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Auf den KIT-Campus kehrt Leben zurück

Erstsemester-Start in Karlsruhe unter Corona-Bedingungen: Die große Party fällt aus

Ein halbes Jahr lang waren die Hochschulen für die meisten Studierenden geschlossen. Mit dem Wintersemester kehrt nun das Leben langsam wieder an die Wissensschmieden zurück. Besondere Priorität genießen dabei die Erstsemester. Für die Neulinge sind soziale Kontakte mit Kommilitonen nämlich besonders wichtig.

Die große Party fällt aus: Am Montag beginnt das Wintersemester und die neuen Studierenden werden in ihren neuen Bildungsabschnitt eingeführt. Traditionell gibt es Alkohol, wie hier im vergangenen Jahr in Hannover, dazu. In diesem Jahr läuft aber vieles anders. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wenn junge Leute in größeren Gruppen Mitte Oktober etwas orientierungslos durch die Stadt streifen, ist es wieder soweit. Dann steht das Wintersemester vor der Tür und die neuen Studierenden erkunden gemeinsam mit erfahrenen Kommilitonen die Hochschulen und die Innenstadt.

Ab Montag sind die Erstsemester wieder an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft und am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterwegs. Doch in diesem Jahr wird vieles anders sein, denn die Corona-Pandemie stellt auch die Organisatoren der Orientierungs-Phasen an den beiden größten Karlsruher Bildungseinrichtungen vor immense logistische Herausforderungen.

Die ganz coolen Sachen können wir dieses Jahr nicht machen.
Sarah Bohn, Allgemeinen Studierendenausschuss KIT

Der ausgedehnte Bummel durch die beliebtesten Studi-Kneipen fällt deshalb wohl ebenso ins Wasser wie die traditionellen Trinksportspiele auf den Grünflächen zwischen Schloss und KIT.

„Die ganz coolen Sachen können wir dieses Jahr nicht machen“, sagt Sarah Bohn vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) des KIT. „Aber das Wichigste ist, dass die Erstsemester zu Beginn ihres Studiums nicht alleine gelassen werden und Leute aus ihren Studienfächern kennen lernen.“

Langeweile kommt garantiert keine auf

Langweile kommt bei den Erstis während der sogenannten O-Phasen-Woche trotz des eingeschränkten Programms garantiert nicht auf. Für Gruppen mit bis zum 20 Erstsemestern werden von der Fachschaft Maschinenbau Campus-Rallys, Stadtrundgänge, eine Schnitzeljagd und Bowling-Abende organisiert.

Damit mit nicht zu viele Leute auf einmal unterwegs sind, werden die Gruppen tageweise auf Tour geschickt. Außerdem begann bereits in dieser Woche eine Online-Orientierungswoche zum virtuellen Netzwerken.

Das Lernen und Arbeiten an der Hochschule ist ganz anders als in der Schule.
Zoe Kammerdiener, AStA Hochschule

„Auswärtige Erstsemester kennen in Karlsruhe oft noch niemand. Deshalb ist die O-Phase auch so wichtig“, sagt auch Zoe Kammerdiener vom AStA der Hochschule. Viele der angehenden Akademiker kommen während der ungezwungenen Aktionswoche zum ersten Mal mit ihren künftigen Kommilitonen in Kontakt – und manche Freundschaften halten dann während des gesamten Studiums und noch darüber hinaus. Doch nicht nur fürs seelische Wohlbefinden und das soziale Miteinander sind persönliche Kontakte zu Mitstudierenden wichtig, weiß Kammerdiener aus eigener Erfahrung.

Das Leben kehrt zurück: Mit dem Beginn des Wintersemesters kommen wieder mehr Studierenden auf den Campus-Süd des KIT. Foto: Jörg Donecker

„Das Lernen und Arbeiten an der Hochschule ist ganz anders als in der Schule. Da ist es sinnvoll, sich regelmäßig mit anderen Leute auszutauschen und gemeinsam zu lernen“, sagt die Fachschafterin.

Während des Sommersemesters sei die Sehnsucht nach sozialen Kontakten teilweise so groß gewesen, dass sich viele Studierende über den Beginn der Prüfungsphase im Juli freuten. Vor den Klausuren waren die Tische auf dem Hochschulcampus an der Moltkestraße beliebter Treffpunkt fürs Last-Minute-Büffeln.

Risiko einer höheren Abbrecherquote

„Wenn wir die Erstsemester nicht gezielt abholen und auf ihr Studium vorbereiten, riskieren wir eine höhere Abbrecherquote“, sagt Rainer Neumann, Studiendekan an der Hochschulfakultät für Informatik und Wirtschaftsinformatik. Deshalb sollten die Erstsemester „möglichst oft“ zu Vorlesungen an die Hochschule kommen dürfen.

Für den Hochschulbetrieb während der Corona-Pandemie macht die Landesregierung klare Vorgaben. Das Wintersemester soll ein Hybrid aus Präsenzveranstaltungen und Online-Vorlesungen werden. Seminare für wenige Teilnehmer und Laborarbeit dürfen vor Ort stattfinden, Großveranstaltungen gehen im Netz über die Bühne.

Für die einzelnen Fakultäten bedeutet das laut Neumann vor allem sehr viel Organisationsarbeit. Weil in den einzelnen Hörsälen unter Wahrung des Abstandsgebots maximal 20 Studierende gleichzeitig unterrichtet werden dürfen, müssen für die Raumnutzung Schichtpläne erstellt werden.

Außerdem ist es wichtig, dass sich die Leute auf dem Campus irgendwie treffen.
Rainer Neumann, Studiendekan

Kohorten zu bilden und die Studierenden wie Schulklassen nur zusammen zu unterrichten, ist an einer großen Wissenschaftseinrichtung allerdings nicht möglich, betont Neumann. „Außerdem ist es wichtig, dass sich die Leute auf dem Campus irgendwie treffen“, sagt der Studiendekan. „Dann erfährt man über den Flurfunk auch wichtige Neuigkeiten.“

Am KIT genießen Erstis Priorität

Für Alexander Wanner, Vizepräsident für den Bereich Lehre am KIT, genießt die Betreuung der Erstis in diesem Wintersemester ebenfalls absolute Priorität. „Es wird in allen Studienfächern einen Mix aus Präsenzlehre und Online-Vorlesungen geben“, so Wanner. „Aber die Erstsemester werden überdurchschnittlich viel Unterricht vor Ort erhalten.“

Für die detailliere Ausgestaltung der Lehrpläne sind bei über 40 verschiedenen Bachelor-Studiengängen die einzelnen Fakultäten zuständig. Damit sich die Neueinsteiger an der Universität wohl fühlen, werden allerdings die Lernräume an der KIT-Bibliothek zum gemeinsamen Büffeln ebenso wieder geöffnet wie Teile der Mensa. „Die gemeinsamen Begegnungen auf dem Campus sind gerade für Erstsemester sehr wichtig“, sagt auch Wanner.

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