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Ergebnisse am Dienstag

Fahrradklima-Test: Hat Karlsruhe wieder Chancen auf Titel der fahrradfreundlichsten Großstadt?

Am Dienstag zeigt sich, ob Karlsruhe seinen Titel von 2018 als fahrradfreundlichste Großstadt Deutschlands erfolgreich verteidigen kann. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Wettbewerb.

Radverkehr ist im Karlsruher Rathaus zwar immer wieder wichtiges Thema, aber reicht es auch erneut für die Auszeichnung als fahrradfreundlichste Großstadt? Foto: Rake Hora

Alle zwei Jahre bringt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ein Ranking der deutschen Städte heraus, sortiert nach ihrer Fahrradfreundlichkeit. Für den sogenannten Fahrradklima-Test bewerten die Menschen vor Ort die Bedingungen in ihrer Stadt. Der Test wird vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.

Beim letzten Fahrradklima-Test 2018 belegte Karlsruhe den ersten Platz unter den Großstädten. Am Dienstag 16. März, gibt der ADFC bekannt, ob die Stadt diesen Titel erfolgreich verteidigen konnte. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zeichnet dann die fahrradfreundlichsten Städte aus.

Welche Faktoren spielen eine Rolle und was hat sich in Karlsruhe seit der letzten Auszeichnung getan? Unser Redaktionsmitglied Julia Weller beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was wird im Fahrradklima-Test bewertet?

Jede Gemeinde bekommt eine Gesamtnote für ihre Fahrradfreundlichkeit, die aus verschiedenen Kategorien errechnet wird. So geht es beispielsweise um die gefühlte Sicherheit beim Radfahren, um die Qualität der Radwege, die Ampelschaltungen und den Winterdienst. Radfahrer sollen bewerten, ob das Radfahren in ihrer Stadt Spaß macht, ob die Gemeinden streng genug gegen Falschparker vorgehen und wie oft Fahrräder gestohlen werden. Sie beurteilen außerdem die Infrastruktur, die Werbung für das Radfahren und die Qualität von Medienberichten.

Beim Fahrradklima-Test 2020 wurden außerdem Zusatzfragen zur Situation in der Corona-Pandemie gestellt. Vielerorts hat das Fahrrad in der Pandemie als Verkehrsmittel neuen Aufschwung bekommen. Ein Sonderpreis soll daher beispielsweise Leistungen wie Pop-up-Radwege oder kostenlosen Fahrradverleih würdigen.

Wie kommt der ADFC zu seinen Ergebnissen?

Mehrere Wochen lang waren die Menschen in Deutschland aufgerufen, sich im Internet oder per Papierbogen an der Befragung zu beteiligen. Schon vor Ende des Befragungszeitraums meldete der ADFC eine neue Rekordbeteiligung. Außerdem haben mehr Gemeinden als jemals zuvor die mindestens nötige Teilnehmerzahl erreicht, um ins Ranking aufgenommen zu werden. Auch in der Region rund um Karlsruhe sind einige Gemeinden neu dabei.

Aus allen Rückmeldungen auf die insgesamt 27 Fragen mit jeweils sechs Antwortmöglichkeiten berechnet der ADFC die durchschnittliche Note pro Frage, pro Themengebiet und fürs Fahrradklima insgesamt.

Die Gemeinden werden dann anhand ihrer Gesamtnote ins Ranking einsortiert. Dabei treten sie in verschiedenen Ortsgrößengruppen gegeneinander an: mehr als 500.000 Einwohner, 200.000 bis 500.000 Einwohner, 100.00 bis 200.000 Einwohner, 50.000 bis 100.000 Einwohner, 20.000 bis 50.000 Einwohner und Orte mit weniger als 20.000 Einwohnern.

Welche Gemeinden nehmen teil und werden bewertet?

