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Wie geht es nach dem Teil-Lockdown weiter?

Gastronomiebetriebe und Freizeiteinrichtungen in Karlsruhe hoffen auf Novemberhilfe des Staates

Die Infektionszahlen sind weiterhin hoch. Lockerungen nach dem November-Lockdown sind wohl nicht in Sicht. Auch die Gastronomiebetriebe und Freizeiteinrichtungen in Karlsruhe machen sich wenig Hoffnungen.

Neueröffnung trotz Corona: Betriebe, wie hier das „Fernweh“, die während der Krise ihren Neuanfang gewagt haben, haben es besonders schwer, Fuß zu fassen. Sie hoffen auf Normalität. Foto: Jörg Donecker

Seit rund zwei Wochen gilt bundesweit der November-Lockdown: Gastronomie- und Kulturbetriebe bleiben geschlossen, soziale Kontakte sollen wieder mehr eingeschränkt werden, die Maskenpflicht wurde vielerorts ausgeweitet.

Teil-Lockdown jetzt „viel schlimmer“

Am Montag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer ein erstes Zwischenfazit zu den erneut strengeren Maßnahmen ziehen. Lockerungen werden aller Voraussicht nach aber kein Thema sein.

„Ich erwarte nicht, dass wir im Dezember wieder aufmachen“, sagt Roxani Majou vom Restaurant Sokrates in der Südweststadt. Gut gehe es ihr damit nicht, denn der Teil-Lockdown sei „viel schlimmer“ als der erste im Frühjahr. „Die Leute kommen nicht“, erklärt sie. Das Geschäft mit dem Abholservice laufe nicht gut. „Vielleicht sparen die Leute für Weihnachten“, vermutet sie.

Verständnis hat die Restaurant-Betreiberin dennoch für die Corona-Auflagen. Wie es weitergehen soll, weiß sie nicht. „Wir warten immer noch auf Hilfe“, sagt sie. Doch die vom Staat angekündigte Novemberhilfe lasse auf sich warten. Bis jetzt habe sie noch nichts Offizielles erhalten.

Neustart unter schwierigen Umständen

Ähnlich sieht es auch Karzan Suleiman. Er ist Mitinhaber des „Fernweh“ in der Kaiserstraße, das während der Corona-Krise im August eröffnet hat — ein Neustart unter besonders schwierigen Umständen. Auch er hält die Corona-Maßnahmen für gerechtfertigt. „Aber auch wenn alles geöffnet ist, haben momentan trotzdem viele Menschen Angst zu kommen“, erklärt er, warum die Gastronomie während der Krise mit und ohne Lockdown Umsatzeinbußen hat.

Die Fluktuation von Passanten aus der Innenstadt habe schon vor dem zweiten Lockdown zugenommen. Die Kunden gingen in einen Laden und dann wieder nach Hause — Bummeln habe derzeit für viele keinen Reiz. „Es ist unfair, wenn es erst Hilfen gibt, wenn alles geschlossen ist“, meint Suleiman. Er habe durch weitere Standbeine glücklicherweise „einen langen Atem“. „Denn Normalität wird es so schnell nicht geben“, ist er sich sicher.

Es bleibt wohl aufgestuhlt: Die Gastronomen in Karlsruhe haben wenig Hoffnung, dass es nach dem November-Lockdown wieder zum Tagesgeschäft über geht. Foto: Jörg Donecker

Eingestellt auf weitere Wochen Schließzeit

„Die Erwartungen und Hoffnungen für den Montag sind nicht hoch“, sagt Herbert Born vom Filmtheater Schauburg in der Südstadt. Er stelle sich auf ein paar weitere Wochen Schließzeit ein. „Die Lage hat sich ja seit Anfang November nicht grundlegend verändert“, sagt er. Jetzt wieder alles zu öffnen, wäre deshalb auch nicht vertretbar. Filmstarts seien bereits von Dezember in den Januar verlegt worden.

Auch Born hat Überbrückungshilfen beantragt. Aus „guten Zeiten“ seien Rücklagen da, mit denen er eigentlich den Boden und die Stühle im Großen Saal erneuern wollte. Das muss nun warten. Er hofft, dass zumindest im nächsten Winter wieder alles normal läuft.

Alleingelassen mit dem Baby

Silke Rechlin bietet in ihrem Mama-Baby-Raum in der Weststadt Kurse für Schwangere und Mütter mit Baby und Kleinkindern an. Viele der Kurse können online stattfinden. Eine gute Alternative, denn „es werden wohl mehr Einschränkungen als weniger“, sagt Rechlin. Die Hoffnung bestehe darin, dass es wenigstens so bleibe, wie es aktuell ist.

Denn im Rahmen der Familienbildung dürften wenigstens einige Kurse für Mütter mit Babys mit wenigen Teilnehmern stattfinden. „Viele Frauen fühlen sich mit Baby allein und allein gelassen“, erzählt sie. Sie hoffe gerade für diese Frauen, dass die Kurse nicht weiter eingeschränkt werden.

Julia Reppner vom Yoga-Studio YogaKula in der Südweststadt würde sich gerne positiv überraschen lassen. „Aber das wird bis Mitte Januar so weitergehen“, vermutet sie. Außer einer Lockerung für Weihnachten im Privaten kann sie sich keine weitere Entspannung vorstellen. Auch sie bietet Online-Kurse an. „Aber davon kann man nicht überleben“, sagt Reppner. Denn gerade das Geschäft im Winter sei für sie wichtig, wenn die Menschen draußen keinen Sport machen könnten.

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