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Umfrage in Karlsruhe

Immer mehr Autofahrer greifen zum Ganzjahresreifen

Wenn der erste Schnee fällt, setzt traditionell der Run auf den Reifenhandel ein. Dabei geht der Trend zum Ganzjahresreifen. Der ist jedoch nicht für alle Autofahrer die beste Wahl.

Wer mitdenkt, wechselt schon jetzt: Bereits vor dem ersten Schnee und Eis empfiehlt sich für Autofahrer die Umrüstung auf Winterreifen, wie hier bei Euro-Reifen in der Oststadt. Foto: Jörg Donecker

Auf schattigen Schwarzwaldhöhen gab es am Wochenende den ersten Schnee. Sobald es auch in den Niederungen Winter wird, setzt wie in jedem Jahr wieder die große Prozession ein: Autofahrer stehen vor den Reifendiensten Schlange. Das Auto braucht die passenden Schuhe für die kalte Jahreszeit.

ADAC-Mann Thomas Hätty warnt: Wegen Corona können die Reifenhändler immer nur eine begrenzte Anzahl von Kunden bedienen. Wer also neue Winterreifen braucht, sollte sich beizeiten um einen Termin kümmern.

Wechsel trotz Klimawandels sinnvoll

Doch halt: Pneus für Matsch und Schnee – braucht es die überhaupt noch? Schließlich ist doch der Klimawandel in vollem Gange und Schneefall im Rheingraben ähnlich häufig anzutreffen wie der Hering im Fluss.

Dass ein Wechsel oft dennoch sinnvoll ist, unterstreicht Michael Pallmer, der in Grünwettersbach einen Kfz- und Reifenbetrieb leitet. Denn bereits bei einstelligen Plusgraden ist ein guter Winterreifen dem Sommer-Pneu in punkto Bremsweg überlegen. Möglich macht es die Gummimischung. Die ist weicher, so dass der Reifen schön geschmeidig bleibt. Andererseits: Wer einen Winterreifen das ganze Jahr über fährt, wird feststellen, dass er im Sommer schneller verschleißt. Alle fünf Jahre, so Michael Pallmers Rat, sollten Winterreifen ersetzt werden.

Es droht ein Punkt in Flensburg

Mit Sommerreifen in den Winter zu starten, ist grundsätzlich keine gute Idee. Denn laut Gesetzgeber hat jeder Autofahrer die Pflicht, stets mit geeigneten Pneus unterwegs zu sein. Wer also bei Raureif, Eis oder Schnee reifenbedingt liegen bleibt und zum Verkehrshindernis wird, kassiert eine Strafe von 60 Euro und einem Punkt in der Verkehrssünder-Kartei, rechnet der Leiter Verkehr und Technik beim ADAC Nordbaden, Thomas Hätty, vor. Kommt es infolge falscher Bereifung gar zu einem Unfall, sind 120 Euro und ein Punkt fällig. Und wenn es ganz dumm läuft, nimmt die Versicherung dann auch noch den leichtfertigen Verursacher in Regress.

Formal aus dem Schneider ist, wer einen Ganzjahresreifen fährt. Der gilt auch als Winterreifen, muss aber – der Name bringt es zum Ausdruck – nicht saisonal getauscht werden. „Wir registrieren eine enorme Zunahme bei der Nachfrage nach solchen Reifen“, berichtet Alessandro Amenta von Euro-Reifen in der Theodor-Rehbock-Straße im Osten der Stadt.

Der Experte schätzt, dass sein Haus in der zurückliegenden Saison rund dreimal so viele Ganzjahresreifen verkauft und montiert hat wie noch 2018. In ökonomischer Hinsicht sind Ganzjahresreifen für Händler wie Alessandro Amenta so eine Sache: Weder braucht es für sie nämlich einen zweiten Satz Felgen, noch kommt die Kundschaft nach Erwerb einmal je Saison zum kostenpflichtigen Umstecken der Räder vorbei. Je nach Nutzungsprofil kann ein Ganzjahresreifen aber für den Kunden die beste Lösung sein, „und dann beraten wir natürlich auch entsprechend“, sagt der Händler.

Wann Winterreifen entsorgt werden sollten

Wer allerdings regelmäßig im Schwarzwald unterwegs oder Wintersportler ist, trifft mit reinen Winterreifen die bessere Wahl. Am besten mit einem separaten Satz Felgen, wie Salvatore Savarese vom Reifenservice Pneusa in der Dieselstraße empfiehlt. Ab einer Profiltiefe von vier Millimetern sollten Winterreifen entsorgt werden, erklärt der Fachmann.

Die Regel lautet: Von O bis O. Von Oktober bis Ostern haben demzufolge die Winterschuhe fürs Auto Konjunktur, verdeutlicht ADAC-Fachmann Thomas Hätty. Wobei es keine Rolle spielt, ob das Auto per Otto-Maschine, Diesel oder Elektromotor angetrieben wird.

Eine Besonderheit allerdings hat ein reines Strom-Auto: Wegen seines meist größeren Drehmoments sind die Reifen in der Regel auch größerem Verschleiß ausgesetzt. Von ausgesprochenen Billigprodukten aus Fernost rät Hätty zumindest Vielfahrern ab. Hier zählten neben Sicherheit auch Abrollkomfort und Haltbarkeit. Anders ist es bei einem Kleinwagen für die urbane Kurzstrecke, der nur wenige tausend Kilometer jährlich zurücklegt. Für eine solche Nutzung kämen unter Umständen auch Pneus am unteren Ende der Preisskala in Betracht.

Achtung bei Mietwagen

Nicht nur beim eigenen Wagen sollten Automobilisten im Übrigen einen wachsamen Blick auf die Reifen haben. Auch wer auf Mietwagen- oder Carsharing-Angebote zurückgreift, ist grundsätzlich für den Zustand der Pneus zuständig. Das ist umso bedeutender angesichts des Umstands, dass längst nicht alle Leihwagen-Anbieter grundsätzlich in der kalten Jahreszeit Winterräder montieren. „Verantwortlich ist im Zweifel der Fahrer“, sagt Thomas Hätty.

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