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Besondere Wirkung der Tiere

In Schule oder Pflegeheim: Wie Hunde in Karlsruhe Menschen helfen

Wer einen Hund streichelt, ist danach oft weniger gestresst. Das wissen auch viele Karlsruher, die mit einem Vierbeiner das Leben teilen und ihn sogar mit in die Schule sowie ins Pflegeheim nehmen.

„So bekomme ich den Kopf frei“: Die täglichen Spaziergänge mit ihrem Hund bedeuten Elvira Fischer-Walter viel. Wenn die beiden gemeinsam in der Natur unterwegs sind, kann sie abschalten. Foto: Petra Hirschel

Gauner läuft gerne vorneweg. Er flitzt los, sobald Elvira Fischer-Walter ihn von der Leine lässt. Doch ein Pfiff – der Weimaraner kommt sofort zu seinem Frauchen zurück. „Ich könnte nicht ohne Hund sein“, sagt die Karlsruherin und streicht dem Tier über den Kopf.

Es ist Mittagszeit. Und wie so oft geht Fischer-Walter mit Gauner spazieren. Sie läuft mit dem Jagdhund über die Wiesen und Felder von Hagsfeld. Ein vertrautes Bild für alle, die die 59-Jährige kennen.

Gauner, der eigentlich Gunvald heißt, gehört seit fast zehn Jahren zur Familie Walter. Er ist der dritte Hund, mit dem sie „Freud und Leid teilt“, wie seine Besitzerin sagt.

Fischer-Walter, aber auch ihr Mann sowie die Töchter und Enkel haben die Vierbeiner immer als treue Freunde geschätzt. „Sie sind kein Ersatz für einen Menschen“, sagt sie. Doch sie ist überzeugt: Wer einen Hund an seiner Seite hat, verkrafte Schicksalsschläge leichter.

Hundebesitzer wissen um die Wirkung der Tiere

In Karlsruhe leben rund 8.800 Hunde. In jedem 20. Haushalt der Stadt bellt es. Die Motivation der Halter, sich ein Tier anzuschaffen, dürfte unterschiedlich sein. Tatsache ist aber, dass die Anwesenheit eines Hundes sich positiv auf die menschliche Psyche auswirkt. Immer wieder belegen Studien, was viele Hundebesitzer wissen: Die meisten Zweibeiner fühlen sich in Anwesenheit ihrer vierbeinigen Kameraden weniger gestresst.

So stellten Wissenschaftler der Universität von British Columbia im kanadischen Vancouver fest, dass wer einen Hund streichelt oder knuddelt, danach glücklicher ist als zuvor. Die Tiere sorgten selbst bei kurzem Kontakt für ein Wohlbefinden, das über mehrere Stunden anhält.

Hunde beruhigen - auch in der Schule

Eine Beobachtung, die auch Susanne Boss immer wieder macht. „Yella verbreitet guter Laune“, sagt sie. Die Karlsruherin unterrichtet am Europa-Gymnasium in Wörth, seit 2015 begleitet ihre Hündin sie auf die andere Seite des Rheins. Und zur Freude der Schüler nimmt Yella an deren Deutschstunden teil – schlafend, aber doch präsent. „Der Unterricht verläuft ganz normal“, betont Boss. Doch die Atmosphäre sei anders, wenn die Hündin nicht im Klassenzimmer liege.

Alles wird gut: Das Bild von Schulhündin Yella sollte während des Lockdowns im Frühjahr ihren „Mitschülern“ Mut machen. Ihr Frauchen postete das Foto in Facebook. Foto: Susanne Boss

Weil den Kindern die einfühlsame Mitschülerin fehlt? Yella bemerke Stimmungsschwankungen sofort, so seine Halterin. Wie zum Beispiel kürzlich: Eine Schülerin stand unter Druck, weil sie mit einer Klassenarbeit nicht zurande kam. Die Hündin setzte sich zu ihr, das Mädchen hielt dann mit der linken Hand Yellas Pfote fest, mit der Rechten schrieb sie. „Sie sagte ‚das beruhigt mich‘“, erzählt Boss.

Hunde bringen Zärtlichkeit in Pflegeheime

Dass ein Tier allein durch seine Anwesenheit Positives bewirken kann, weiß auch Christina Merz. Die erste Vorsitzende des Karlsruher Vereins „Besuchsdienst mit Tieren“ war in den vergangenen Jahren häufig mit ihren Collies in Alten- und Pflegeheimen.

Sehr beeindruckt hat sie ein Erlebnis: Eine demente Frau, die fast nie sprach und meist abwesend wirkte, verfolgte mit ihren Augen aufmerksam die Bewegungen ihres tierischen Besuchs. „Ein schöner Hund“, habe sie plötzlich zu aller Überraschung gesagt, erzählt Merz.

Weiß von der positiven Wirkung von Hunden: Christina Merz besuchte vor der Corona-Pandemie mit ihren Collies regelmäßig Alten- und Pflegeheim. Foto: Calis Pictures

Rund 30 Vereinsmitglieder verbringen mit ihren Tieren regelmäßig Zeit bei Bewohnern von Heimen in Karlsruhe und Umgebung. Die Senioren erfreuen sich an den Hunden – die einen, weil sie selbst einmal Halter gewesen sind, die anderen, weil sie gerne ein Tier um sich haben und es vielleicht auch schön finden, die Fellnase zu streicheln. „Alten Menschen fehlt oft Zärtlichkeit“, weiß Merz.

Wer regelmäßig von einem Hund besucht wurde, vermisst ihn sicherlich.
Christina Merz, Vorsitzende von „Besuchsdienst mit Tieren“

Seit März 2020 allerdings hat kaum ein Vierbeiner seinen Kopf der Hand eines Pflegeheimbewohners entgegengestreckt. Wegen Corona musste der Verein sein Engagement weitgehend einstellen. „Wer regelmäßig von einem Hund besucht wurde, vermisst ihn sicherlich“, meint die Vereinsvorsitzende.

Ob Elvira Fischer-Walter auch als betagte Frau einen Hund haben will, weiß sie noch nicht. Wäre sie dann in einem Pflegeheim, sie würde auf tierischen Besuch hoffen, sagt sie. Seit ihrem zehnten Lebensjahr begleiten Hunde die Karlsruherin durchs Leben. Nur eine kurze Zeit begrüßte kein Vierbeiner sie jeden Morgen. „Ohne Hund gehe ich aber nicht spazieren“, räumt Fischer-Walter ein.

So führte sie die Bewohner eines Tierheims aus, um bei ihren Fußmärschen durch die Natur Glück zu empfinden. Wie jetzt bei ihrem Spaziergang mit Gauner. Sie schaut zu dem Weimaraner und zitiert Franz von Assisi: „Dass mir der Hund das Liebste sei, sagst du, o Mensch, sei Sünde? Der Hund blieb mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“

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