Laut einer vorläufigen Liste des ADFC vom Dezember haben in der Region die Städte und Gemeinden Achern, Appenweier, Bad Schönborn, Baden-Baden, Bretten, Bruchsal, Bühl, Durmersheim, Ettlingen, Friolzheim, Gaggenau, Gernsbach, Karlsruhe, Kehl, Kuppenheim, Malsch, Maulbronn, Mühlacker, Offenburg, Ötigheim, Pfinztal, Pforzheim, Rastatt, Remchingen, Rheinstetten, Sasbach, Sinzheim, Stutensee, Waghäusel, Walzbachtal und Wiernsheim die jeweils nötige Teilnehmerzahl erreicht. Dort haben also genug Menschen ihre Bewertung abgegeben, damit eine aussagekräftige Auswertung erstellt werden kann.

Allerdings hat der ADFC nach Herausgabe dieser Liste zum Teil noch fehlerhafte oder manipulierte Datensätze aussortiert sowie spät eingegangene Papier-Fragebögen eingepflegt. Deswegen kann sich die Teilnehmerzahl noch verringern oder erhöhen. Es ist möglich, dass einzelne Gemeinden dann aus der Bewertung fallen oder hinzukommen.

Wie haben Karlsruhe und die Region beim letzten Mal abgeschnitten?

2018 wurde Karlsruhe als fahrradfreundlichste Stadt ausgezeichnet. Karlsruhe hatte nämlich nicht nur in der Gruppe der Städte zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern gewonnen, sondern mit der Gesamtnote von 3,15 auch besser abgeschnitten als die Spitzenreiter in den anderen beiden Großstadt-Kategorien (Bremen und Göttingen).

Pforzheim gilt traditionell als Verlierer des Fahrradklima-Tests. Mit einer Gesamtnote von 4,55 landete die Stadt vor zwei Jahren auf Platz 37 von 41 in ihrer Ortsgrößengruppe.

Von rund 300 Städten mit 20.000 bis 50.000 Einwohnern hatte Bühl vor zwei Jahren den 37. Platz belegt. Ettlingen war auf Platz 57 gelandet, Achern auf Platz 65, Gaggenau auf Platz 99, Rastatt auf Platz 153 und Bruchsal auf Platz 176. Bretten war mit Platz 295 unter den Schlusslichtern.

Was hat sich seither für den Radverkehr in Karlsruhe getan?

Ein heikles Thema für Fahrradfahrer ist in Karlsruhe stets die Radweg-Führung an Baustellen. Diesen Bereich bewerteten die Karlsruher Radler vor zwei Jahren mit am schlechtesten. Das Problem dürfte sich durch den Komplett-Umbau der Kriegsstraße inklusive ärgerlicher Sperrungen und Umfahrungen am Karlstor und an der Ritterstraße eher noch verschärft haben. Verbesserungspotenzial hätte die Stadt außerdem beim Thema Fahrraddiebstahl.

Die schlechteste Note gab es 2018 aber für den Umgang mit Falschparkern auf Radwegen. Hier hat Karlsruhe reagiert und seine Abschlepp-Richtlinien verschärft allerdings erst nach Ende des Befragungszeitraumes. Eine eventuelle Verbesserung könnte sich also frühestens im Fahrradklima-Test 2022 widerspiegeln.

Gute Noten könnte Karlsruhe aber vielleicht beim Thema Infrastruktur absahnen: Die Planung zweier Radschnellwege, die Ankündigung eines Fahrradparkhauses für die Innenstadt und die dauerhafte Sperrung des Zirkels für Kraftfahrzeuge sind solche Punkte, die Radfahrer zu einer besseren Bewertung bewegen könnten. Auch der Umzug des ADFC in eine eigene Geschäftsstelle und die Durchführung der ersten Rad- und Reisemesse im Tollhaus könnten sich positiv auf die Gesamtnote auswirken.

Wer sind große Konkurrenten im Titel um die fahrradfreundlichste Stadt?

In der Gruppe der Städte zwischen 200.000 und 500.000 Einwohner ist Münster meistens sehr stark. 2018 landete die Stadt auf Platz zwei. Die Gesamtnote von Münster war mit 3,25 nur eine Nachkommastelle schlechter als die von Karlsruhe. Außerdem ist Freiburg normalerweise in den oberen Rängen vertreten.

Bei den ganz großen Städten gibt häufig Bremen den Ton an. Allerdings kommen die Städte mit mehr als 500.000 Einwohnern meistens nicht über eine Note von 3,5 hinaus.

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