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Winter überstehen

Wie man Igeln helfen kann: Tipps von Experten im Naturkundemuseum Karlsruhe

Abfälle, allzu ordentliche Gärten und Mähroboter machen Igeln das Leben zunehmend schwer. Wie man ihnen helfen kann, den Winter zu überstehen, erklärten Experten im Naturkundemuseum Karlsruhe.

Sie waren die Stars im Naturkundemuseum: Einen kleinen Igel bewundern Volker Springmann und seine Söhne Felix (bei Papa oben) und Moritz (stehend) bei Igeltag in Karlsruhe.
Einen kleinen Igel bewundern Volker Springmann und seine Söhne Felix und Moritz beim Igeltag in Karlsruhe. Foto: Jörg Donecker

Igel mögen Eierlikör – und deshalb werden nicht selten alkoholisierte Igel bei den Auffangstationen abgegeben. Was sich lustig anhört, hat einen ernsten Hintergrund. Weggeworfene Eisbecher, Flaschen mit Resten von Eierlikör oder auch Joghurtbecher können einem Igel auf Nahrungssuche zum Verhängnis werden.

Denn er findet mit seiner Supernase zwar in den Becher hinein, doch kann darin steckenbleiben. Das ist nicht die einzige Gefahr, die einem Igel droht, wenn er sich – wie jetzt im Herbst – auf Nahrungssuche begibt, um das Winterschlaf-Wunschgewicht von 1.000 Gramm zu erreichen.

In abwechslungsreichen Vorträgen boten am Sonntag unter anderem Igel-Experte und Veterinärmediziner Thomas Bücher sowie Sozialpädagogin und Igelfan Laura Zahn-Daege im Karlsruher Naturkundemuseum Unbekanntes und Wissenswertes zu dem nachtaktiven Stacheltier.

Richtig zunehmen ist für Igel vor dem Winter lebenswichtig

Bei den Kindern zählen Igel wohl zu den Lieblingstieren. Deshalb war auch der Besuch von lebenden Igeln, die Igelfreund Erhard Pfrommer vorsichtig herumzeigte, der Höhepunkt des „Igel-Tags“. Igel müssen sich den veränderten Lebensbedingungen anpassen. Laubsauger und Mähroboter, allzu ordentliche Gärten sowie engmaschige Zäune machen ihr Dasein nicht leichter.

Die zum Leben und Überwintern idealen Bedingungen mit Laubhaufen, Tothölzern und Bündel von Reißig finden die stacheligen Vierbeiner immer seltener und so weichen die erfinderischen Spürnasen auf Nahrungssuche gerne in die gefährlicheren Vorgärten mit ihren Mülleimern aus.

Richtig zunehmen, das ist für Igel lebenswichtig. Denn ein Igelkind wird im August mit wenigen Gramm geboren und muss in den sechs Wochen, die ihm zum Erwachsenwerden bleiben, von den 100 Baby-Stacheln auf etwa 6.000 Stacheln kommen.

Schwache Igel kann man auch drinnen überwintern lassen

Beim Überwintern helfen kann man den Igeln, indem man ihnen in möglichst naturnahen Garten ungestörte Unterschlüpfe oder Weidenkörbe anbietet, die sich der Igel dann selbst einrichtet.

Zufüttern sollte man einen gut genährten Igel nicht, denn das zögert nur seinen Winterschlaf heraus. Den hält er von Oktober bis März idealerweise bei fünf bis zehn Grad und verliert dabei bis zu 40 Prozent seines Gewichtes.

Ist ein Igel sichtbar zu klein, verletzt oder zu schwach, wiegt also weniger als etwa 600 Gramm, kann man ihn zu Hause in einem kühlen Raum überwintern lassen.

Ideal ist eine zweiteilige Holzkiste, die mit Laub und Heu ausgelegt werden kann. Zu schwache Tiere müssen von Hand aufgepäppelt werden, wozu sich ideal Katzenfutter als Nassfutter oder Trockenfutter für Katzenkinder eignet. Der Igel sollte in der Woche etwa 70 Gramm zunehmen.

Wenn man einen verletzten Igel oder einen Igel in Not findet, kann man den örtlichen Tierarzt anrufen, der dann weitervermittelt. Viele Informationen rund um Igel gibt es bei den Stuttgarter Igelfreunden, auf der Website www.igelfreunde.de oder telefonisch unter 07130 403633. Hier sind Igelauffangstationen nach Kreisen aufgeteilt aufgelistet.

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