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Bundesweiter Aktionstag

Karlsruher Polizei kontrolliert Radfahrer: „Was soll meine Frau da verbrochen haben?“

Die Verkehrspolizei hat beim bundesweiten Kontrolltag „Sicher. Mobil. Leben.“ Karlsruhes Fahrradfahrer in den Blick genommen. In zahlreichen Gesprächen warben die Beamten für mehr Rücksichtnahme und die Einhaltung der Regeln.

Aktionstag: Für mehr Verkehrssicherheit hat die Polizei bei zahlreichen Gesprächen mit Fahrradfahrern geworben. Noch immer seien viele zu sorglos und nicht regelkonform unterwegs, finden die Beamten. Foto: Jörg Donecker

Thomas Heiler und Karl Egner haben ihre Polizeimotorräder hinter der Karl-Apotheke an der Südseite des Stephanplatzes abgestellt. Die Beamten nehmen den Fahrradverkehr ins Visier, der die südliche Waldstraße in Richtung Postgalerie durchquert.

Ein Seniorenpaar radelt energisch auf die kombinierte Ampel für Radler und Fußgänger zu. Während der Mann die Amalienstraße noch bei Grün fahrend überquert, signalisiert die Ampel bereits seit Sekunden Rot, als die Frau sie mit beschwingtem Tempo passiert.

Die beiden Motorradpolizisten sprechen die Radler an und weisen die Frau auf ihr Fehlverhalten hin. Die beiden Senioren reagieren ungnädig und signalisieren Unverständnis für die Ansprache durch die Beamten. Der Herr kann es nicht fassen: „Was soll meine Frau da verbrochen haben?“

Am bundesweiten Aktionstag für mehr Verkehrssicherheit, der am Mittwoch auch in Karlsruhe den Fahrradverkehr in den Blick genommen hat, ist es zu vielen Dutzenden solcher Gespräche gekommen.

„Sicher. Mobil. Leben.“ – so lautete das Motto der Aktion. „Mehr Sicherheit ist das Ziel“, fasst Martin Plate, der Chef der Verkehrspolizeiinspektion beim Polizeipräsidium Karlsruhe die Stoßrichtung zusammen.

Bis zu 700 Rad-Unfälle im Jahr

Gerade in Karlsruhe komme dem Radverkehr eine beträchtliche Bedeutung zu. Im Positiven wie im Negativen: So gab es laut dem Leiter der Verkehrspolizei in den zurückliegenden Jahren im Stadtgebiet jährlich etwa 600 bis 700 Fahrradunfälle.

Vorausgegangen waren dabei oft Verletzungen der Vorfahrtsregeln, aber auch das Fahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung, Rotlichtverstöße oder zu geringer seitlicher Abstand führten zum Sturz. In sehr vielen Fällen verunglückten Radler auch ohne Fremdeinwirkung. Hier gelte es, den Zweiradfahrern aber auch allen anderen Verkehrsteilnehmern die Sinne für potenzielle Gefahren zu schärfen.

Fußgängerzone zu Geschäftszeiten tabu

Genau diese Erfahrung wird gerade dem Studenten Mahmoud Al-Khalifa an der Nordseite des Marktplatzes zuteil. Als er im Sattel seines Mountainbikes die Schienen Richtung Pyramide überqueren will, bitten ihn zwei freundliche Polizeibeamte zum Gespräch. Zu Geschäftszeiten sei das Fahren in der Fußgängerzone verboten, tun sie ihm kund.

Dann gibt es noch Tipps, wie er sein Bike verkehrstüchtiger machen kann. Bei Dunkelheit seien ein batteriebetriebener Scheinwerfer und ein Rücklicht unabdingbar, und Reflektoren in den Speichen wären auch kein Luxus. Anschließend gibt es ein T-Shirt, das für mehr Verkehrssicherheit wirbt, und der junge Biker strahlt. „Ja“, sagt er und bedankt sich artig: „Ich habe verstanden.“

Viele sind interessiert

Die Radler, die die Beamten rund um Marktplatz und Stephanplatz ansprechen, zeigen sich meist interessiert und nach festgestelltem Fehlverhalten auch einsichtig. Wenn sie sich allerdings unbeobachtet fühlten, passierten dennoch manche ungerührt rote Ampeln, oder sausten rücksichtslos eng an Fußgängern vorbei, berichten die Praktiker der Verkehrspolizei aus Erfahrung.

Ein Nummernschild für Fahrräder hält Polizeidirektor Martin Plate dennoch nicht für der Weisheit letzten Schluss. Schließlich würden Räder ja verliehen, was die Suche nach einem Verkehrssünder unverhältnismäßig aufwendig machen könne. Die Verkehrspolizei setzt da lieber auf Gespräche und auf Einsicht.

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