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Karlsruher Kultflohmarkt

Hat der Pfennigbasar in Karlsruhe eine Zukunft?

Einen Winter ohne Pfennigbasar soll es für die Schnäppchenjäger in Karlsruhe und der Region nicht ein zweites Mal geben. Die Damen vom Internationalen Frauenclub kämpfen trotz Corona und Kostenexplosion für die Karlsruher Wohltätigkeitsveranstaltung.

Schnäppchenjagd: Der Pfennigbasar hat in Stadt und Region eine riesige Fangemeinde. Der Publikumsmagnet zieht traditionell im Januar die Massen in die Schwarzwaldhalle. Foto: Jörg Donecker

Wenn das neue Jahr in Karlsruhe beginnt, freuen sich viele Menschen auf die nächste Bescherung: Der Pfennigbasar lockt mit Schnäppchen die Massen. Dieses Jahr ist der Pfennigbasar nach 52 Auflagen in ununterbrochener Folge erstmals ausgefallen. Würde er nun wegen Corona gar auch für 2021 abgesagt, könnte die bei den Menschen in Stadt und Region überaus beliebte Institution wackeln. Doch die von Präsidentin Annerose Lauterwasser angeführten 650 Damen des Internationalen Frauenclubs von Karlsruhe kämpfen für die Fortsetzung ihres Erfolgsmodells.

Sie setzten auf zweierlei: Erstens, der Gemeinderat erhöht den Zuschuss der Stadt und ermöglicht damit dem Verein, trotz enorm gestiegener Kosten auch künftig Summen von an die 200.000 Euro im Jahr für karitative Zwecke auszuschütten. Und zweitens: Es gelingt mit einem Hygienekonzept, welches das Ordnungsamt mit dem Frauenclub erarbeitet und dann bewilligt, das Großereignis auch in Corona-Zeiten möglich zu machen.

Abstriche beim Angebot und Begrenzungen der Besucherzahl sind also in Zeiten der Pandemie auf jeden Fall hinzunehmen. Eine gewisse Unsicherheit besteht ohnehin, denn niemand weiß heute, wie sich die Infektionszahlen bis Ende Januar entwickeln und welche Regelungen für Veranstaltungen dann gelten.

Die Stadtpolitik ist gefragt

Jeder Karlsruher kennt den Pfennigbasar. Der große Kultflohmarkt des Internationalen Frauenclubs ist traditionell der Renner zu Jahresanfang. Junge Leute suchen sich dort für wenig Geld aus riesiger Auswahl den Hausstand zusammen. Alle Generationen finden an 34 nach Artikeln wie Bücher oder Kleider sortierten Ständen in der Schwarzwaldhalle, was das Herz begehrt.

Und wer etwas abzugeben hat, was viel zu schade zum Wegwerfen ist, der gibt es zuvor an den Sammeltagen bei den engagierten Damen ab. Schließlich erwirtschaftete der Frauenclub auf diese Weise beispielsweise 2018 200.000 und 2019 174.000 Euro. Dieses Geld kommt karitativen Einrichtungen und damit bedürftigen Karlsruhern zu Gute.

Für die Zukunft des Pfennigbasars ist jetzt die Stadtpolitik gefragt, wenn es im Herbst um den Haushalt 2021 geht. Es liegt in der Macht der Fraktionen, dass der Zuschuss für dieses Festival der Nachhaltigkeit mit großem karitativen Nutzen für die Stadtgesellschaft nun auch entsprechend der massiv gesteigerten Kosten für die Sicherheit bei dem Massenereignis wächst. Traditionell übernimmt die Stadt die Hälfte der Mietkosten für die Schwarzwaldhalle.

Hygienekonzept dürfte zu weniger Einnahmen führen

Doch schon durch das Hinzuziehen der Gartenhalle, wie bereits 2019 aus Brandschutzgründen geschehen, sind die Aufwendungen auch für Sicherheitspersonal enorm gestiegen. Folglich geht es um die anteilige Übernahme auf Dauer der neuen Miete, die an die städtische Tochter Karlsruher Messe- und Kongress Gesellschaft (KMK) zu zahlen ist, und der zunehmenden Nebenkosten.

Übrigens verhinderte die KMK den Pfennigbasar im Januar 2020, weil sie wegen der Dauerbaustelle Stadthalle nun plötzlich wieder auf ihre anderen Hallen am Festplatz für Kongresse in der gefragten Wintersaison zurückgreift.

Den Ausweichtermin Juli konnte der Frauenclub wegen mehrerer Probleme nicht wahrnehmen. Inzwischen habe die KMK den Wintertermin für den Pfennigbasar wieder für die Verkaufstage 28. bis 31. Januar 2021 sowie die nächsten Jahre garantiert, berichtet Clubpräsidentin Lauterwasser.

Kann der Pfennigbasar 2021 mit Hygienekonzept stattfinden, müssen die Veranstalterinnen wegen der Auflagen mit weniger Einnahmen rechnen, weil die Massen sich wegen der Abstandspflicht nicht wie gewohnt um die Stände ballen dürfen. „Wir müssen wegen diesen Steigerungen von 45.000 Euro ausgehen, die bei uns hängen bleiben würden“, erklärt Vize-Präsidentin Swaantje Katz.

Größter Spendengeber

„Wir veranstalten den Pfennigbasar nicht zum eigenen Nutzen, sondern geben mit dem Erlös enorm zurück an viele karitative Organisationen“, begründet Lauterwasser den Wunsch nach entsprechender Anpassung des Zuschusses, ohne eine konkrete Summe nennen zu wollen. Schließlich leiste der Frauenclub durch die in seinem Second-Haus-Kaufhaus erwirtschafteten Spenden an über 30 Karlsruher Organisationen im Dienst von Bedürftigen vieles für die Gesellschaft, was sonst die Stadt selbst direkt aufbringen müsse.

Nur vier der 23 Internationalen Frauenclubs in deutschen Städten stemmen laut Lauterwasser einen Pfennigbasar. „Und wir sind der größte Spendengeber“, freut sich die Präsidentin. Sie weiß, dass „Corona der große Unsicherheitsfaktor ist“. Aber die scheidende Clubchefin und Katz, die im Oktober als deren Nachfolgerin kandidiert, setzen darauf, dass die Vollversammlung der 280 Clubfrauen für ihren Pfennigbasar 2021 stimmen.

Sie müssen dann an den zwei Sammeltagen und an drei Basartagen unter den erschwerten Corona-Bedingungen mächtig im Dienst der Wohltätigkeit anpacken. Aber gerade dieses Gemeinschaftserlebnis schweißt die der Völkerverständigung und Toleranz verschriebenen Damen im Club zusammen.

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