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Rappenwört wird sich stark verändern

Hochwasserschutz am Rhein: Der Polder-Plan für Karlsruhe ist fertig

Fast ein Jahrzehnt hat der Planungsprozess gedauert. Nun ist klar, wie stark Rappenwört durch massive Eingriffe für den Hochwasserschutz verändert wird. Wände und Dämme werden im Auenwald wachsen.

Inselidylle: Das Traditionsbad Rappenwört ist nah am Wasser gebaut. Durch den Polder liegt es bei Hochwasser wieder auf einer echten Rheininsel. Foto: Jörg Donecker

Das ewige Projekt „Hochwasserpolder Bellenkopf/Rappenwört“ macht nach vielen Verzögerungen um Jahre jetzt den Schlusssprung im Genehmigungsverfahren.

„Der Planfeststellungbeschluss kommt vor Weihnachten. Er geht dem Regierungspräsidium noch vor dem Fest zu“, bestätigt Martin Zawichowski, Sprecher des Landratsamts, den BNN. Erst nach dem Fest wolle der federführende Landkreis mit dem Regierungspräsidium erklären, was diese Bescherung für die nähere Zukunft bedeutet.

Vielleicht wird dann zumindest klar, wann die Bagger für den riesigen Rückhalteraum auf die städtische Gemarkung Rappenwört am Rhein und in das südlich anschließende Rheinstettener und damit zum Kreis gehörende Auenwaldgebiet Bellenkopf rollen.

Möglicherweise gewinnt gar der Zeithorizont für die Inbetriebnahme des Karlsruher Polders zum Hochwasserschutz für Koblenz und Köln bald scharfe Konturen. Gleichzeitig hat der Gemeinderat am Dienstag vor Heiligabend die Polderplanung mit einem Beschluss vorangebracht: Karlsruhe schließt mit dem Land, dem Polder-Bauherrn, einen Vertrag über den notwendigen Landverkauf.

Flutung mit Vor- und Nachteilen

Neun Jahre wurde nach dem Anstoß des Verfahrens an dem Polder-Plan und der Erörterung vieler Einwendungen unter Leitung des Kreis-Umweltamts gewerkelt. Herausgekommen ist ein aufgestauter Aktenfluss, in dem die neue Rheinauenwelt geregelt ist.

Darin schlägt sich der lange Streit um ökologische und ökonomische Belange sowie um die Konsequenzen für den Freizeitraum der Menschen und entsprechende Schutzmaßnahmen vor den Rheinfluten bei Hochwasser nieder. Besonders der Aufwand zum Schutz der Karlsruher Altrheininsel Rappenwört mit historischem Rheinstrandbad, mit Wassersportvereinen und Naturschutzzentrum spielt dabei eine herausragende Rolle. Dabei geht es vor allem um den Hochwasserschutz von Rappenwört beim Fluten des Auenpolders, wenn der geregelte Rhein seine Dämme brechen will.

Zwei Fragen dominieren: Was und wie werden Spundwände Karlsruhes Außenposten am Strom gegen ihn umschließende Hochwasser abschotten? Mit welchem Aufwand wird die Zufahrt von Daxlanden zur Rheinpromenade mittels höher gelegter Hermann-Schneider-Allee auf der Straße und auf der Straßenbahnschiene gegen die allerdings sehr selten zu erwartende Flutung gesichert?

Da wird es notwendig, Tausende Kubikmeter Erde zu verschieben. Der Polder von Neuburgweier im Süden bis kurz vor das Kohlekraftwerk am Karlsruher Rheinhafen im Norden ist sechs Kilometer lang und umfasst 510 Hektar mit einem Stauvolumen von 14 Millionen Kubikmetern. Die Wildschweine werden nicht glücklich sein. Ihr Wildgehege wird durch die Polder-Planung weggespült.

Der Polder Bellenkopf/Rappenwört ist als gesteuerter Hochwasserrückhalteraum mit auch ungesteuerten ökologischen Flutungen geplant. Der heutige Hauptdamm direkt am Rhein bekommt drei Einlass- und zwei Auslassbauwerke. Sie sind in der Regel offen. So kann das Rheinwasser in den Rückhalteraum entsprechend dem Pegelstand des Rheins ein- und ausfließen. Man geht von durchschnittlich 21 Tagen pro Jahr aus, an denen die Waldwege von Rappenwört überflutet sind. Folglich können sich Spaziergänger mehr als drei Wochen im Jahr nicht im Wald von Rappenwört aufhalten.

Durchlässe im Straßendamm

Nur vor extremem Hochwasser werden die Sperren aktiviert. Gleiches gilt für Havarien mit ökologischer Bedrohung auf dem Rhein. Die ökologischen Flutungen haben neben der Naturveränderung Richtung altem Auenwald auch die Konsequenz, dass die Einrichtungen in Rappenwört geschützt werden müssen. Der Damm der höher gelegten Hermann-Schneider-Allee erhält mehrere Durchlässe.

Das Land hat nun mit der Stadt als dem Eigner großer Flächen im Schutzgebiet einen Vertrag über den Bau und den Betrieb des Rückhalteraums geschlossen. Man sei dabei „etliche Kompromisse“ eingegangen, erklärt die Stadtverwaltung. Das Land erwirbt dadurch vor allem den Flächenteil, wo auf heute städtischem Gebiet gebaut wird. Zudem fließen Entschädigungen wegen Einschränkungen, und das Land kommt für Schäden und Ertragsausfällen bei Forst und Landwirtschaft auf.

Kann eine Wand im Wald landschaftsgerecht sein?

Das Land verpflichtet sich, einen Auenerlebnispfad herzustellen. Die Spundwand um Rappenwört soll laut Stadt „landschaftsgerecht“ werden sowie der von Karlsruhe zu zahlende Preis „beherrschbar bleiben“. Die Kanuvereine und das Naturschutzzentrum bekommen für die Zufahrt Dammlücken, die durch mobile Schotts verschließbar sind.

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