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Fotografieren wie die Profis

Die Persönlichkeit im Fokus: Fotografin Andrea Fabry gibt Tipps für Porträts und Gruppenbilder

Aus besonderen Momenten schöne Fotos zu machen, gelingt nicht jedem. Dabei ist es oft gar nicht so schwer. Expertin Andrea Fabry gibt Tipps, wie man Menschen ansprechend in Szene setzt.

Familienbande: Das Gruppenfoto transportiert auch die Nähe und die Zuneigung der vier. Foto: Andrea Fabry

Greta schaut ihre Betrachter mit weit offenen Augen und mit einem verschmitzten Lächeln an. Ihre Hände hat sie vor dem Kinn zusammengelegt, die Finger sind in Bewegung. Sie wirkt offen, energievoll, an ihrem Gegenüber interessiert. Man sieht nicht nur eine Frau mit weißen Haaren - man sieht eine Persönlichkeit.

„Die heutigen Smartphones und Kameras machen aus allem ein brauchbares Bild. Allerdings wird mit der Automatik alles beliebig, und wir geben das bewusste Fotografieren aus unserer Hand“, findet Andrea Fabry. Dabei brauche es für ein natürliches Porträt nicht einmal viel.

Zur Serie

Das Hobby Fotografieren steht hoch im Kurs – aber viele Leute knipsen nur wild darauf los. Dabei ist es oft gar nicht so schwer, auch mit Kompaktkamera oder Smartphone ordentliche Bilder zu machen. In der neuen Serie „Fotografieren wie die Profis“ gibt Andrea Fabry Tipps für gelungene Porträts und Gruppenfotos. Menschen mit ihren Besonderheiten einzufangen, ihre Persönlichkeit zu zeigen, das ist einer der Schwerpunkte der selbstständigen Fotografenmeisterin.

Sprechen!

Eines ihrer wichtigsten Werkzeuge neben ihrer Kamera ist die Sprache. „Kommunikation ist wichtig. Mit unserer Sprache gehen wir in Interaktion - und nur so kann ich Emotionen und die Persönlichkeit darstellen“, erklärt sie. Ihr erster Tipp also: sprechen!

Offen, energiegeladen, interessiert: Ein Porträt wie das von Greta zeigt im Idealfall die Persönlichkeit. Foto: Andrea Fabry

Ins richtige Licht

Bei weichem Tageslicht kann Greta ihre Augen weit öffnen. „Sie wohnt in einem herrlich gemütlichen Fachwerkhaus. Im Untergeschoss dominiert Kunstlicht. Deshalb habe ich mich für das großzügige, hellere Obergeschoss entschieden“, schildert Andrea Fabry. Sie positionierte Greta in Fensternähe, der einzigen Lichtquelle.

„Ich hatte Glück“, bekennt die Fotografin. „Es war ein bewölkter Tag. Wolken sind wie eine Softbox: Sie machen das harte Sonnenlicht weich.“ Wer draußen fotografiert, sollte sich daher Schattenbereiche suchen. „Schatten bedeutet gestreutes und somit weiches Licht - und damit wieder weiche Schatten“, erklärt sie. Dazu komme: Wenn wir in der Sonne stehen, machen wir automatisch die Augen kleiner.

Bei Gretas Augen kam zum positiven Effekt des weichen Lichtes der weiße Fensterreflex im Augapfel. „Mit dieser Spiegelung werden die Augen frisch und lebendig“, findet Andrea Fabry.

Positionierung und Raum

Etwas im Halbprofil und mit dem weichen Licht von der Seite, bleibt Gretas linke Gesichtshälfte dunkel. „Damit wirkt das Gesicht plastischer und schmaler“, erklärt Andrea Fabry, wieso sie diese Position gewählt hat. Den kleinteiligen Hintergrund machte sie durch eine offene Blende unscharf und damit ruhiger.

Bewusst ließ sie auch einen Kerzenständer im Vordergrund stehen - Greta ist damit in einen unscharfen Vorder- und Hintergrund eingebettet. „Positionierung und Raumwahl musste ich dem natürlichen Licht unterordnen“, sagt die Fotografin. Wenn sie mit professioneller Blitztechnik arbeitet, ist sie bei der Gestaltung frei.

Das Alltägliche wird zum Besonderen

Die klassische Gruppenaufnahme von Dorothea und ihrer Familie ist ebenfalls nichts, was nebenbei entsteht. Schließlich soll hier das Alltägliche zu etwas Besonderem werden, das es vielleicht an die Wohnzimmerwand schafft und eben nicht wie unzählige weitere Fotos in einem digitalen Archiv verschwindet.

