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Vor Ostern nimmt Nachfrage nach Eiern zu

Der Eiermann aus Karlsruhe-Grötzingen hat keine eigenen Hühner mehr

Eier braucht die Großstadt, reichlich und zu Ostern noch mehr. Ein darauf spezialisierter Grötzinger Landwirt erzählt, auf welchen Wegen das begehrte Lebensmittel heutzutage nach Karlsruhe, in die Küche und auf den Tisch kommt.

Fachmann mit Händchen: Der Grötzinger Landwirt Matthias Götz hat sich auf die Lieferung von Eiern für die Großstadt spezialisiert. Foto: Jörg Donecker

Drei Steigen rohe Eier mit weißer Schale hat Matthias Götz vor sich stehen. Geübt greift der Frischei-Spezialist aus Grötzingen in seiner Packstation die rundlichen Rohlinge und setzt sie in Zehnerkartons. Rechts stapeln sich auf geformter Pappe hartgekochte, bunt gefärbte Eier. Mal 8.000, mal 10.000 Eier pro Woche gehen so durch die Hände des Landwirts, während gegenüber Tennisbälle mit sattem Plopp auf den Platz des TC Grötzingen südlich des Baggersees prallen.

Vor zehn Jahren piepsen noch Küken, gackern Junghühner und zeitweise bis zu 10.000 Legehennen im Hühnerstall hinter dem Haus. Das ruft radikale Tierschützer auf den Plan. Zweimal gibt es Einbrüche in den Stall der Landwirtsfamilie an der Bruchwaldstraße.

Gegner der damaligen Käfighaltung schreiben „Mörder“ auf eine Stallwand und den Hofladen. „Von Freilandhaltung war damals noch kaum die Rede“, sagt Götz. Aber die Umstellung auf Bodenhaltung ist das große Thema.

Ausstieg statt Stallneubau

Das Landwirtsehepaar ist drauf und dran, mehrere 100.000 Euro in die Modernisierung der Legehennenhaltung zu stecken. „Außer der Hülle hätten wir alles neu gemacht“, erinnert sich der Profi. Es kommt anders. Der Stahlpreis geht durch die Decke, die Stallbaukosten damit auch. „Wir fragten uns: Was, wenn es sich weiterdreht? Wenn die Bodenhaltung plötzlich auch nicht mehr so gefragt ist?“, erklärt Götz.

Ich kenne alle meine Eierproduzenten.
Matthias Götz, Grötzinger Landwirt und Händler

Zu der Zeit experimentieren Eierproduzenten im Badischen auch mit ersten Mobilställen. Der Landwirt am Rand der Großstadt probiert einen anderen Weg. „Es war ein gewagter Schritt“, sagt er heute noch.

Götz setzt damals voll auf sein Fachwissen, seine Vernetzung mit Kollegen und auf den Kundenstamm. Das sind Metzger und Bäcker, aber auch Kantinenchefs, die Eier verarbeiten oder weiterverkaufen. Es sind Käufer direkt auf dem Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz, zudem viele Abnehmer in Hotels, Restaurants und Cafés. Der Landwirt wird zum Frischei-Lieferanten ohne eigene Hühner.

Das frische Ei in Schale ist gefragt

Spaziergänger und Städter, die sich für den Verkauf landwirtschaftlicher Produkte ab Hof interessieren, kennen Karlsruher Eierproduzenten. Am Gut Werrabronn zwischen Grötzingen und Weingarten legen die Hühner von Hanna Stegili Eier, die Hagsfelder Familie Beideck hält Legehühner, in den Rüppurrer Wiesen tut das die Landwirtsfamilie Becker. Außerhalb der Stadtgrenzen sieht man weitere Legehennen auf umzäuntem Gelände scharren, wenn nicht wie derzeit die Vogelgrippe drohend über dem Land schwebt.

Im urbanen Raum übersteigt die Nachfrage nach dem frischen Ei ganz in Schale die Produktion um ein Vielfaches. „Vor Ostern nimmt der Konsum nochmal spürbar zu“, stellt Götz fest. So kooperieren Erzeuger, auch der Grötzinger war früher zugleich Selbstvermarkter und Händler, die Grenzen sind fließend. Die allwöchentlich zu Tausenden bei ihm bestellten frischen Eier erhält Götz von wenigen, immer gleichen Betrieben.

Niemand verzichtet auf sein Ei

„Die Branche ist eindeutig schön“, findet der Landwirt. Zu einem Hühnerhalter im Steinig bei Langensteinbach hat er besonders guten Kontakt, man kooperiert je nach Produktion und Nachfrage.

Ein wichtiger Lieferant hält Hühner auf den Fildern, ein anderer bei Eppingen. „Ich habe nur Eier aus Baden-Württemberg“, sagt Götz, und: „Ich kenne alle meine Eierproduzenten.“

Neuerdings ziehen Mitgliedsbetriebe der Vermarktergemeinschaft auch Hähne auf, mit zusätzlichen Kosten. „Das zu kompensieren, kostet uns drei bis vier Cent pro Ei“, berichtet der Eiermann. Exakt diese Summe gebe er per Preisaufschlag weiter. Ein Schild informiert die Kundschaft, die reagiere positiv: „Von 99 Prozent kommt Zustimmung. Mancher nimmt dann eine kleinere Größe, aber niemand verzichtet auf sein Ei.“

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