzen aktuell zahlreiche Maßnahmen um, damit unsere Kraftwerksblöcke im kommenden Winter eine möglichst hohe Verfügbarkeit haben und so einen wertvollen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten“, teilt eine EnBW-Sprecherin auf Anfrage mit.

Ab Mitte 2022 soll markante Rauchschwade von Block 7 Vergangenheit sein

Der nach Angaben des Betreibers EnBW hocheffiziente Block „RDK 8“, mit einer elektrischen Leistung von etwa 834 Mega-Watt (MW), war vergangenes Jahr gerade mal etwa drei Monate in Betrieb. Auf 1.100 Stunden Betriebszeit summiert sich derweil allein in diesem heißen Sommer inzwischen die (parallele) Laufzeit des Kühlturms, auf etwa 46 Tage.

Lange Zeit abgeschaltet blieb auch der zwischen 1981 und 1985 entstandene Block „RDK 7“ des Dampfkraftwerks im Karlsruher Rheinhafen – noch im Oktober 2021 war die Absicht der EnBW bei der Bundesnetzagentur die Stilllegung des mittlerweile betagten Kraftwerks zu beantragen.

Ab Mitte 2022 sollte dann eigentlich die auch beim Block 7 oft weithin sichtbare markante Rauchschwade (die Schornsteine beider Werke sind 230 und 233 Meter hoch) der Vergangenheit angehören. Als mittelbare Folge des Kriegsgeschehens in Osteuropa soll „RDK 7“, so die EnBW, mit der Nennleistung 517 MW nun aber mindestens bis zum Ende des Winters 2023/24 weiterbetrieben werden – der Block verfügt dabei noch über keine Kühlungsoption wie etwa einen Kühlturm wie beim neueren Nachbarblock „RDK 8“.

Nach mehrwöchigen Revisions- und Reparaturarbeiten ist der Block 7 nun seit diesem Mittwoch wieder am Netz. Erst kürzlich hatte die EnBW die notwendig werdende Neueinstellung von 25 Mitarbeitern zur Steinkohlverarbeitung angekündigt.

Großkraftwerk Mannheim läuft in Vollbetrieb

Auch das Großkraftwerk Mannheim (GKM) am Rheinufer des südlich gelegenen Stadtteils der Quadratestadt, Neckarau – angrenzend an das linksrheinische Altrip sowie Rheinau und Brühl –, läuft derzeit im Vollbetrieb. „Wir gehen auch für diesen Herbst und Winter von einer sehr hohen Auslastung aus“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit. Das GKM mit insgesamt vier Anlagen, den Blöcken 6, 7, 8 und 9 hat eine Gesamtleistung von 2.146 MW.

Wichtigster Teil des Kraftwerks ist das „GKM 9“, mit Inbetriebnahme 2015, ein nahezu baugleicher Block wie das „RDK 8“ in Karlsruhe – beide kosteten bei der Erstellung jeweils etwa 1,3 Milliarden Euro. Das GKM ist ein Gemeinschaftskraftwerk der RWE Generation SE, Essen, der EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Karlsruhe, und der MVV RHE GmbH, Mannheim.

Sowohl die Blöcke „RDK 7“ und „RDK 8“ in Karlsruhe, wie auch das GKM in Mannheim produzieren gleichzeitig Fernwärme für nahegelegene Wohngebiete der beiden Großstädte. Zum Vergleich des Energie-Potenzials: die beiden bis 2011 und 2019 betriebenen Blöcke KKP 1 und KKP 2 des Kernkraftwerks Philippsburg hatten zusammen die elektrische Leistung von 2.394 MW.

Karlsruhe will bald über Block „RDK 7“ abstimmen

Klimaschützer fordern schon seit längerem die Abschaltung der Kohlemeiler – auch der moderneren Anlagen wie „GKM 9“ in Mannheim oder dem „RDK 8“ im Karlsruher Rheinhafen. In Karlsruhe gab es immer wieder Aktionen und Demonstrationen. In den vergangenen Jahren gab es auch in Mannheim einige wenige Protestaktionen.

Das Großkraftwerk Mannheim „GKM 9“ sei eines der effizientesten Steinkohlekraftwerke Europas, heißt es von Seiten der Betreiber. Und diese rühmen auch das – im Vergleich zu Karlsruhe – sehr viel modernere Kühlsystem: einen Nasszellenkühler. Diese würden als wichtige Umweltschutzmaßnahme des GKM gewährleisten, dass „der Rhein selbst an heißen Tagen durch das Kühlwasser von Block 9 nicht nennenswert erwärmt wird“, sagt eine GKM-Sprecherin.

In Karlsruhe wird derweil in Kürze entschieden werden, wie bei dem inzwischen fast 40 Jahre alten Block „RDK 7“ hier verfahren wird. Das „RDK 7“ besitzt noch eine wasserrechtliche Genehmigung bis Ende des Monats September. Die Wasserentnahme aus dem Rhein entspreche längst nicht mehr dem Stand der Technik, monieren Kritiker des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Die Genehmigungsunterlagen liegen beim Regierungspräsidium.

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