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„I hätt do mol e Frog”

In Karlsruhe hatten Kinos in den 1950ern Hochkonjunktur

Heute gibt es noch drei Kinos in Karlsruhe. Früher waren es mehr. Wie viele, wollte BNN-Leser Michael Hofmann wissen. Gemeinsam mit Historikern werfen wir einen Blick in die Karlsruher Kinogeschichte.

Karlsruhe war in den späten 1950ern eine wahre Kinostadt. Die steigende Zahl von Fernsehern machte den Lichtspielhäusern jedoch harte Konkurrenz. Heute gibt es nur noch drei Kinos. Das Regina-Kino in der Rüppurrer Hebelstraße musste Mitte der 1960er schließen. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger

Wenn Michael Hofmann durch die Rintheimer Hauptstraße schlendert, werden bei ihm jedes Mal Erinnerungen an die große Zeit des Karlsruher Kinos wach. Wo heute das Judo-Dojo der ESG Frankonia zum Kampfsport lädt, befand sich früher nämlich das Stadtteilkino Palette. „Da habe ich sehr viele Filme gesehen“, erzählt Hofmann.

Heute geht er nur noch selten ins Kino. Zum einen fehlt ihm die Zeit, zum anderen gibt es schlichtweg nicht mehr so viele Angebote wie in seiner Jugend in den 1960er Jahren. „Wie viele Kinos gab es eigentlich einmal in Karlsruhe und Durlach?“, wollte Hofmann deshalb von der Lokalredaktion der BNN wissen.

1956 strömten viereinhalb Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser

Als die Palette 1956 ihre Pforten für die Filmfans öffnete, hatten Kinos in Karlsruhe absolute Hochkonjunktur. Im diesem Jahr strömten 4.555.715 Besucher in die 22 Lichtspielhäuser der Fächerstadt. Der Historiker Gerhard Bechtold hat diese Zahlen in seinem Standardwerk „Kino – Schauplätze der Stadt“ in Relation gesetzt.

In jenem Jahr hatte Karlsruhe rund 225.000 Einwohner. Wenn man davon ausgeht, dass etwa jeder zweite Stadtbewohner ins Kino ging, kam man bei passionierten Kinogängern auf durchschnittlich 50 Kinobesuche pro Jahr. Leute aus den angrenzenden Ortschaften sind nach Bechtolds Einschätzung noch nicht oft nach Karlsruhe gefahren, denn in den Umland-Gemeinden gab es in den 1950er Jahren ebenfalls ein flächendeckendes Kino-Netz.

Karlsruhe war eine echte Kinostadt.
Volker Steck, Historiker beim Karlsruher Stadtarchiv

An das Rekordjahr 1956 konnten die Karlsruher Kinobetreiber allerdings nie mehr anknüpfen. Vier Jahre später gab es im Stadtgebiet zwar vier Kinos mehr, dafür aber 708.806 Besucher weniger. Damit wurden 1960 immerhin noch die Besucherzahlen von 1952 erreicht, allerdings gab es damals lediglich 17 Kinos.

„Karlsruhe war eine echte Kinostadt“, sagt Historiker Volker Steck vom Stadtarchiv. Das Kino hatte in den Wirtschaftswunderjahren allerdings noch eine andere Bedeutung als heute, war Treffpunkt, Sehnsuchtsort und dazu noch für viele Menschen die einzige Möglichkeit, um sich einen Film anzusehen.

Tanzpalast und Kino. 1970 war das Rheingold bereits in zwei Bereiche aufgeteilt. Foto: Stadtarchiv Karlsruhe, Bildarchiv Schlesiger

Die ersten Lumiere-Filme wurden in Karlsruhe laut den Recherchen von Josef Jünger, Gründer des Karlsruher Stummfilmfestivals, bereits 1896 gezeigt. Bis zum Bau des ersten Karlsruher Kinos, dem Residenz-Theater, durch Kino-Pionier Otto Alban Kaspar im Jahr 1908, wurden Filme von Wanderkino-Betreibern in Varieté-Theatern präsentiert.

Immer mehr Fernseher zwingen viele Karlsruher Kinos in die Knie

Die erste echte Delle erlebte die Kinokultur nach vielen Jahren des permanenten Wachstums durch den Einzug der Fernsehapparate in die Wohnzimmer der Bundesrepublik. „Das Fernsehen war der Totengräber des Kinos“, schreibt Bechtold.

Zwischen 1962 und 1967 schlossen mit Pali, Rondell, Cinema, Kronen-Lichtspiele, dem Echo Filmtheater in Daxlanden, dem Kali in Durlach, den Regina-Lichtspielen in Rüppurr, dem Lili in Knielingen, dem Gloria in Mühlburg und der Palette gleich zehn Karlsruher Kinos ihre Pforten.

Kriselnde Kinobranche: Das Lichtspielhaus Kurbel in der Kaiserpassage wurde vor zwei Jahren geschlossen. Foto: Joerg Donecker

Und das Kinosterben war damit noch nicht zu Ende. In den 1970er Jahren machten weitere Kinos dicht, einige wegen finanzieller Probleme, andere wie das Capitol in der Weststadt, wo der Betreiber ein Jahr lang den Monumentalfilm „Dr. Schiwago“ zeigen wollte, wegen unattraktiver Programmgestaltung.

Mit der Schließung des Durlacher Skala endete 1980 die große Epoche der Karlsruher Kinokultur. Weitere Totengräber des Kinos waren Videorekorder, Kabelfernsehen und Internet.

Schauburg zeugt noch heute von glorreicher Geschichte

Komplett verdrängt wurden die Kinos durch die moderne Technik aber bis heute nicht. Von der langen Kinogeschichte zeugt in Karlsruhe heute noch die Schauburg.

Das Kino "Schauburg" zieht Cineasten aus Karlsruhe und der Region an. Für sein Programm wurde das Lichtspielhaus schon mehrfach ausgezeichnet. Foto: Kaluzny

Das Programmkino gehört seit seiner Eröffnung vor 91 Jahren zu den Säulen der Karlsruher Kinolandschaft. Regelmäßig Kinofilme gezeigt werden auch noch im Filmpalast am ZKM, im Universum Kino am Europaplatz und von der Kinemathek im ehemaligen Kurbel-Kino in der Kaiserpassage.

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