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Umweltschützer unterwegs

„Extinction Rebellion“ in der Karlsruher City: Mit Geisternetzen im Kampf gegen das Sterben der Meere

Mitten im Trubel des Samstagnachmittags packen Aktivisten Fischernetze aus, präparieren sie und ziehen durch die Kaiserstraße. Sie haben eine Mission. Die Karlsruher beobachten das Treiben gelassen.

Mit Netz gegangen: Aktivisten der Gruppe Extinction Rebellion machen mit Fischernetzen in der Innenstadt auf die akute Bedrohung der Meere aufmerksam. Foto: Jörg Donecker

Der junge Mann kommt mit einem großen Müllsack am Marktplatz an. Nach und nach gesellen sich weitere Menschen zu ihm. Gemeinsam haben sie eine Mission an diesem Samstagnachmittag, und die wollen sie möglichst vielen Karlsruherinnen und Karlsruher deutlich machen.

„Wir leben, weil die Meere leben“, steht auf dem kleinen doppelseitig bedruckten Blatt. Viel größer sind die wichtigsten Utensilien, die die Aktivisten dabei haben und gemeinsam zur Schau tragen: Fischernetze – kein ganz alltäglicher Anblick im Zentrum der Stadt.

„Extinction Rebellion“ in Karlsruhe: Aufstand gegen das Aussterben

„Es ist uns wichtig, die Thematik ins Landesinnere zu tragen“, sagt der junge Mann mit dem Müllsack. Er nennt sich Jens und leitet die Karlsruher Gruppe Extinction Rebellion (XR). „Aufstand gegen das Aussterben“ – so lässt sich dieser englische Begriff übersetzen.

Dahinter verbirgt sich eine internationale Bewegung, die mit spektakulären Aktionen den für das Klima nötigen Wandel herbeiführen will. Dieser Wandel sei notwendig, um das Risiko der Auslöschung der menschlichen Zivilisation und des Kollapses der Ökosysteme zu verkleinern.

Am Samstagnachmittag geht es den Aktivisten darum, ihren Mitbürgern die Müll- und Netzthematik in den Meeren näherzubringen, wie Jens sagt. Vor allem Geisternetze seien ein riesiges Problem. Das sind abgerissene oder gekappte Großnetze, die im Meer herumtreiben und nach Angaben von Extinction Rebellion rund 30 bis 50 Prozent des Plastiks in den Meeren ausmachen. Viele der Netze stammten aus der illegalen Schleppnetzfischerei, bei der Netze über den Meeresboden gezogen werden.

Das Dutzend XR-Aktivisten, das am Samstag vor allem durch die Kaiserstraße läuft, hat an ihren drei Netzen Papierfische und markante Aussagen wie „Die Ozeane kippen“ hängen. Passanten müssen stehen bleiben und ausweichen, bleiben aber badisch-gelassen.

Ein älterer Mann auf dem Marktplatz liest in einem der ausgeteilten Blätter. Er habe die Aktion kaum wahrgenommen, sagt er, „aber die haben ja recht: Was da im Meer herumschwimmt, ist Wahnsinn!“ Die Meere gehörten besser geschützt, findet er. „Lieber Fische im Meer als auf meinem Teller“, sagt Anja Feige, die mit ihrem Mann Steffen die Aktion interessiert beobachtet.

Aktivisten nehmen Verhaftung in Kauf - die droht in Karlsruhe nicht

Mittel zum Zweck ist für Extinction Rebellion oftmals der „Zivile Ungehorsam“. Ein solcher Protest geht über das reine Demonstrieren hinaus. Die Aktivisten nehmen es nach eigener Aussage in Kauf, bei ihren Aktionen verhaftet zu werden. „Dies sein Teil des Ganzen“, sagte Jens kürzlich den BNN. Dafür bestand am Samstag keine Gefahr. Die Aktion war nach Angaben der Gruppe ordnungsgemäß angemeldet.

Vor einem Monat allerdings machte die Karlsruher XR-Gruppe (eine von rund 80 in Deutschland) mit einer unangemeldeten Blockade-Aktion bei der Mineralölraffinerie Oberrhein (MiRO) darauf aufmerksam, dass der russische Konzern Rosneft Anteile an der MiRO besitzt. Die Karlsruher Gruppe besteht nach eigenen Angaben nicht nur aus jungen Leuten, sondern beispielsweise auch aus Eltern, denen es vor allem um Generationengerechtigkeit gehe.

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