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Begrenzte Kapazitäten

Im Karlsruher Europabad gibt es am Wochenende lange Wartezeiten

Viele Leute haben der Wiedereröffnung des Europabads entgegengefiebert. Offenbar zu viele, denn am Samstag gibt es am Eingangsbereich des Spaßbades lange Warteschlangen.

Geduld ist eine Tugend: Auch Mila, Luca und Vivia Schultz mussten warten, ehe sie am Wochenende das Europabad besuchen konnten. Foto: Peter Sandbiller

Wer an diesem Samstagmittag die Schlange geduldiger Cliquen, Familien und Einzelpersonen vor dem Eingang des Europabades sieht, atmet zunächst einmal erleichtert auf.

Die Menschen haben also das wichtige Kulturgut des geduldigen Wartens doch noch nicht verlernt.

Und das in Zeiten, in denen Lieferdienste, Politik oder Wissenschaft immer schneller und schneller sein müssen, um jegliche Erwartungen zu erfüllen oder die Straßenverkehrsordnung nur noch als elendes Relikt des Knechtens freiheitlichen Vorwärtsdrangs wahrgenommen wird.

Klettern auf Kai

Sophia Schultz und ihre Kinder Luca (7 Jahre), Vivia (7) und Mila (5) jedenfalls nehmen sich wie alle anderen rund drei Dutzend Freunde des Erlebnisbads gerade die Zeit, um endlich wieder die Wasser- oder Saunalandschaft genießen zu können.

Langweilig wird es den Kleinen jedenfalls nicht. Es wird mit einem Ball gespielt oder auf Kai dem Hai herumgeklettert. Eine Dreiviertelstunde Anfahrt aus Malschenberg haben sie auf sich genommen, sagt die Mutter.

„Ich habe absolut gemerkt, dass den Kindern in den letzten Monaten die Bewegung gefehlt hat“, freut sie sich nun auf den heutigen Tag.

Viele Familien kommen ins Spaßbad

Hinter ihnen fällt einem Kind die Obstdose und verteilt sich der Inhalt aus Heidelbeeren, Kiwis und Apfelschnitten auf dem Boden. Die Mutter schimpft nicht und klaubt die Vitaminbomben wieder auf.

Viele Familien sind hier und haben so viele Taschen dabei, als ob sie gleich in einen mehrwöchigen Urlaub starten würden.

Treffpunkt für die Jugend

An der Spitze der Schlange steht allerdings eine siebenköpfige Truppe junger Leute. Vorhin hatten sie Pech, da war die Gesamtkapazität des Bades just in jenem Moment erreicht, als sie an der Reihe gewesen wären. Alle sehen sehr sportlich und durchtrainiert aus.

Der 17 Jahre Emanuel aus Karlsruhe sagt Erstaunliches: „Bei uns hat sich die körperliche Verfassung im Lockdown eher verbessert, weil viele damit begonnen haben, zuhause Kraftsport zu machen oder zu joggen. Dafür hatten wir vorher ja nie die Zeit.“ An der eigens hier stehenden Teststation haben sie sich testen lassen, nun brauchen sie nur noch Geduld.

Lange Warteschlangen

Später wird sich herausstellen, dass sie nach zwei Stunden noch immer nicht drin sind. Zwischendurch kommt Melanie Weber aus dem Bad und informiert die Menschen, dass die Wartezeit sehr lang werden könnte. Schon um 8.15 Uhr hätten die ersten gewartet, ehe um die 10 Uhr geöffnet wurde.

Rund anderthalb Stunden später sei die maximale Besucherzahl von 600 Personen erreicht gewesen. Und da die Gäste zwei, vier Stunden oder noch länger bleiben könnten, seien Prognosen nicht möglich, wie schnell es weitergehe.

Saunagänger sind hart im Nehmen.
Thomas Baumann, Besucher Europabad

Die Wartenden reagieren tatsächlich verständnisvoll. Ein schicksalsergebenes Augenrollen bleibt die bemerkenswerteste Gefühlsregung. Auch Frank Bohnet nimmt es hin. Er möchte in die Sauna und ist aus der Nähe von Baiersbronn extra hierhergekommen.

„Bei uns hat noch nichts offen. Also habe ich mir gedacht, ich probiere es hier“, sagt er freundlich. Und packt sein erstes Vesperbrötchen aus. Vor ihm steht Thomas Baumann aus Karlsruhe: „Das kann heute dauern, denn Saunagänger sind hart im Nehmen und können lange bleiben.“ Alle anderen, die jetzt immer noch warten, werden hart im Stehen oder Sitzen bleiben müssen. Es ist 13.30 Uhr und an der Spitze tut sich noch immer nichts.

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