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Jahresrückblick – Juli bis September

Karlsruher Grünen-Abgeordnete Zoe Mayer ist im Bundestag angekommen

Mit 26 Jahren ist Zoe Mayer als Grünen-Abgeordnete für Karlsruhe in den Bundestag eingezogen. Besonders für den Tierschutz möchte sie sich einsetzen. Beim Thema Nachhaltigkeit hat der Bundestag als Arbeitsplatz für sie noch einiges nachzuholen.

Bei der Bundestagswahl im September holte Zoe Mayer von den Grünen das Karlsruher Direktmandat. Foto: Grüne im Bundestag/S. Kaminski

Zwischen den Jahren einfach mal nichts machen? Für Zoe Mayer ist das keine Option – obwohl 2021 für sie wahrlich vollgepackt war: Parallel zur Promotion am KIT zu Fragen der Energiewirtschaft und dem Fraktionsvorsitz im Gemeinderat kämpfte die 26-Jährige im Bundestagswahlkampf um Stimmen.

Mit Erfolg: Erstmals in der Geschichte ging im September das Karlsruher Direktmandat an die Grünen. Ingo Wellenreuther, der das Ticket bis dahin für die CDU innehatte, verpasste damit den neuerlichen Sprung nach Berlin. Dort richtet sich nun Mayer ein, im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Nachfolgerin der nicht mehr angetretenen langjährigen Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl kam die ersten Wochen bei einem Freund unter. „Nun habe ich eine Wohnung in Mitte gefunden, ich hatte wirklich Glück“, erzählt die Abgeordnete. Kisten auspacken steht jetzt also an. „Außerdem will ich weiter an meiner Promotion arbeiten.“ Die Weihnachts-, aber ebenso die Sommerferien und die Wochenenden will sie für dieses Projekt nutzen.

Dienstwägen statt Leihräder: Bundestag für die Karlsruherin nicht nachhaltig genug

Aus dem Gemeinderat ist Mayer inzwischen ausgeschieden. Sie konzentriert sich auf ihre Arbeit in Berlin. Und absolviert dort so manchen langen Tag. „Morgens komme ich um 8 Uhr ins Büro. Die letzte Besprechung geht dann oft bis 20 oder 21 Uhr, danach erledige ich Dinge, zu denen ich den Tag über nicht kam, Mails checken zum Beispiel. Das ist schon ein eigener Kosmos hier.“

Nachhaltigkeit wird einem nicht immer leicht gemacht.
Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete

Einige Dinge in dieser Bundestags-Welt kann Mayer nicht nachvollziehen. Veganes Essen sehe das hausinterne Catering nicht vor, außer donnerstags, da sei Veggie-Tag. „Und vor der Tür stehen ständig Fahrer mit Dienstwagen bereit. Aber wir können mit unserer Bahnkarte nicht die U-Bahn nutzen. Es gibt auch keine Bundestags-Leihräder. Nachhaltigkeit wird einem nicht immer leicht gemacht.“

Den Chauffeur hat Mayer bisher nicht in Anspruch genommen. „Ich nutze Nextbike. Aber das kann man in Berlin nur an festen Stationen zurückgeben. Vor dem Bundestag gibt es leider keine.“ Ein Radkauf ist nun ein Thema. Wobei Mayer von Kollegen weiß, denen ihr Drahtesel schon mehrfach geklaut wurde. Ihn also wie Cem Özdemir mit ins Plenum nehmen? Mayer lacht. „Vielleicht ist das der Weg.“

Im Ausschuss für Landwirtschaft kann Mayer am Herzensthema Tierschutz arbeiten

Ihr endgültiges Büro wird Mayer wohl erst im Februar beziehen. Übergangsweise hat sie sich bisher eingerichtet. Und die Abgeordnete hat gelernt, dass Bürokratie zum Alltag gehört. „Ich musste Anträge ausfüllen, damit ich meine Mails am Handy lesen darf. Auch dafür, dass meine Mitarbeiter mir Termine im Kalender eintragen dürfen.“

Mayer ist glücklich, wenn sie bald in die eigentliche Arbeit eintauchen kann. „Ich freue mich, dass ich als ordentliches Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft an meinem Herzensthema, der Tierschutzpolitik, aktiv mitarbeiten werde“, sagt die junge Abgeordnete. Dieses Thema brachte sie als Teenager zu den Grünen.

Besonders der Umbau der landwirtschaftlichen Tierhaltung und eine Strategie für weniger Tierversuche in der Forschung stünden nun im Fokus ihrer Arbeit. Mit Özdemir als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft und weiteren erfahrenen Kollegen wolle sie in den kommenden Jahren für einen anderen Umgang mit Tieren kämpfen, kündigt Mayer an.

In den Ausschüssen für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen sowie für Klimaschutz und Energie wird sich Mayer als stellvertretendes Mitglied einbringen und will Akzente setzen, die auch in die Region Karlsruhe wirken sollen. Selbst wenn sie jetzt in Berlin ihre eigenen vier Wände hat, will sie ihre Wohnung in Karlsruhe und den Kontakt dahin nicht aufgeben. „Karlsruhe ist meine Heimat“, stellt sie klar.

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