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T-Shirt-Wetter

Frühlingserwachen in Karlsruhe: Die Sonnenbrille läuft der Maske etwas den Rang ab

Sonnenhungrige und Ausflügler haben das warme Wochenende in Karlsruhe ausgiebig zu Radtouren und Freiluft-Siestas genutzt. Besonders beliebt war als Ziel das Rheinufer. Dabei kam es laut Polizei zu keinen größeren Problemen mit der Einhaltung der Corona-Regeln.

Bei blauem Himmel und zweistelligen Plus-Temperaturen zog es viele Karlsruher in den Sonnenschein. Foto: Jörg Donecker

Der achtjährige Yannik umrundet mit seinen Inlinern zum sechsten Mal im Eiltempo die Pyramide. Die Eltern haben auf einer nahen Bank Platz genommen und den Inhalt einer McDonald’s-Tüte zwischen sich verteilt.

„Gib Acht, dass Du nicht hinfällst“, ruft gestenreich der Vater. Dabei stößt er gegen seinen Pappbecher. Das Kaltgetränk ergießt sich über die hölzerne Sitzgelegenheit.

T-Shirt-Wetter in Karlsruhe. Dort, wo vor dem Schloss noch vor wenigen Tagen zentimeterhoch der Schnee lag, lagern jetzt kleine Gruppen von Müßiggängern und Sonnenbrillen-Trägern. Die wenigsten tragen Maske.

„Bei dem Wetter muss man einfach raus“, meint Mirko Stankiewiecz. Zur Begründung schiebt er etwas von seelischer Gesundheit nach. In den eigenen vier Wänden möge es zwar sicherer sein, meint er mit Blick auf die Virus-Gefahr. Aber immer gehe das eben nicht.

„Schon gar nicht bei dem Wetter.“ Seine Freundin Natalie sieht es ähnlich. Der Mensch brauche die Sonne – schon, um keinen Vitamin-D-Mangel zu erleiden.

Kurze Hosen und Leibchen

Am Sonntag ist es auf der Kaiserstraße zeitweise voller als zu den aktuellen Lockdown-Zeiten unter der Woche. Eistüten sind stark gefragt.

Auf der Wiese nördlich des Schlossturms fliegen Badminton-Bälle und Frisbees; die Hobbysportler tragen Shorts und luftige Leibchen. Auf dem Fußweg nach Osten Richtung Adenauerring marschiert ein älteres Ehepaar, einen schwarzen Labrador an der Leine. Beide tragen sie schwere Wollmäntel nebst Kopfbedeckung und FFP-2-Masken.

„Die Übergangsjacke hätte es auch getan, gibt die Dame zu verstehen. Für die jungen Leute, die man fast samt und sonders ohne Mund-Nasenschutz antrifft, hat sie kein Verständnis. Leichtsinn sei das und unsolidarisches Verhalten gegenüber der älteren Generation.

Oft geht es eng zu

Nicht viel anders ist das Bild an diesem Wochenende in der stark als Ausflugsziel genutzten Günther-Klotz-Anlage. Zeitweise geht es auf dem Weg entlang der Alb so eng zu, dass die Flaneure im Gegenverkehr den Mindestabstand von 1,50 Metern kaum einhalten können.

Radler, Skater, Jogger, Spaziergänger – es wird gehustet und laut gesprochen. Und irgendwie, so scheint es, schließen sich Sonnenbrille und Gesichtsmaske grundsätzlich gegenseitig aus.

„Vom Eise befreit sind Flüsse und Bäche...“, zitiert Mathilde Jörger aus Goethes Osterspaziergang, als sie den Kühlen Krug passiert. Das passe, obschon gerade erst die Fastenzeit begonnen habe. Als die Seniorin bei der Textzeile „Im Tale blühet Hoffnungsglück“ angelangt ist, hält sie kurz inne.

Dann gibt sie sich als Optimistin zu erkennen: Natürlich habe sie Hoffnung, dass die Krise bald vorüber sei. Denn einen Corona-Sommer – den könne sie sich nun wirklich nicht vorstellen.

Biergartenwetter

Eigentlich wäre ja Biergartenwetter, meint Youngna Nguyen Kim, die sich mit ihrem Begleiter auf den Stufen der Großherzoglichen Grabkapelle nahe dem Klosterweg niedergelassen hat. Aus ihrem Rucksack fördert sie belegte Brote und Schwarzwälder Bier zutage. Auch eine Thermoskanne mit Kaffee hat sie dabei.

Die gebürtige Südkoreanerin mit dem Pedelec ist eine der Wenigen, die an diesem sonnigen Sonntag eine FFP-2-Maske trägt. Als sie die Brotzeit beendet hat, zieht sie den Virusschutz gewissenhaft wieder vors Gesicht. In ihrer Heimat, sagt sie, habe man schon vor Jahren solche Masken getragen.

Auf Flughäfen beispielsweise oder in der Stadt bei staubträchtiger Inversionswetterlage. „Ich merke schon gar nicht mehr, wenn ich eine Maske trage.“

Polizei: Keine großen Probleme

Dass Virologen und Politiker vor wieder steigenden Inzidenz-Werten warnen und Virus-Mutanten auf dem Vormarsch sehen – davon ist das Lebensgefühl auf den Grünflächen und in den Fußgängerzonen von Karlsruhe an diesen Februar-Wochenende weit entfernt.

Man sieht Kleintrupps von behelmten Rennradfahrern zwischen Hagsfeld und Grötzingen strampeln, Motorradfahrer haben ihre Maschinen aus dunklen Garagen gerollt und zum Leben erweckt, und am Rheinufer zwischen Yachthafen und Hofgut Maxau ist zeitweise kein Parkplatz zu bekommen.

Eine hohe Frequenz an Ausflüglern bestätigt später auch die Polizei. Immer wieder rollen Streifenwagen durch die Fußgängerzone und den Schlossgarten, immer wieder sind die Beamten auch am besonders stark frequentierten Rheinufer unterwegs. Zu größeren Problemen sei es aber nicht gekommen.

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