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Feierstunde zum 50. Geburtstag

Goldenes Jubiläum für die Karlsruher Synagoge

Bei der Feierstunde zum 50. Geburtstag der Karlsruher Synagoge war schon die Gästeliste ein Statement: Mit dabei waren Bundes- und Landtagsabgeordnete, viele Gemeinderäte, der Generalbundesanwalt und die baden-württembergische Kultusministerin.

Prominenter Gratulant: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sprach am Sonntagnachmittag in der Karlsruher Synagoge. Foto: Jörg Donecker

Mit einem Festakt hat die Jüdische Kultusgemeinde das 50-jährige Bestehen ihrer Synagoge in der Karlsruher Nordstadt gefeiert. Die Entwicklung der Gemeinde sei eine „Erfolgsgeschichte“, betonten die Festredner. Sie sei fest in die Stadtgesellschaft integriert. Gleichzeitig fand der ein oder andere mahnende Worte. Die Bedrohung jüdischen Lebens nehme in dieser Zeit wieder zu.

„Die äußeren Gegebenheiten sind in 50 Jahren nicht leichter geworden“, so Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden. Zur Bedrohung von rechts habe sich Islamismus gesellt. „Auch die sozialen Medien spielen eine ungute Rolle. Sie tragen erheblich zur Radikalisierung bei.“

Das Verständnis für religiöse Gemeinschaften nehme ebenso ab wie das historische Wissen. „Nun stehen wir vor einer Bundestagswahl, bei der wir uns fragen, wie die AfD abschneiden wird“, so Schuster.

Uneingeschränkte politische Unterstützung versprach die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne). „Wir werden nicht mit ansehen, wie Juden an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden“, sagte sie. Ihr Ressort fördere Verständnis und Erinnerung auf verschiedenen Wegen. Die jüdische Geschichte in Karlsruhe habe die Kultur der Stadt geprägt.

Mentrup bringt zweiten Standort in zentraler Lage ins Gespräch

Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) bezeichnete die 50 Jahre alte, unter Denkmalschutz stehende Synagoge als „architektonisches Juwel“, wichtiger sei aber deren religiöse und soziale Bedeutung. Die Stadtgesellschaft dürfe nie vergessen, dass dem Neubau die Zerstörung der beiden ehemaligen jüdischen Gotteshäuser in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 vorausgegangen sei.

Dass schon wenige Monate nach Kriegsende, am 7. Dezember 1945, drei Dutzend zurückgekehrte Juden ihre Gemeinde neu gründeten, sei erstaunlich. „Es war ein ungeheuerlicher Akt des Vergebens und der Gnade“, so Mentrup.

Das Karlsruher Stadtoberhaupt brachte zugleich einen „zweiten Standort jüdischen Lebens“ ins Gespräch, wohl wissend, dass sich die Gemeinde vergrößern möchte. Er denke an eine „zentralere Lage, in der etwa ein Kindergarten entstehen könne“.

Gemeinde ist auf 900 Mitglieder angewachsen

Etwas höher fliegen die Träume von Rami Suliman. Eine jüdische Grundschule würde er gerne bauen, ließ der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden wissen. Ganz oben auf der Wunschliste steht aber eine Mikwe, ein rituelles Tauchbad. „Die sei dringend notwendig. Auch mehr Raum für Kinder und Senioren stelle man sich vor. Die Synagoge müsse „ein zweites Zuhause sein und den Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen“, so der Badische Landesrabbiner Moshe Flomenmann.

Ursprünglich war die Synagoge mit Gemeindezentrum auf 200 Mitglieder ausgelegt. Seitdem ist die Jüdische Kultusgemeinde Karlsruhe allerdings vor allem durch den Zuzug von Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion auf rund 900 Mitglieder gewachsen, berichtet die Vorsitzende Solange Rosenberg. Doch auch sie ließ den feierlichen Worte nachdenkliche folgen. Sie bedankte sich bei der Polizei, „die wir für religiöses und sonst geregeltes Leben leider mehr denn je an unserer Seite brauchen“.

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