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Berufungsverhandlung vor dem Landgericht

25-Jähriger verursacht bei Karlsruhe Unfall mit zwei Toten - Haftstrafe

Im März vergangenen Jahres krachte ein betrunkener Zeitsoldat mit fast 200 Kilometern pro Stunde auf der A5 von hinten in den Kleinwagen eines Ehepaars aus dem Murgtal. Beide Opfer verbrannten im Auto. Jetzt musste sich der Mann vor dem Landgericht verantworten.

Horrorcrash: Zwei Menschen verbrannten vergangenes Jahr auf der A5 in diesem Kleinwagen, nachdem das Auto von hinten gerammt worden war. Der Verursacher muss zwei Jahre ins Gefängnis. Foto: Dieter Reichelt

Die Insassen des blauen Nissan Micra haben es nicht mehr weit. An der nächsten Ausfahrt, der Anschlussstelle Rastatt, wollen der 58 Jahre alte Mann und seine vier Jahre jüngere Ehefrau die A5 verlassen.

Mit Tempo 120 ist das Paar an jenem Sonntagabend, dem 31. März vergangenen Jahres, auf der Autobahn in südlicher Richtung unterwegs. Sie fahren auf der mittleren der drei Fahrspuren. Ettlingen ist gerade passiert, da tut es einen fürchterlichen Schlag.

Mit annähernd 200 Kilometern pro Stunde kracht ein anderes Auto von hinten in den Kleinwagen der beiden Gernsbacher. Ihr Auto dreht sich, schleudert in eine Betonwand, fängt Feuer und kommt endlich an der linken Leitplanke zum Stehen. Die beiden Insassen verbrennen bis zur Unkenntlichkeit.

Ein Polizeibeamter sagt später zu den Hinterbliebenen, man könne nur hoffen, dass die Opfer sogleich einen Genickbruch erlitten hätten. Zwei weitere Autos werden von dem Wagen des Rasers getroffen, ein Mann erleidet schwere Verletzungen. Zum Zeitpunkt des Geschehens hat der Unfallfahrer mehr als zwei Promille Alkohol im Blut.

Verursacher empfand Strafe zu hoch

Den Verursacher des grauenhaften Infernos, einen zum Unfallzeitpunkt 25 Jahre alten Mann aus Stuttgart, hatte das Amtsgericht vor einem Jahr zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er legte Rechtsmittel ein. Am Montag kam es vor dem Landgericht Karlsruhe deshalb zur Berufungsverhandlung. Den eigentlichen Tatvorwurf räumte der Mann ein. Das Strafmaß aber empfand er als zu hoch. Maximal bis zu einer Höhe von zwei Jahren können Strafen zur Bewährung ausgesetzt werden.

Am Ende des Verhandlungstages hielt das Gericht unter Vorsitz von Richter Ingo Jeckel exakt zwei Jahre Haft für angemessen. Damit blieb das Urteil sechs Monate unter dem Spruch aus der Vorinstanz und vier Monate unterhalb des Antrags von Staatsanwältin Nora Schoch.

Eine Aussetzung zur Bewährung komme aber angesichts des ausgelöschten Lebens zweier Menschen nicht in Betracht, betonte der Richter. Für die Hinterbliebenen bleibe das Geschehen ein Leben lang schwer erträglich, sagte der Vorsitzende. Die Schwester der Getöteten und ihr Ehemann verfolgten den Urteilsspruch im Gerichtssaal mit.

Soldat, vom Auslandseinsatz gezeichnet

Zuvor hatte der Autobahnraser ausführlich Gelegenheit, dem Gericht seine persönliche Lage zum Zeitpunkt des fatalen Zusammenstoßes zu schildern. Der Zeitsoldat zeigte Reue und präsentierte sich als stark gezeichnet von seiner damaligen Lebenslage.

Zwei Tage vor dem tödlichen Crash auf der Autobahn war er von einem mehrmonatigen Auslandseinsatz der Bundeswehr im afrikanischen Mali heimgekehrt – im Wesen verändert, wie seine langjährige Freundin schilderte. Die junge Frau beendete kurzfristig die Beziehung. Darauf griff der Soldat in der gemeinsamen Wohnung zur Wodkaflasche und kontaktierte einen Kameraden im elsässischen Illkirch-Graffenstaden, wo der gemeinsame deutsche Kampfverband stationiert ist. Er avisierte sich dort für denselben Abend zum Gespräch – doch er kam nie an.

Verbitterungs-Symptomatik

Der psychiatrische Sachverständige Hartmut Pleines beschrieb den Unfallfahrer als durchschnittlich begabt und frei von Suchtstörungen. Er konstatierte eine „Verbitterungs-Symptomatik“ als Folge des Bundeswehr-Einsatzes in Afrika. Eine posttraumatische Belastungsstörung liege nicht vor, wohl aber eine „einsatzbedingte Anpassungsstörung.“

Der Verteidiger des Unfall-Verursachers, der Stuttgarter Rechtsanwalt Marko Becker, zeigte sich mit dem Gutachten zufrieden. In der Ersten Instanz sei nicht alles optimal gelaufen, machte er geltend, „man hätte dort gründlicher draufschauen müssen.“ Aus Sicht der Opfer-Angehörigen allerdings war das Berufungsverfahren über die Maßen beherrscht von den Erlebnissen des Täters bei der Bundeswehr. Zum Schluss entschuldigte sich der Angeklagte unter Tränen. „Es ist unverzeihlich, was ich getan habe.“

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