Dieses Foto wird geplant, und alle bereiten sich auf das Shooting vor. Selbstredend ist der Zeitpunkt wichtig - der Schlafrhythmus des Kleinkindes musste bei der Planung berücksichtigt werden. Das Shooting soll Spaß machen, einen Erlebniswert haben, Begegnung sein, so Andrea Fabrys Philosophie.

Gerne nach draußen

Eigentlich macht sie Gruppenaufnahmen am liebsten draußen. „In der Natur, auf Spielplätzen oder auch mitten im Stadtambiente lassen sich Gruppen wunderbar fotografieren, weil ich Menschen in Interaktion zum Umfeld bringe“, erklärt sie. Zur kalten Winterzeit aber sieht man vor lauter dicker Kleidung oft nur die Gesichter, daher sollte das Foto von Dorothea und ihrer Familie in der Wohlfühlatmosphäre der Wohnung entstehen.

Ihre Kriterien für die Wahl der Shooting-Ecke: Genug Platz für den Aufbau der Szene, der Hintergrund soll hintergründig bleiben, also nicht zu bunt oder kleinteilig sein. Und das gestreute Licht von der Seite ist weiches Licht.

Zur Raumaufhellung nutzte die Fotografenmeisterin es für das Gruppenfoto; ihre Hauptlichtquelle war ein Aufsteckblitz. Diesen setzte sie „entfesselt“ ein, also nicht auf dem Blitzschuh der Kamera, sondern frei im Raum positioniert.

Die Köpfe zusammen

Wie positioniert man vier Menschen? „Ich rücke die Menschen zusammen - mein Bestreben ist dabei, allen gleich viel Raum zu geben“, sagt Andrea Fabry. Die Unterschiede der Erwachsenen einer Gruppe sollten zwar immer zu sehen sein, unterstreichen möchte sie diese aber nicht. Korpulente Menschen positioniert sie oft leicht eingedreht, da dies etwas Breite nimmt. Wichtig sei, dass die Köpfe zusammen sind.

Fotografin Andrea Fabry. Foto: Fabry

„Oft lasse ich mich beim Ordnen auch vom meinem Gegenüber inspirieren“, sagt sie . Bei Dorothea und ihrer Familie gab die Zeichnung der Familie im Hintergrund eine schöne Zusammenstellung vor - und verleiht dem Werk auch eine besondere Wirkung. Ohnehin mag Andrea Fabry bei Familienbildern Berührungen, da sie die Verbundenheit und Zuwendung zeigen.

Bei Dorotheas Familienbild mit den Kindern auf den Schultern, dem gegenseitigen Festhalten und auch der Nähe zwischen den Eltern und den Geschwistern ist die Zusammengehörigkeit eindeutig.

Ehrlich und authentisch

Wenn jeder seine Position hat, die Szene also steht, muss sie gelebt werden. Natürlich wieder mit Kommunikation. „Sie schafft Stimmung und erklärt Posen“, so Andrea Fabry. Auch bei nervösen Models hilft das Gespräch. „Ich brauche die Präsenz der Menschen“, nennt sie eine Voraussetzung ihres Tuns.

Der Ausdruck der Personen müsse dann aber nicht das super Smiley-Gesicht sein. „Ich habe auch nicht den Anspruch, dass alle in die Kamera schauen“, erklärt sie. „Für mich ist es wichtig, dass es ehrlich und authentisch ist.“

Zur Person



Andrea Fabry ist seit 1997 selbstständige Fotografenmeisterin. Ihre Themen sind vor allem Menschen und Architektur. Zudem arbeitet sie als Pressefotografin und in der Businessfotografie. Ihr erstes Social-Art-Projekt realisierte sie 2019 in Ettlingenweier: Sie porträtierte 53 Menschen, die anderen Zeit schenken und fragte dabei nach ihren Beweggründen und ihrem Verständnis von Glück.

Seit der Corona-Pandemie widmet sie sich auch experimentellen Projekten. Alle Infos gibt es auf ihrer Internetseite www.foto-fabry.de

Andrea Fabry arbeitet mit einer Canon EOS 5ds im manuellen Modus und verwendet für Porträts ein Canon Objektiv mit 85 Millimetern Festbrennweite.

Die Daten für Gretas Porträt: Blende 2,2, Verschlusszeit 1/60, Lichtempfindlichkeit ISO 800. Fürs Gruppenfoto (Zeit 1/125, ISO 400, Blende 9) war ein Canon Zoomobjektiv mit 24-70 Millimetern im Einsatz.

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