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Stadtsynode stimmt zu

Evangelische Kirche schließt in den nächsten Jahren sechs Karlsruher Kitas

Die Evangelische Kirche schließt in den nächsten Jahren sechs Karlsruher Kitas, unter anderem die über 150 Jahre alte in der Rüppurrer Pfauenstraße. Der Protest, der sich im Vorfeld der Entscheidung formiert hatte, zeigte keine Wirkung.

Das Aus ist beschlossen: Die Kita in der Pfauenstraße wird in den nächsten Jahren dicht gemacht. Foto: jodo-foto / Joerg Donecker Karlsruhe jodo-foto Karlsruhe

Die Evangelische Kirche in Karlsruhe wird in den nächsten Jahren sechs Kitas mit 8,5 Gruppen in der Weststadt, der Südweststadt und in Rüppurr schließen. Einem entsprechenden Vorschlag der Kirchenverwaltung hat die Stadtsynode am späten Freitagabend nach intensiver Debatte zugestimmt.

Die Schließungen sind Teil eines Sparpakets, zu dem sich die Kirche aufgrund des prognostizierten Mitgliederrückgangs gezwungen sieht. Zudem ist das erklärte Ziel, dass sich der seit Jahren defizitäre Kitabereich mittelfristig selbst trägt. Dass langfristig weitere Kitas zumachen, ist nicht ausgeschlossen.

Bis zum Jahr 2032 würden durch eine Fortführung des bisherigen Kurses allein bei den Kitas Verluste von rund zehn Millionen Euro auflaufen – Investitionen in die Gebäude nicht mitgerechnet. So berichtet es Verwaltungsdirektor Karl-Heinz Honeck am Freitagabend in der Christuskirche.

Mit seinem Team hatte er alle Einrichtungen in den vergangenen Monaten genau unter die Lupe genommen. Es sei darum gegangen, „konkurrenzfähige und finanzierbare“ Kitas zu identifizieren. Neben finanziellen Aspekten seien auch bauliche und pädagogische mit eingeflossen.

Deutliche Mehrheit für das Sparprogramm

Sechs der 44 Einrichtungen landeten bei dieser Analyse unter dem Strich: Zwei in der Weststadt (Hagenstraße und Weinbrennerstraße 23), zwei in Rüppurr (Kraichgaustraße und Pfauenstraße) sowie je eine in der Oststadt (Rintheimer Straße) und der Südweststadt (Vorholzstraße). Die Namen waren im Vorfeld der Entscheidung bereits durchgesickert. In mehreren Kitas gibt es Unterschriftensammlungen gegen die Schließung.

Die zeigten aber ebenso wenig Wirkung wie zwei Anträge aus den Reihen der Synodalen aus der Lukasgemeinde, deren einzige Kita in der Hagenstraße nun geschlossen werden soll sowie aus dem Umfeld der Rüppurrer Kitas. Der Vorschlag wurde unverändert mit 53 Ja- bei neun Gegenstimmen und acht Enthaltungen angenommen.

Handlungsbedarf auch bei weiteren Kitas

Dass die Kirchenvertreter mit sich gerungen haben, erklärte Pfarrer Siegfried Weber stellvertretend für den Stadtkirchenrat. „Wir würden diese wichtige Arbeit alle lieber ausweiten“, sagte er. „Aber es lässt sich nicht leugnen, unsere finanziellen Möglichkeiten sind beschränkt.“ Wenn man nicht handle, werde man die Evangelische Kirche in Karlsruhe an die Wand fahren. Die aktuelle Streichliste ist aus Webers Sicht eher das Minimum, auch wenn er das nur zwischen den Zeilen sagt: „Wir können nur hoffen, dass die hier dargelegten Maßnahmen ausreichend sind.“

Auf der sicheren Seite sind die übrigen 38 Kitas laut Analyse auf Sicht längst nicht alle. Etwa zehn bescheinigt Honeck uneingeschränkte Zukunftsfähigkeit. Einige werden in den nächsten Jahren zu größeren Einrichtungen zusammengelegt, zum Beispiel in einem Neubau im Daxlander August-Klingler-Areal. Dazu kommen laut Verwaltung mehrere Einrichtungen mit „Handlungsbedarf“ und einige, für die es nach 2030 Lösungen brauche.

Kirche hofft auf mehr städtische Unterstützung

Auf der finanziellen Seite sind die beschlossenen Schließungen kein großer Sprung. Insgesamt 160.000 Euro spare man pro Jahr, berichtet Honeck. Allerdings erst, wenn wirklich alle zu sind und das wird dauern. Die ersten schließen frühestens in drei bis vier Jahren, weil aktuelle Kita-Jahrgänge ihre Zeit auf jeden Fall in den Einrichtungen beenden sollen. Zum Schließen der jährlichen Lücke von etwa einer Million Euro wird die Maßnahme also erst perspektivisch einen kleinen Anteil beitragen.

Zum Vergleich: Da die städtischen Zuschüsse für die Mieten nicht ausreichen, verbucht die Kirche allein in diesem Bereich ein Minus von 250.000 Euro pro Jahr. Für ein aktuelles Neubauprojekt verlange etwa die städtische Volkswohnung um einiges mehr pro Quadratmeter, als die Stadt Zuschüsse gewährt, berichtet Honeck. Entsprechend deutlich wird deshalb Dekan Thomas Schalla kurz vor der Abstimmung: „Wir können der Politik nur sagen: Es liegt an Euch, eine Entwicklung zu verhindern, die wir nicht verhindern können.“

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