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Aktionstag

In Karlsruhe gingen Menschen gegen den Paragrafen 218 auf die Straße

Der Abtreibungsparagraf hat für die Karlsruher Fraueninitiativen mehr Aussage: Selbstbestimmung sei auch nach 150 Jahren nicht erreicht, so der Tenor bei dem Aktionstag auf dem Marktplatz am Samstag.

Protest auf dem Marktplatz: Beim Aktionstag steht der Paragraf 218 im Mittelpunkt. Foto: Jörg Donecker

150 Jahre sind wahrhaftig genug, meinen die Frauen: Vor 150 Jahren wurde der Abtreibungsparagraf 218 ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Jetzt hat die Partei „Die Linke“ dem Bundestag einen Antrag vorgelegt, in dem sie das „Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung sichern und reproduktive Gerechtigkeit ermöglichen“ will.

Ein breites Bündnis von Karlsruher Fraueninitiativen hat am Samstagnachmittag auf dem Marktplatz viele Frauen und einige Männer angelockt, die sich informieren und vor allem ihre Solidarität bekunden wollten.

Auf dem bundesweiten Aktionstag gegen den Paragrafen 218 informierte die Gemeinderätin Mathilde Göttel über die Geschichte dieses Paragrafen, der direkt neben Mord, Totschlag und fahrlässiger Tötung steht: „Frauen sind bis heute Kriminelle“, sagt sie. Schon zur Jahrhundertwende hatte das Motto „Dein Bauch gehört dir“ geheißen, bis heute hätten die Frauen keine Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper.

Recht auf Abtreibung bleibt umstritten

Vor allem die christlichen Parteien hätten das Recht auf Abtreibung immer wieder eingeschränkt. Sie ist sich aber sicher: „Wir werden dafür sorgen, dass es ein ungemütlicher Jahrestag wird.“

Lila Fahnen waren zu sehen und lila Masken, und viel Applaus gab es bei den kämpferischen Reden und der Musik der Karlsruher Rapperin Migerra. Die beiden Rednerinnen vom Offenen Frauentreffen machten darauf aufmerksam, dass es nicht nur um die Abtreibung an sich gehe, sondern um eine soziale Umgestaltung.

Denn immer noch würde den Frauen die finanziellen und gesundheitlichen Kosten für die Verhütung aufgebürdet, eine Aufklärung zur Selbstbestimmung über den eigenen Körper finde nicht statt, Frauen würden immer noch benachteiligt und gegängelt: Betreuen sie ihre Kinder, müssten sie auf Karriere verzichten. Wollen sie keine, würden sie scheel angesehen. Wollen sie nach dem Kinderkriegen wieder in ihren Job, werde ihnen Vernachlässigung vorgeworfen.

Und bei einer Abtreibung werden sie zu einer Zwangsberatung verdonnert. Immer müsse die Frau sich rechtfertigen und erklären. Das müsse sich ändern: 150 Jahre seien genug.

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