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Outdoor-Galerie „Hohenwettersbacher Künstlermeile“

Am Brunnen gibt es Durchhalte-Parolen, Rezepte und Kunstwerke

Die Künstlermeile rund um den Brunnenplatz in Hohenwettersbach hat viele Fans. Deshalb darf das Projekt noch bis in die Sommerferien weiterlaufen.

Die bunte „Künstlermeile“ in Hohenwettersbach zieht immer wieder staunende Besucher an: Große und kleine Gäste erfreuen sich an den Bildern, Spielen und Segenssteinen, die rund um den Brunnen platziert sind. Foto: Jörg Donecker

Von Martina Erhard

In der Zeit, als Schulen und Kitas aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen sind, kommt Julia Wohlwender auf eine Idee für die „Hohenwettersbacher Künstlermeile“. „Kinder sollten eine Möglichkeit haben, sich auszutauschen“, sagt die Tierärztin, die selbst Mutter von zwei Kindern ist.

Schnell ist damals auch der richtige Ort gefunden, nämlich rund um den Brunnenplatz – mitten in Hohenwettersbach. Der Platz war ideal, da aufgrund der Corona-Bestimmungen der Brunnen ohnehin nicht eingeschaltet werden durfte.

Nicht nur die Kinder und deren Eltern sind von Anfang an begeistert und bringen nach und nach viele kleine Kunstwerke in die „Outdoor-Galerie“, auch Passanten erfreuen sich an der bunten Fantasiewelt, die sich da plötzlich auftut: Comicfiguren, Lieblingstiere, Fabelwesen oder einfach nur bunte Blumen zieren seither den Platz.

Alle Bilder werden übrigens feinsäuberlich von Wohlwender laminiert, sodass ihnen Wind und Wetter nichts anhaben kann. Bemalte Steine, gerne auch verziert mit lieben Grüßen, bilden rund um den Brunnen eine Steinschlange, die in allen Farben schillert.

Am Brunnen gibt es Durchhalte-Nachrichten oder einfach neue Rezepte

Immer mehr Mitstreiter finden sich im Laufe der Zeit und bringen sich selbst mit ihren Ideen ein: Da sind zum Beispiel die „Klecksriesen“ der Kita Regenbogen, die mit ihren bemalten Steinen die Steinschlange noch einmal ein ganzes Stück verlängern.

Auch die Grundschule unterstützt das Projekt und stellt Fotos von den Kunstwerken auf ihre Internetseite. Von der Grundschule kommt auch die Blechdose mit den Segenssteinen. Und auch die „Kochbox Hohenwettersbach“ ist am Brunnenvertreten. Jede Woche wird ein leckeres Rezept verteilt, das man gut mit Kindern nachkochen kann, wie etwa den „Mediterranen Nudelsalat“.

Auch weitere kreative Ideen, zum Beispiel ein Tic Tac Toe-Spiel aus Steinen, finden sich auf dem Rand des Brunnens. „Ganz besonders beliebt ist die ‚Stille Post’“, meint Wohlwender. Dabei können auf Steinen Nachrichten hinterlassen werden: „Wir halten zusammen“, ist da zu lesen, aber auch „Haltet durch und bleibt gesund“. Ein Mädchen, das offensichtlich noch nicht so gut Englisch spricht, schreibt nach ihrem Namen „Was hir“.

Julia Wohlwender fällt immer wieder auf, dass auch ältere Menschen den Brunnen gerne besuchen. Da kommt die Oma mit dem Rollator und erfreut sich an den Bildern, da sind die Wanderer, die sich eigentlich verlaufen haben, dann aber dankbar sind, weil sie zufällig an „einen so wunderbaren Platz“ gekommen sind, wie sie versichern, während sie die „Künstlermeile“ bestaunen.

Die Künstlermeile soll weiterlaufen, dafür bleibt der Brunnen aus

Trotz der großen Zustimmung aus weiten Kreisender Bevölkerung gibt es auch negative Stimmen: „Bei mir sind schon einige Beschwerden eingegangen, weil der Brunnen aufgrund der vielen Bilder und der bunten Steine nicht mehr sichtbar ist und weil den Leuten das Plätschern des Wassers fehlt“, erzählt Ortsvorsteherin Elke Ernemann.

Sie und die Ortschaftsratsmitglieder stehen jedoch geschlossen hinter dem Projekt. So wurde in der Juni-Sitzung beschlossen, dass die „Künstlermeile“ weiterlaufen kann –mindestens bis zu den Sommerferien. Dafür nimmt man auch in Kauf, dass der Brunnen in dieser Saison nicht mehr eingeschaltet wird, auch wenn dies inzwischen seit einigen Wochen erlaubt wäre.

Wohlwender freut sich über die Unterstützung aus dem Ortschaftsrat. „Es ist schön, dass alle die Bedeutung des Platzes erkennen. Er drückt Gemeinschaftssinn aus“, meint sie. Es ist ein kommunikativer Ort entstanden, an dem die Leute ins Gespräch kommen.

Natürlich weiß aber auch Wohlwender, die den Platz pflegt und ihn in Ordnung hält, dass die„Künstlermeile“ nicht unbegrenzt bestehen kann. „Vielleicht werden wir den Platz in den Sommerferien abräumen – und zwar gemeinsam mit den Kindern“, sagt sie. „Die Sachen sollen ja nicht einfach verschwinden. Die Kinder sollen wissen, was mit den Bildern und Steinen geschieht.“

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