Skip to main content

In der Muttersprache

Im Karlsruher Lernfreundehaus unterstützt eine Schulpsychologin ukrainische Kinder

Fremdes Land, fremde Sprache: ukrainische Flüchtlingskinder haben es nicht leicht in deutschen Schulen. Im Karlsruher Lernfreundehaus werden sie von einer ukrainischen Schulpsychologin unterstützt.

Ukrainische Schulpsychologin Yulia Machenko
Schulpsychologin Yulia Marchenko hilft den Kindern auf Ukrainisch, wenn notwendig aber auch auf Russisch. Foto: Jörg Donecker

13 junge Menschen zwischen zehn und zwölf Jahren sitzen in einem Zimmer im Lernfreundehaus in der Rintheimer Querallee. Sie kommen fast alle aus der Ukraine, sind erst seit kurzer Zeit in Deutschland und besuchen eine Vorbereitungsklasse an der Ernst-Reuter-Schule in der Waldstadt.

Der Besuch im Lernfreundehaus dient auch dazu, Kontakt mit einer Schulpsychologin aufzunehmen, die ebenfalls aus der Ukraine stammt. Yulia Marchenko ist zu Beginn des Kriegs selbst aus der Ukraine geflüchtet – gemeinsam mit ihren beiden Kindern.

Zuvor hatte die Diplom-Psychologin 15 Jahre lang an der ukrainischen Schule mit Kindern gearbeitet. Als sie nach Karlsruhe kam, brachte sie sich zunächst ehrenamtlich im Lernfreundehaus ein.

„Dann ging es bei Yulia immer mehr in Richtung Bildungsarbeit“, meint Jasmin I. Sahin, Geschäftsführerin des Lernfreundehauses, deren Aktivitäten sich ausschließlich über Spenden finanzieren.

Karlsruher Psychologin spricht mit Kindern in ihrer Landessprache

Jetzt ist Yulia Marchenko – ausgestattet mit Arbeitsvertrag – eine wichtige Ansprechpartnerin für die ukrainischen Schüler in den Vorbereitungsklassen verschiedener Schulen in Karlsruhe. Denn: Sie kann mit den Schülern in ihrer Landessprache, wenn notwendig aber auch auf Russisch kommunizieren.

An den Schulen besteht diese Möglichkeit in der Regel nicht. Das heißt in der Folge: Mit ihren Problemen und Erlebnissen bleiben die Kinder oft alleine. „Hier geht es zunächst auch um ein Kennenlernen“, sagt Marchenko.

Und darum, zu vermitteln, dass es in der Schule um Respekt gegenüber den Mitschülern, aber auch gegenüber den Lehrern gehe. „Wir müssen den Schülern zunächst einmal vermitteln, dass es in den Vorbereitungsklassen um Schulunterricht geht“, ergänzt sie.

Es ist wichtig, zu verstehen, was sie jeweils erlebt haben.
Yulia Marchenko, Schulpsychologin

Das ist keine einfache Sache, weil die Kinder mit unterschiedlichen Haltungen in den Unterricht kommen. Die einen sind sich sicher, dass sie wieder zurück in die Ukraine gehen und es sich nicht lohne, die deutsche Sprache zu lernen.

Andere sind verunsichert und wissen nicht, wie es weitergehen soll. „Es ist wichtig, zu verstehen, was ihre Lebenssituation ist und was sie jeweils erlebt haben“, betont Marchenko.

Einmal pro Woche ist eine ukrainisch sprechende Person dabei

Für Frank Bauer, Lehrer in der Vorbereitungsklasse an der Ernst-Reuter-Schule, ist der Kontakt zwischen Schülern und einer ukrainisch sprechenden Schulpsychologin eine große Chance. „Das baut eine Brücke zu uns, weil wir hier die Möglichkeit haben, zu erfahren, was die Kinder bewegt.“

In der Regel müssen Bauer und seine Kollegin Silvia Koch nämlich ohne Übersetzer auskommen. Das macht die Vermittlung von Inhalten und die Kommunikation insgesamt schwierig. Lediglich einmal in der Woche ist im Unterricht eine ukrainisch sprechende Person dabei. „Dann geht es deutlich besser“, so Bauer.

Der Besuch im Lernfreundehaus bringe auch Struktur und Rituale in den Tagesablauf der Kinder, macht Silvia Koch von der Ernst-Reuter-Schule deutlich.

Und es bringt neue Begegnungen – mit anderen Kindern aus der Ukraine, die erst seit kurzem in Deutschland sind und noch keine Vorbereitungsklasse besuchen können.

Für sie ist die Schulpflicht sechs Monate ausgesetzt. Im Lernfreundehaus erhalten sie wichtige Unterstützung. „Wir befinden uns hier in der SOS-Situation und machen quasi Notfallpädagogik“, stellt Lernfreundehaus-Leiterin Sahin fest.

nach oben Zurück zum Seitenanfang