Skip to main content

Karlsruhe will in die Höhe bauen

Hoch, höher, am höchsten: Der uralte Wettstreit um den spektakulärsten Wolkenkratzer

Was in Karlsruhe ein Hochhaus ist, fällt in Manhattan gar nicht auf. Seit Jahrtausenden streben Menschen auf aller Welt darum, das höchste Bauwerk hochzuziehen. Auch die Fächerstadt plant eine neue Skyline.

Weiterhin die Nummer eins: Die Fahrt auf die Aussichtsplattform des Burj Khalifa, das höchste Haus der Welt, gehört zu den Höhepunkten eines Aufenthalts in Dubai. Foto: TUI Cruises/dpa

Die Corona-Krise hat den Sinn oder Unsinn von Mega-Wolkenkratzern erneut in den Fokus gerückt. Und spätestens seit dem Anschlag vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York gelten Hochhäuser als potenzielle Ziele von Terroristen.

Das hat wenig daran geändert, Wolkenkratzer weiterhin zu glorifizieren. Solche Prestigeobjekte prägen nun mal die Skyline einer Stadt. Touristen nehmen sie gedruckt auf T-Shirts, Poster oder Tassen als Souvenir mit nach Hause.

Seit Jahrzehnten kämpfen die USA, China, Dubai, Japan, Südkorea, Malaysia und Saudi-Arabien um die Lufthoheit: hoch, höher, am höchsten lautet das Motto beim Wettrennen um den spektakulärsten Skyscraper, den Symbolen der Macht, den Kathedralen des Kapitalismus.

Vom Turmbau zu Babel zum Jeddah Tower

Seit Menschen Steine aufeinanderschichten, streben sie gen Himmel. 2500 vor Christi errichteten die alten Ägypter bereits die ersten Pyramiden. Die Babylonier türmten um 1700 vor Christi ihrem Gott Marduk einen 91 Meter hohen Himmelshügel auf – den Ursprung der berühmten Geschichte vom Turmbau zu Babel.

Im Mittelalter schufen die Menschen zur Ehre Gottes gewaltige Kathedralen. Der 157,38 Meter hohe, im Jahr 1248 begonnene Kölner Dom war einst das höchste Gebäude der Welt. Die 200-Meter-Marke konnten Architekten und Baumeister jahrtausendelang nicht knacken. Das änderte sich erst, als es dem englischen Erfinder Sidney Gilchrist Thomas 1879 gelang, Stahl so zu härten, dass vergleichsweise schmale Träger aus Eisenlegierungen problemlos auch großen Lasten widerstehen konnten. Der Weg zum Stahlskelettbau war bereitet.

Saudi-Arabien startete 2012 damit, sich mit dem 1.007 Meter hohen Jeddah Tower (früher bekannt als Kingdom Tower) an die Spitze der höchsten Gebäude der Welt zu setzen. Er soll den Pilgern bei der Hadsch nach Mekka die Macht des Königreichs demonstrieren.

Das auf 1,2 Milliarden Dollar Baukosten geschätzte Projekt entsteht direkt neben der 2500 Jahre alten Hafenstadt Dschidda - einer mehr als 3,2 Millionen Einwohner zählenden Metropole und dem Tor zu den heiligen Stätten in Mekka. Die Fertigstellung wird nach mehrjährigem Baustopp für das Jahr 2024 angepeilt.

In Tokio soll ein Turm eine ganze Meile in den Himmel wachsen

Wie lange der Jeddah Tower den Titel des „Höchsten Gebäudes der Welt“ tragen wird, ist ungewiss. So ist in der irakischen Stadt Basra ein samt Antenne 1.152 Meter hoher Turm („The Bride“) angedacht. Und in Tokio wird die Meile anvisiert: ein 1.600 Meter hoher „Sky Mile Tower“. Im Jahr 2045 soll er die 1.600-Meter-Marke durchbrechen.

Im aktuellen Ranking der Top Ten führt das „Burj Khalifa“ in Dubai mit 828 Metern, vor dem „Shanghai Tower“ mit 632 Metern und dem „Makkah Royal Clock Tower Hotel“ mit 601 Metern in Mekka.

Welches das höchste Gebäude der Welt ist, ermittelt das „Council on Tall buildings and Urban Habitat“ (CTBUH) in Chicago. Bei der Non Profit Organisation gilt ein Gebäude erst ab 150 Meter Höhe als Hochhaus. Es gibt jedoch verschiedene Kriterien, ein Hochhaus zu messen. Gemäß CTBUH ist die am meisten verbreitete Variante, den Punkt vom Gehweg bis zum letzten Stein des Gebäudes zu berücksichtigen. Flaggen, Antennen oder ähnliche Aufsetzer werden dabei nicht mitgezählt.

Karlsruhes höchstes Haus ist gerade mal 77 Meter hoch

Was zwischen den Wolkenkratzern in New York nicht auffällt, ist in Karlsruhe schon ein „langer Lulatsch“. In der Residenz des Rechts führt die Deutsche Rentenversicherung mit 77 Metern die Liste vor dem Landratsamt Karlsruhe mit 70 Metern und dem Physik-Hochhaus mit 56 Metern der höchsten Häuser an.

Hochhäuser sind in der Barockstadt noch die Ausnahme - doch das wird sich künftig auf Basis des „Konzepts für die Höhenentwicklung in Karlsruhe“ ändern. Darauf haben sich die Verantwortlichen der Stadt geeinigt, auch um der Wohnungsnot entgegenzutreten.

Nach der Landesbauordnung gilt in Baden-Württemberg jedes Haus über 22 Meter Höhe als Hochhaus. Diese Höhe orientiert sich an den Drehleitern der Feuerwehr, die in den meisten Fällen eine Rettungshöhe von 23 Metern aufweisen.

Karlsruhe will in die Höhe bauen und seine Skyline erweitern

Baubürgermeister Daniel Fluhrer freut sich, dass die Stadt künftig mehr in die Höhe bauen wird. „Karlsruhe bekommt eine qualitativ hochwertige Erweiterung seiner Skyline“, meint Fluhrer.

So soll hinter dem Hauptbahnhof bis etwa 2025 ein Hochhaus von 73 Meter Höhe stehen. Ein weiteres Hochhaus von über 70 Metern plant Ralph Dommermuth, Konzernchef von United Internet, zu dem 1&1 gehört, nahe der Bahnunterführung der Ettlinger Straße.

Zudem soll das Landratsamt in der Beiertheimer Allee abgerissen und durch einen Neubau von maximal 90 Meter Höhe ersetzt werden.

nach oben Zurück zum Seitenanfang