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Tipps für Mieter

Energieberater aus Karlsruhe: Klimaneutrale Heizung ist auch mit kleinem Budget möglich

Welche Heizungstechnik ist die beste, um Kosten und Energie zu sparen? Diese Frage kann Bernd Gewiese zwar nicht pauschal beantworten – doch er hat Tipps für jedes individuelle Gebäude und verrät auch, was Mieter machen können.

Gibt Hausbesitzern wertvolle Tipps: Bernd Gewiese ist als Sanierungs- und Energieberater bei der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) tätig. Foto: Andrea Fabry/KEK

Die Temperaturen sinken, die Heizperiode beginnt. Gleichzeitig steigen die Kosten für Öl und Gas. Spätestens beim Blick auf die Verbrauchsrechnung fragen sich viele Hausbesitzer, wie sie energie- und damit auch kostensparender heizen können.

Bernd Gewiese ist physikalischer Chemiker und seit 2016 bei der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK). Die gemeinnützige, neutrale Organisation berät Bürger, Unternehmen und Institutionen. Gewiese ist schwerpunktmäßig im Sanierungsmanagement und der Energieberatung tätig und führt derzeit auch viele Heizungs-Checks in Stadt- und Landkreis Karlsruhe durch.

Im Gespräch mit BNN-Redakteurin Julia Weller verrät er, was Hausbesitzer schon mit kleinem Budget an ihrer Heizung tun können – und welche Optionen Mieter haben.

Wenn Menschen Sie als Berater rufen, um Tipps für einen Heizungstausch oder eine Gebäudesanierung zu bekommen – welches Motiv wiegt dann in der Regel schwerer, der Klimaschutz oder der eigene Geldbeutel?
Gewiese

Ich spreche mit sehr vielen Leuten, die beides für wichtig erachten. Die fossilen Energiekosten explodieren ja momentan. Das merkt man am Geldbeutel, und dann ist immer die Frage: Was kann ich machen, was passt zu meinem Gebäude und zu meinem Budget? Man kann Sanierungen sehr kostenaufwendig oder sehr günstig betreiben, und man kann mit beiden Mitteln ein klimaneutrales Gebäude erreichen.

Sie haben also ein höheres Ziel als nur die Verringerung von Emissionen?
Gewiese

Es ist immer mein Wunsch, dass man mit einer Photovoltaikanlage so viel Energie erzeugt, wie man zum Heizen des Gebäudes und für Warmwasser benötigt. Dann hat man für mich die Klimaneutralität erreicht. Die Bundesförderung sieht das ein bisschen schärfer, aber für mich ist das ein erstes Ziel, das jeder auch gut nachvollziehen kann. Man sollte Energieerzeugung und -verbrauch kombinieren. Früher sagte man, Photovoltaikanlagen könnten nur auf Süddächern installiert werden. Diese Zeiten sind vorbei. Man kann Süd-, Ost-, West- und sogar flache Norddächer nutzen und die Anlage mit einer Wärmepumpe kombinieren.

Was nehmen Sie alles unter die Lupe, wenn Sie einen Heizungs-Check bei Hausbesitzern machen?
Gewiese

Wir schauen uns die Wohnungsgröße, das Alter des Gebäudes und den Energieverbrauch der Heizung an. Dann errechnen wir eine spezifische Energieverbrauch-Kennzahl, die eine Richtgröße darstellt für die Frage, welche Heizungstechniken für das Gebäude geeignet sind. Wir sehen uns auch die Räumlichkeiten an, die Anschlussbedingungen für Fernwärme oder Gas, die Lagermöglichkeiten für Pelletholz oder Scheitholz. Und am Ende schaut man, welche Förderungen es für welche Technik gibt.

Das heißt, es gibt nicht die eine Heizungstechnik, die am besten ist?
Gewiese

Ganz genau. Es gibt so viele Heizungstechniken! Die Verbraucherzentrale, mit der wir zusammenarbeiten, prüft in ihrem Check mehr als 30 verschiedene. Das hängt immer ab vom Gebäude, vom Sanierungszustand, vom Geldbeutel und eben auch von den aktuellen Förderbedingungen.

Begegnen Ihnen noch viele Nachtspeicheröfen?
Gewiese

Ja. Hier in Karlsruhe wurde der Ausbau von Nachtspeicheröfen in den 70er Jahren forciert. Da gab es Strom zu super günstigen Preisen. Inzwischen müssen die Nutzer 24 bis 25 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, das geht ins Geld. Die Menschen haben zwei Möglichkeiten: Wenn sie ihre Heizung klimaneutral gestalten möchten, wechseln sie zu einem zertifizierten Ökostrom-Lieferanten. Dann sind sie klimaneutral, aber zahlen in 20 Jahren 80.000 Euro für ihre Heizung. Für dieses Geld könnte man durchaus so eine Heizung verändern. Das ist die zweite Möglichkeit, die je nach Gebäude etwas aufwändiger ist. Aber der Umbau wird vom Bund und von der Stadt Karlsruhe gefördert.

Was können Mieter und Mieterinnen tun?
Gewiese

Mieter müssen zwar die Heizung verwenden, die vorgegeben ist. Wenn sie die Erlaubnis bekommen, können sie aber Zusatzheizungen installieren, mit denen man vielleicht die Nutzung der regulären Hausheizung reduziert. Dazu gibt es moderne Luft-Luft-Wärmepumpen, die mit einem Modul an der Innen- und einem an der Außenwand montiert werden. Die können im Sommer kühlen, was in der Stadt ja oft interessant ist, und im Winter eine Warmluft von 30 Grad erzeugen mit ihrer Wärmepumpe. Eine solche Lüftungsanlage kann man für 5.000 bis 7.000 Euro kaufen.

Und wie kann man nun umweltfreundlich und geldsparend heizen, unabhängig von der eingesetzten Technik?
Gewiese

Darüber könnte man sich stundenlang unterhalten. Denn letzten Endes hängt der Energieverbrauch beim Heizen vom individuellen Wohlfühlverhalten ab. Wenige Menschen wollen nur 18 Grad im Zimmer, andere 23 Grad. Jedes Grad höher steigert die Heizkosten um fünf bis sechs Prozent. Wenn man die Thermostate bei Abwesenheit von Stufe fünf auf drei stellt, spart man einfach Geld. Und wenn man dafür neue Thermostate anschafft, die programmiert werden können oder sich über eine App steuern lassen, dann kann man das auch automatisiert durchführen. So kann man durch sehr einfache Mittel die Heizkosten um einige Euro senken. Durch nächtliches Runterregeln lassen sich Einsparungen von zehn bis 15 Prozent erreichen. Und wer ältere Heizungen ohne den heute typischen hydraulischen Abgleich hat, kann sie durch einen Fachmann einstellen lassen. Eine schlecht eingestellte Heizung kann bis zu 35 Prozent höhere Energiekosten zur Folge haben.

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