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Schlangestehen vor der „Marktlücke“

Erste Corona-Impfaktion in Karlsruher Gasthaus kommt gut an

Das Konzept geht auf, das Wetter spielt mit: Viele Impfwillige nutzen am Samstagnachmittag die schnelle Chance auf den Impfpiks. Auch am Sonntag gibt es eine Coronaimpfung ohne Termin an gastronomischer Adresse in der Oststadt.

Piks statt Bier: Im Gasthaus „Marktlücke“ lässt sich Marian Seeger als einer der ersten Menschen, die das Impfangebot ohne Termin nutzen, von Hans Joachim Jonderko gegen Corona impfen. Foto: Jörg Donecker

Immer vier Menschen auf einmal lässt die freundliche Ordnerin aus der Warteschlange eintreten. Sonst würde es zu eng in der Impfzone im ersten Obergeschoss der Gastwirtschaft „Marktlücke“ am Marktplatz. Die erste städtische Impfaktion gegen Corona in einem Gasthaus kommt an.

Fünf Stunden lang sind am Samstagnachmittag zwischen Ausschank und rustikalen Holztischen Impfungen ohne Termin möglich. Ab 13 Uhr stehen die Leute Schlange zwischen der gut besetzten Außengastronomie der Konditorei Böckeler und der Verschalung des Abgangs zur U-Strab-Haltestelle Marktplatz. Zeitweise warten mehr als 40 Impfwillige geduldig.

Einer der ersten, der sich von Hans Joachim Jonderko gegen Corona impfen lässt, ist Marian Seeger. Sein Weg zum Arzt führt vorbei an einem Tisch mit Drucker für die Registrierung und Ausgabe der Unterlagen. Beratung und schließlich die Spritze mit Biontech oder Johnson & Johnson gibt es im rückwärtigen Bereich, etwas abseits des Geschehens.

Zuletzt geht es wieder Richtung Treppe ins Erdgeschoss, vor der alle Geimpften ihr frisch ausgedrucktes Impfzertifikat in die Hand bekommen.

Schnelle Chance wird gern ergriffen

Auch Ferdinand Kaplan nimmt die Chance wahr, quasi im Vorbeigehen seine Spritze mit dem Serum gegen das Coronavirus zu erhalten. Der Karlsruher ist mächtig froh über das Angebot. „Eine Supersache und nette Idee, das in einer Kneipe anzubieten“, sagt er.

Als er von der Gelegenheit hörte, beschloss der 34-Jährige, sich mit einem Abstecher an den Marktplatz seine Zweitimpfung zu holen: „Das passte mir richtig gut.“

Am Vortag hat ein 28-Jähriger von der Aktion erfahren und sie direkt für sich und seine Begleiterin genutzt. Sein Beweggrund ist klar: „Wegen der Freiheit, wieder ohne Einschränkungen zu reisen.“

Es geht ebenfalls um die Zweitimpfung. „Bisher war es sehr schwierig, einen Termin zu bekommen“, berichtet der Mann aus der Südstadt. Mehr als 30 Mails habe er für die Erstimpfung geschrieben, bis es mit Biontech in Ettlingen endlich klappte.

Anstehen für die Chance: Geduld beweisen die Menschen, die das erste Impfangebot in einem Karlsruher Gasthaus annehmen. Zeitweise stehen mehr als 40 Impfwillige vor der „Marktlücke“ am Marktplatz Schlange. Foto: Jörg Donecker

„Diesen ungewöhnlichen Ort finde ich super und auch, dass es jetzt schnell vorangeht“, sagt der 28-Jährige. Denn auch persönlich ist ihm die Zeit davongerannt: „Ich will Anfang August nach Tunesien.“

Gutes Wetter macht die Abwicklung einfacher

Weil das Wetter mitspielt, speisen die Gäste des Wirtshauses am Samstagnachmittag vornehmlich im Freien und genießen auch ihre Getränke dort. Deshalb klappt es prima mit der Impfaktion in der „Marktlücke“, erklärt deren Inhaber Hilmar Schäuble.

Das Obergeschoss belegt nämlich das medizinische Team aus zwei Ärzten und vier Assistenten. Ergänzend steht für einen Notfall der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) parat.

„Von mir aus können wir das jeden Tag machen“, sagt Schäuble. „Wir finden es wichtig, dass wir so dem Ende der Pandemie näher kommen.“

Auch am Sonntag gibt es eine Coronaimpfung ohne Termin an gastronomischer Adresse, und zwar zwischen 15 und 20 Uhr im „Alten Schlachthof“ in der Oststadt. Zur Wahl stehen erneut die Impfstoffe von Biontech und Johnson & Johnson. Letzterer kann besonders für Menschen attraktiv sein, die in Urlaub fahren möchten, weil er nur eine Impfung erfordert.

Guter Start mit 120 Geimpften

Möglich, dass die Impfspritze auch künftig angeboten wird, wo Speisen und Getränke gereicht werden. Andreas Ruf beobachtet die Premiere am Marktplatz gezielt, um das anzubahnen.

„Wir wissen, es gibt noch ganz viele Menschen, die von einer Impfung gegen das Coronavirus profitieren“, sagt der Arzt und Leiter der Karlsruher Impfzentren.

Es sei eben sehr lange sehr schwierig gewesen, einen Termin zu bekommen. „Das hallt nach, das wissen wir“, so Ruf. „Deshalb setzen wir auf alle Impfsäulen mit der Botschaft, dass wir alles versuchen, um die Menschen zu erreichen.“

Am Abend zählt Ruf rund 120 Geimpfte. Gehofft hatte er, dass mindestens 50 Menschen sich die Erstimpfung holen. „Dieses Ziel ist übertroffen“, sagt er. „Einige sind für die Zweitimpfung gekommen, das ist ok.“

Bei Bedarf wäre noch Impfstoff in Reserve gewesen, das Depot ist nah. Einem Kreislaufkollaps, eine typische Reaktion auf den Nadelstich, sei problemlos abzuhelfen gewesen, berichtet Ruf.

Impfung ohne Termin wird ab Montag auch regelmäßig innerhalb bestimmter Zeitfenster im Impfzentrum in der Schwarzwaldhalle möglich.

Für diese Adresse können sich Interessierte aber auch weiterhin einen Termin geben lassen, etwa, weil sie keine Wartezeit riskieren möchten. Alle Angebote zum Impfen in der Schwarzwaldhalle sind im Internet unter http://impfen-ka.de zu finden.

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