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Fastnachter legen coronagerecht los

Karlsruhes Narren starten die Kampagne mit Taufe und Nasenangeln am Brunnen

In Karlsruhe wird wieder geschunkelt: Die Fastnacht startet, trotz Pandemie. So lustig wie möglich gehen es die Narren am Vormittag des 11.11. in der Innenstadt an. Weil der traditionelle Fußmarsch zum Rathaus coronabedingt ausfällt, ziehen die Kappenträger fantasievoll andere Register.

Spritziger Auftakt: Mit Wasser aus dem Narrenbrunnen tauft Karlsruhes Oberfastnachter Michael Maier zum Start der Fastnacht drei neue Vereinspräsidenten, die dazu vor dem närrischen Volk knien. Foto: Jörg Donecker

Rote Schaumstoffbälle schwappen im Brunnenwasser sacht auf und ab. Karlsruhes Oberfastnachter Michael Maier hat 111 knallige Clownnasen in den Narrenbrunnen beim Kronenplatz geworfen.

In regenbogenfarbenen Kostümen leuchten daneben auch die Blechbläser der Dodderdabber wohltuend gegen den vormittäglichen Hochnebel an.

Die überregional bekannten Guggenmusiker aus der Oststadt spielen vor dem Kulturzentrum Jubez auf. Gut 50 versammelte Fastnachter, darunter rund 20 teils hochdekorierte Kappenträger, klatschen im Takt mit. „Helau“ rufen sie, einzelne wagen ein bisschen zu schunkeln.

Dieser Fastnachtsauftakt, dagegen hilft weder das farbige Brauchtum noch flotte Musik, hat Haken und Ösen. Michael Maier, der Präsident des Festkomitees Karlsruher Fastnacht (FKF), hat die Lage und die Laune nach mehr als einem Jahr Übung im Umgang mit den Widrigkeiten dennoch im Griff.

Jetzt geht’s los: Rüdiger Homberg, Ehrensenator des Festkomitees Karlsruher Fastnacht (FKF), setzt zum Start der Fastnachtskampagne seine Narrenkappe auf. Rechts neben ihm steht der ehemalige FKF-Präsident Jürgen Olm. Foto: Kirsten Etzold

Mit lächelnder Miene hält er seine Stegreif-Rede auf dem Brunnenrand, gibt den Zeugen der Narrentaufe den Einsatz und hüllt die Corona-Einschränkungen in launig gereimte Worte.

Nicht jeder teilt die Stimmung, der ausgelassene Brauch bildet in diesem Pandemie-November einen noch härteren Kontrast zum Alltag als sonst. Eine Frau stellt sich mitten in die Runde und protestiert. Sie habe keine Arbeit und keine Wohnung, „und Sie feiern hier Fastnacht?“

Sie zieht dann weiter, vorbei an einer maskierten Karlsruher „Uuhwedder Hex“. Der kräftige Mann lässt den alemannisch inspirierten Glockengürtel klingen, als er seine leere Bierflasche gegen eine volle austauscht.

Auftakt in zwei Akten

Die organisierten Fastnachter um ihre Präsidenten halten ihr Brauchtum gerade in ernster Zeit hoch. Maier lässt die drei Täuflinge Roger Gillock von der 1. KG Daxlanden, René Grünert von der KaGe 04 Durlach und Manfred Rangnick von der MCG feierlich schwören, Tristesse mit Frohsinn zu begegnen.

Ihre „Nottaufe“ besiegelt er mit Brunnenwasser, das er mit einer goldfarbenen Klobürste großzügig auch über die Zuschauer verspritzt. Die Narrenfigur in der Brunnenmitte hält derweil Maiers Narrenzepter.

Farbtupfer: Rote Clownnasen liegen im Narrenbrunnen auf dem Karlsruher Kronenplatz. Foto: Kirsten Etzold

Der Auftakt der Kampagne endet nur vorerst mit der Verleihung des aktuellen Fastnachtsordens. Er zeigt eine flotte U-Bahn mit der Schnapszahlnummer 333, die aus dem Kombitunnel ins Freie rollt. Die Clownnasen werden abgefischt, als Requisit für die Aktiven. Denn der Spaß ist für heute noch nicht vorbei. Am Nachmittag kommen die Narren zurück.

Auf einem abgesperrten Bereich des Marktplatzes zwischen Pyramide und Rathaus lassen sie sich dann von Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) den Rathausschlüssel aushändigen, als Zeichen dafür, dass sie bis Aschermittwoch ihr närrisches Regiment aufrecht erhalten wollen. Was die Infektionszahlen erlauben werden? Das wissen die Fastnachter zur Zeit nicht.

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