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Umbauarbeiten beendet

Am südlichen Zugang zum Hauptbahnhof rettet Karlsruhe schon mal das Klima

Der Umbau des Vorplatzes zwischen Schwarzwaldkreuz und den Bahngleisen ist vollendet. Was das Besondere daran ist und wie die Stadt dort dem Klimawandel Rechnung trägt.

Blick auf den Hauptbahnhof Karlsruhe von Süden aus.
Der südliche Vorplatz des Karlsruher Hauptbahnhofs ist neu gestaltet. 25 Bäume und ein Fontänenfeld sollen sich positiv auf das dortige Mikroklima auswirken. Die Arbeiten hatten im Mai vergangenen Jahres begonnen. Foto: Jörg Donecker

Für Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) ist der Platz am Südzugang des Karlsruher Hauptbahnhofs „ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Areals“ und ein „Ort von herausragender Nachhaltigkeit“: Nach eineinhalbjähriger Umgestaltung hat das Stadtoberhaupt das Karree nun seiner Bestimmung übergeben.

Zwar ist das grüne Bahnhofsentree bedingt durch die Jahreszeit so grün noch nicht. Und auch die beim Festakt vielfach beschworene hohe Aufenthaltsqualität vermag sich bei Temperaturen wenig über dem Gefrierpunkt kaum wirklich einzustellen.

Dennoch ist der etwa 4.600 Quadratmeter große Platz dem Vernehmen nach in der Fachwelt bereits eine Attraktion. Denn Planer, Bauleute und Gartenspezialisten haben hier alle Register gezogen, um Klimawandel und künftigen Nutzungsprofilen Rechnung zu tragen.

Der Clou liegt unter dem Erdboden

Der Clou liegt unsichtbar unter dem Erdboden: Dort hat man nicht nur auskömmlich Raum für die Wurzeln der Bäume geschaffen. Ein spezieller Schichtaufbau gewährleistet auch die beste Versorgung mit Wasser und Luft. Dabei helfen Bewässerungs- und Belüftungsleitungen, und ungebunden verlegte Platten fördern die Versickerung.

25 sogenannte Klimabäume sind neu gepflanzt – unter anderem mediterrane Eichen und Kiefern, aber auch Zürgel- und Chinesische Surenbäume. Sie verteilen sich scheinbar natürlich über den fast quadratischen Platz zwischen den Gebäudeflanken; 13 stehen auf der Westseite des Entrees, die restlichen zwölf stehen östlich der Mittelachse.

Nach dem Prinzip der sogenannten Schwammstadt werden sie direkt und ausreichend mit lebenswichtigem Nass und mit Luft versorgt, bevor das Regenwasser unnötig die Kanäle füllt.

Karlsruhe erhofft sich wertvolle Erkenntnisse zu Klimabäumen

Die Experten des städtischen Gartenbauamts erhoffen sich von der Pflanzung wertvolle Erkenntnisse über die tatsächlichen Fähigkeiten der eingesetzten Gewächse, dem Klimawandel zu trotzen. Je nach Erfolg könnten sich die entsprechenden Baumarten in den nächsten Jahren auch an anderen Stellen in der Stadt bewähren, hieß es am Rande der Platzeröffnung.

Der neue Vorplatz: Klare Linien halten Reisende auf Kurs.
Der neue Vorplatz: Klare Linien halten Reisende auf Kurs. Foto: Stadt Karlsruhe/BNN

Nicht nur die Bäume sollen zu allen Jahreszeiten den runderneuerten Südeingang zum Hauptbahnhof attraktiv machen. Es gibt auch zehn lange Sitzbänke und 75 Abstellbügel für Fahrräder. 13 gebogene Lichtstelen mit LED-Technik leuchten den Platz aus.

Und: 30 Wasserdüsen in drei Reihen bringen zusätzlich Frische in die seitlichen Baumhaine. Temperaturgesteuert wandern die Fontänen im Sommer über das Gelände. Ein taktiles Leitsystem unterstützt Menschen mit Sehbehinderung auf ihrem Weg vom und zum Hauptbahnhof.

Stadt hat vier Millionen Euro ausgegeben

Man habe hier „ein schönes Stück Stadt geschaffen“, betonte der OB. Der einstige „Schmuddelecken-Charakter“ sei nunmehr überwunden. Tobias Baldauf vom maßgeblich beteiligten Münchener Büro „bauchplan“ lobte die Verantwortlichen im Rathaus, auf dieses innovative und zukunftsfähige Konzept gesetzt zu haben.

Er hofft, dass solche Klimaplätze in Karlsruhe und anderswo immer häufiger anzutreffen seien. Laut OB Mentrup hat die Stadt vier Millionen Euro für die Umgestaltung ausgegeben. Der Betrag wurde komplett aus dem städtischen Haushalt finanziert. Eine anderweitige Förderung sei nicht möglich gewesen.

Autos müssen draußen bleiben

Für Autos ist am umgestalteten Südeingang des Hauptbahnhofs kaum mehr Platz. Parallel zur Schwarzwaldstraße gibt es zwölf Parkstände in der sogenannter „Kiss-&-Ride“-Zone, zwei Parkstände davon sind Nutzern mit Handicap vorbehalten.

Zwischen ihnen und den Wasserdüsen befinden sich die Taxiplätze. Die einstige Möglichkeit, mit dem Auto bis nah an den eigentlichen Gebäude-Eingang zu kommen, ist Geschichte.

In den vergangenen Jahren hat sich die Bedeutung des Südeingangs am Hauptbahnhof deutlich gewandelt. Spielte er einst gegenüber dem Haupteingang auf der Nordseite nur eine untergeordnete Rolle, so wird er zwischenzeitlich von immer mehr Reisenden frequentiert.

Südeingang wird immer mehr genutzt

Das liegt vor allem an der stählernen und gläsernen Bürowelt des Digital-Unternehmens 1&1 mit einer vierstelligen Zahl von Angestellten und weiteren Mitarbeitern verschiedener Unternehmen. Ein großer Teil von ihnen reist per Bahn an.

Gefragt ist der Südeingang aber auch als Tor zum nahen Fernbus-Terminal. Und: Herbergen wie das B&B-Hotel am Schwarzwaldkreuz oder das Premier Inn am Wasserturm sind für Bahnreisende über das Südportal zu erreichen.

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